Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz 2014

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2014 wurde die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe in die mehrjährige Sanierung verabschiedet. Das Jahrbuch widmet sich der Architekturikone und ihrem historischen Umfeld. Außerdem: Welche Bedeutung das neu erworbene Konvolut des Schott-Verlags in der Staatsbibliothek hat, warum das Ibero-Amerikanische Institut historische Aufnahmen der Cora und Huichol nach Mexiko brachte und was der chinesische Pritzker-Preisträger Wang Shu im Humboldt Forum vorhat.

Jahrbuch-Cover mit Darstellung von Ludwig Mies van der Rohes Neuer NationalgalerieJahrbuch-Cover mit Darstellung von Ludwig Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie; Zeichnung © SPK / Julia Lerche

Klappentext zum Jahrbuch Bd. 50 / 2014

Das Cover deutet es schon an: Das Jahr 2014 war ein entscheidendes für das Berliner Kulturforum. Zum einen verabschiedete sich die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe in die mehrjährige Sanierung, zum anderen fällte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages auf Initiative der Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine historisch zu nennende Entscheidung. Zwischen dem Mies’schen Kunsttempel und der Philharmonie von Hans Scharoun wird an der Potsdamer Straße ein Erweiterungsbau entstehen und das Kulturforum auch städtebaulich vollenden. In mehreren Texten widmet sich das Jahrbuch den Besonderheiten des Kulturforums. Maite Katharina Kallweit blickt zurück und sieht den Tiergarten von jeher als Topografie der Avantgarde. Beim Kolloquium „Form versus Function. Mies und das Museum“ feierte der Architekturtheoretiker Fritz Neumeyer von der Freien Universität Berlin die Neue Nationalgalerie als einzigartiges Raumerlebnis und Alexander Schwarz von David Chipperfield Architects beschrieb, wie die Grundsanierung dieser Ikone der Moderne vonstattengehen soll und was man nachher davon sehen wird: Im besten Falle nichts. Und noch eine gute Nachricht vom Kulturforum gab es 2014: Das Kunstgewerbemuseum wurde nach dreijähriger Umbauzeit durch das Berliner Büro Kuehn Malvezzi wiedereröffnet und präsentiert sich nun mit einer neuen Modegalerie.

Ein zweites wichtiges Jahresthema war erneut das Werden des Humboldt Forums. Diesmal standen Herkunftsfragen der außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Mittelpunkt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat sich auf Grundpositionen verständigt, die wir hier erstmals abdrucken. Außerdem erläutern Carola Thielecke und Dorothea Kathmann in einem Überblickstext, welche Provenienzforschungsfelder es in der SPK gibt. Mit der Reihe „Auf dem Weg zum Humboldt-Forum“ startete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Serie von Veranstaltungen, die Zielsetzungen und Erwartungen formulieren sollen. Den Auftakt in der Rotunde des Alten Museums machte Alt-Bundespräsident Horst Köhler, der sich das Zentrum der Weltkulturen auch als einen kurzweiligen Ort wünscht. Was das Museum für Asiatische Kunst im neuen Berliner Schloss bieten wird, erklärt Direktor Klaas Ruitenbeek am Beispiel »Imperiales China« und gibt Einblick in die Planungen des Architekten und Pritzker-Preisträgers Wang Shu in »seinem« Raum. Zu guter Letzt unternimmt Stefan Müchler einen Ausflug auf die Marshallinseln, um den viel beschworenen »Dialog mit den Herkunftsgesellschaften« zu überprüfen.

Weiterhin in diesem Band: Die Staatsbibliothek zu Berlin erwirbt ein bedeutendes Konvolut aus dem Archiv des Schott-Verlages. Der langjährige Intendant des Konzerthauses am Gendarmenmarkt, Frank Schneider, schreibt über die nun zu erforschenden Beziehungen zwischen Verlegern und Komponisten, die für die Musikwissenschaft neue Erkenntnisse bereithalten. Nicht minder spektakulär darf eine Reise der Direktorin des Ibero-Amerikanischen Instituts, Barbara  Göbel, gelten, die den Cora und Huichol historische Aufnahmen der teilweise in Vergessenheit geratenen Ritualgesänge nach Mexiko zurückbrachte. Konrad Theodor Preuss hatte das klingende Vermächtnis während seiner Expedition (1905–1907) aufgezeichnet. Im Berliner Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums lagerte dieses faszinierende Erbe, das ein Zeugnis des Reichtums der oralen Kunst dieser Völker und der Tiefgründigkeit ihrer rituellen Traditionen ist. Im Dezember 2014 fand die von der SPK mitveranstaltete, viel beachtete Tagung »Kulturgut in Gefahr. Raubgrabungen und illegaler Handel« statt, nur einer von mehreren Beiträgen der Stiftung zum internationalen Kulturgutschutz. Karin Pütt beschreibt in diesem Band, wie am Museum für Islamische Kunst mit Unterstützung des Auswärtigen Amts syrische Kulturgüter dokumentiert werden und damit der Nachwelt trotz aller Zerstörungen in dem vom Krieg erschütterten Land erhalten bleiben.