Stiftung Preußischer Kulturbesitz restituiert Alabasterrelief – Verbleib in der Berliner Skulpturensammlung gesichert

Pressemitteilung vom 30.11.2009

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat kürzlich ein spätmittelalterliches Alabasterrelief an die Erbin des ehemaligen Eigentümers Harry Fuld Junior zurückgegeben, an die Magen David Adom UK (MDAUK), die englische Förderorganisation der israelischen Hilfsgesellschaft Roter Davidstern. Das Werk, das Fuld verfolgungsbedingt entzogen worden war, bleibt den Staatlichen Museen zu Berlin jedoch dank der Gesprächsbereitschaft der Erbin und des finanziellen Engagements der Ernst von Siemens Kunststiftung erhalten. Die Skulpturensammlung wird das Relief als Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung auch künftig im Bode-Museum ausstellen.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt dazu: „Eine faire und gerechte Lösung gemeinsam mit den Erben zu finden, war in diesem, wie in allen Restitutionsfällen, das vorrangige Ziel der SPK. Ich freue mich auch sehr, dass wir das Alabasterrelief weiterhin in Berlin den Museumsbesuchern präsentieren können.“

Harry Fuld jun. erbte von seinem Vater Harry Fuld sen. 1932 nicht nur Anteile an dem Familienunternehmen H. Fuld & Co., das Telefone herstellte und vertrieb, sondern auch eine Kunstsammlung. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten verlor er durch die Arisierung des Unternehmens seine Anteile und wanderte 1936 nach England aus. Seine Kunstsammlung lagerte er bei der Berliner Spedition Gustav Knauer ein. Auf Veranlassung der Oberfinanzdirektion wurde die Sammlung beschlagnahmt und 1943 über das Auktionshaus Lange in Berlin versteigert. Auf dieser Auktion erwarben die Staatlichen Museen zu Berlin das Relief. Ein kleiner Teil des Versteigerungserlöses gelangte in das Vermögen von Fuld, der weitaus größere Teil floss jedoch in die Staatskasse.

Die Provenienz des Werkes und seine Erwerbungsgeschichte ist erst vor wenigen Wochen in Kooperation mit den anwaltlichen Vertretern der Erben und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geklärt worden.

Das Alabasterrelief mit der Kreuztragung (17 x 26,8 cm, um 1440) zählt zu den bedeutendsten Passionsdarstellungen des Spätmittelalters. Die horizontale Komposition basiert auf der berühmten Lorcher Kreuztragung, einem Hauptwerk der Berliner Skulpturensammlung. Sie stellt den Weg Christi nach Golgatha dar. Neben dem unter der Last des Kreuzes gebeugten Christus, der von Soldaten verspottet und gequält wird, sind auch Johannes, Maria, eine weitere heilige Frau sowie Simon von Kyrene dargestellt. Darüber hinaus trägt der Rahmen des Bildes die umlaufende Inschrift „o.mensch.sich.dise.figur.an.und.wasz got.durch.dich.hat.getan.desz.solt im.dancken.sicherleich.so.geit er dir.sein.himelreich“ („O Mensch, betrachte dieses Bild und sieh, was Gott für dich getan hat. Dafür sollst du ihm sicherlich dankbar sein, damit er dir sein Himmelreich schenkt“). Nur sehr wenige Kunstwerke verbinden solche mahnenden Texte mit Bildern. Der Dialekt der Inschrift weist auf eine Herkunft aus dem Mittelrheingebiet hin.

Die SPK bekennt sich zu den 1998 verabschiedeten Washingtoner Prinzipien (Principles of the Washington Conference with Respect to Nazi-Confiscated Art) und bemüht sich um faire und gerechte Lösungen, wenn ein verfolgungsbedingter Verlust von Sammlungsobjekten festzustellen ist. Sie tut dies unabhängig davon, ob es zwin­gende Folge einer gesetzlichen Regelung ist. Gemäß einem Beschluss des Stiftungsrats aus dem Jahr 1999 ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befugt, direkt mit den Rechtsnachfolgern jüdischer Eigentümer über einvernehmliche Lösungen zu verhandeln. Die Stiftung hat seitdem in 30 Fällen über Restitutionsbegehren entschieden. 24 dieser Rückgabeersuchen wurde entsprochen, weitere Fälle sind derzeit in Bearbeitung. Die SPK reagiert jedoch nicht nur auf Restitutionsanträge, sondern erforscht sukzessive ihre Sammlungsbestände in systematisch-wissenschaftlicher Form im Hinblick auf ihre Herkunft und macht die Ergebnisse dieser Recherchen öffentlich.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dankt  der Ernst von Siemens Kunststiftung für ihre Unterstützung.

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