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The Stiftung Preußischer Kulturbeitz and its museums mourn the loss of Egidio Marzona
Press release from 03/16/2026
Am 15.03.2026 ist der italienische Kunstsammler und Mäzen Egidio Marzona (geboren 1944 in Bielefeld) im Kreise seiner Familie und Freunde in Berlin verstorben.
Das teilte seine Familie heute mit. Egidio Marzona hat – über mehr als 50 Jahre hinweg – eine der umfangreichsten Sammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammengetragen, die heute im Archiv der Avantgarden in Dresden und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin untergebracht ist.
Marion Ackermann, Präsidentin der SPK und ehemalige Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, erklärt: „Egidio Marzona hat sein Leben der Kunst gewidmet. Er war er ein leidenschaftlicher und unermüdlicher Sammler der Avantgarden des 20. Jahrhunderts, der so die künstlerischen und geistigen Bewegungen eines ganzen Jahrhunderts zu erfassen suchte. Seine Sammlung beschränkt sich nicht nur auf Kunstwerke, sondern erstreckt sich auf Zeugnisse des gesamten Prozesses des künstlerischen Schaffens. Berlin und auch Dresden verdanken ihm viel, denn er hat seine Sammlungen nach und nach den jeweiligen Museen übergeben, wo sie wie eine Batterie wirken, die immer wieder neue Narrative und Kontexte ermöglicht.“
Bereits in jungen Jahren erwarb Egidio Marzona erste Werke zeitgenössischer Kunst und betätigte sich als Galerist in Bielefeld und Düsseldorf. Ab den 1970er-Jahren gab er als Verleger seiner Edition Marzona Publikationen zu den Themen Bauhaus, Fotografie, Typografie und Architektur heraus. Zunehmend widmete er sich gänzlich dem Auf- und Ausbau seiner Kunstsammlung, die sich zunächst auf die damals aktuellen Kunstströmungen Minimal Art, Konzeptkunst, Land Art und Arte Povera konzentrierte. Sukzessive weitete er seine Sammlung auf das gesamte 20. Jahrhundert aus und trug parallel dazu ein umfangreiches Archiv aus Briefen, Fotografien, Ephemera, Zeitschriften und Büchern zusammen, da sein Interesse nicht nur den Kunstwerken selbst, sondern auch dem Prozess ihrer Entstehung galt.
Zwischen 2002 und 2014 übernahm die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (teils als Ankauf, teils als Schenkung) seine mehr als 600 Kunstwerke und 40.000 Archivalien umfassende Sammlung zur Minimal Art, Conceptual Art und Arte Povera. Zurzeit befindet sie sich im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, der Neuen Nationalgalerie, dem Kupferstichkabinett und der Kunstbibliothek in Berlin und soll künftig Teil des in Bau befindlichen berlin modern werden. 2025 schenkte Egidio Marzona der Kunstbibliothek der SPK 22 seltene, von Künstler*innen gestaltete Bücher der Konzeptkunst aus den 1960er Jahren.
Für Marzona war es elementar, seine Sammlungen – im Sinne der Kunst als Allgemeingut – der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In Villa di Verzegnis im Friaul, woher seine Familie väterlicherseits stammt, richtete der Sammler ab 1989 einen Skulpturenpark mit Werken von unter anderem Bruce Nauman, Richard Long, Sol LeWitt und Carl Andre ein. Er war unter anderem Mitglied des Board of Trustees des Museum of Modern Art/PS1 in New York und gehörte zu den Mitinitiatoren der Kunst-Werke Berlin. 2014 wurde Marzona mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.
2016 schenkte Marzona sein Archiv zu den Avantgarden des 20. Jahrhunderts und die dazugehörige Sammlung dem Freistaat Sachsen. 2024 wurde das Archiv der Avantgarden (ADA) als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eröffnet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
2018 wurde die „Marzona Stiftung Neue Saalecker Werkstätten“ mit Sitz in Naumburg (Saale) ins Leben gerufen. Die von der Stiftung gegründete Design Akademie Saaleck (dieDAS) widmet sich durch die Vergabe von Stipendien der Förderung von innovativen Designern, Handwerkern, Architekten und Künstlern und wird vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt unterstützt.
Egidio Marzona hinterlässt seine Lebenspartnerin, eine Tochter und eine Enkeltochter. Sein Sohn Daniel Marzona ist 2024 verstorben.
Weitere Informationen:
Interview: “Für mich ist eine Einladungskarte genauso wichtig wie ein Max-Ernst-Bild“ (2024): www.spkmagazin.de/2024/egidio-marzona-im-gespraech.html

