20 Jahre nach der Washingtoner Konferenz: SPK-Magazin widmet sich der Aufarbeitung des NS-Kunstraubs

Pressemitteilung vom 22.11.2018

Stiftung restituierte über 350 Kunstwerke und mehr als 2000 Bücher – Magazin zeigt in Reportagen, Interviews und Porträts wie die Herkunft von Objekten erforscht wird und wie es zu fairen und gerechten Lösungen kommt

Washington war eine Revolution“. So beschreibt der US-Diplomat Stuart Eizenstat im neuen SPK-Magazin die Konferenz, zu der die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 1998 Vertreter von über 40 Staaten eingeladen hatte, um den nationalsozialistischen Kunstraub aufzuarbeiten. Die Unterzeichner einigten sich auf elf Prinzipien zum Umgang mit „NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut“. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat auf dieser Grundlage bis heute über 350 Kunstwerke und mehr als 2000 Bücher restituiert. 

Das neue SPK-Magazin, das dieser Tage erscheint, widmet sich in Reportagen, Interviews, Hintergrundberichten und Essays der ganzen Bandbreite der Forschungsarbeit und zeigt viele Beispiele von fairen und gerechten Lösungen, die oftmals zu Rückgaben an die Berechtigten führen. Online finden sich zahlreiche zusätzliche Interviews und die englische Version des Magazins:

https://www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/dossiers-und-nachrichten/dossiers/magazin-ns-raubkunst.html

Die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs ist immer noch nicht abgeschlossen, auch wenn in den letzten Jahren viel passiert ist. Das SPK-Magazin erscheint zur Folgekonferenz des Washingtoner Treffens Ende November in Berlin und will Bilanz über bisherige Forschung und Rückgaben ziehen, aber vor allem zeigen, was wir für die Zukunft brauchen: Transparenz, Vernetzung, Vermittlung“, sagt Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Ohne das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz, das die SPK seit 2014 bei ausgewählten Projekten unterstützt, hätte das Magazin nicht realisiert werden können.

Nicola Kuhn zeichnet in ihrem Text  die Entwicklung des „Bewusstseinsprozesses“ der Museen nach der Washingtoner Konferenz nach. Ralf Hanselle unternimmt eine Spurensuche auf der Schwäbischen Alb, um an das Schicksal der jüdischen Sammlerfamilie Saulmann zu erinnern, die 1936 von den Nazis vertrieben und beraubt wurde. Aus ihrer Sammlung stammt das Relief „Drei Engel mit dem Christuskind“ aus dem 15. Jahrhundert, das im Bode-Museum identifiziert werden konnte, und schließlich restituiert und für die Sammlung zurückgekauft wurde. Julien Chapuis stellt diese ungewöhnliche Sakralskulptur vor.

Über Provenienzforschung in der Staatsbibliothek zu Berlin spricht Michaela Scheibe und schildert die Dimensionen der Aufarbeitung: „Wenn ich mit zehn Mitarbeitern hundert Jahre arbeiten würde, dann könnten wir das schaffen.“ Auch Gilbert Lupfer vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste spricht sich im SPK-Magazin dafür aus, Provenienzforschung als dauerhafte Aufgabe zu verankern: „Kurzfristige Projekte allein können diese Mammutaufgabe nicht lösen.“ Die Juristin Sophie Schönberger plädiert in einem Gastbeitrag an den Bundestag, den NS-Verfolgten und ihren Erben mit einem Restitutionsgesetz entgegenzukommen: „Damit würde das Parlament auch noch einmal ausdrücklich anerkennen, dass es Verantwortung für das nationalsozialistische Unrecht übernimmt und zu seiner Wiedergutmachung beitragen will.“

Sven Felix Kellerhoff zeigt am Beispiel des großen Berliner Verlegers Rudolf Mosse, wie deutsche Institutionen mit den Nachfahren von Opfern des NS-Kunstraubs in einer öffentlich-privaten Partnerschaft zusammenarbeiten und gemeinsam eine der wichtigsten Kunstsammlungen rekonstruieren. Berthold Seewald  blickt auf Kunstwerke aus Görings Landsitz Carinhall, die bei der Suche nach Fremdbesitz in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin identifiziert werden und immer noch Fragen aufgeben. Das Heft wird abgerundet mit einer beispielhaften Bildstrecke zu „fairen und gerechten Lösungen“ aus den vergangenen zwanzig Jahren – von einem spätmittelalterlichen Alabasterrelief aus der Sammlung Fuld bis zum „Selbstbildnis mit gelbem Hut“ von Hans von Marées aus der Sammlung Silberberg.  

Das SPK-Magazin wird herausgegeben von der Abteilung Medien und Kommunikation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Heft, das mit dem Verlag Res Publica realisiert wurde, liegt am 22. November 2018 dem Kunstmagazin „Monopol“, am 29. November 2018 dem Politikmagazin „Cicero“ und am 31. November 2018 in Teilauflagen des „Tagesspiegel und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bei. Pressexemplare unter pressestelle@hv.spk-berlin.de

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