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Neuer Leitfaden zur Identifizierung von Plündergut aus dem „Boxerkrieg“ in China
News vom 24.09.2026
Seit 2021 haben sieben deutsche Museen unter Leitung des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin zum „Boxerkrieg“ geforscht – nun geben die Provenienzforschenden einen Leitfaden für Museumsfachleute, Sammler*innen und Entscheidungsträger*innen heraus

Der neu erschienene Leitfaden zur Identifizierung von Plündergut aus dem „Boxerkrieg“ bietet eine praktische Orientierungshilfe für die Provenienzforschung an chinesischen Objekten, die vor 1900 entstanden sind. Er wird am 25. September 2026 im Humboldt Forum in Berlin vorgestellt.
Im Rahmen des sogenannten „Boxerkrieges“ in China (1900-1901) kam es nicht nur zu brutalen Kriegshandlungen und „Strafexpeditionen“. Es fanden auch umfangreiche Plünderungen in kaiserlichen Palästen, Tempeln, Geschäften, öffentlichen Institutionen und Privathaushalten in Peking und Nordchina statt. Jede Sammlung mit chinesischen Objekten aus der Zeit vor 1900 kann solches Plündergut enthalten. Eine tiefergehende Beschäftigung damit fand bisher nur selten statt. Im Rahmen des deutsch-chinesischen Verbundprojektes „Spuren des ‚Boxerkrieges‘ in deutschen Museumssammlungen – eine gemeinsame Annäherung“ wurde dafür nun eine umfassende Grundlage geschaffen: Unter Leitung des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin erarbeiteten sieben deutsche Museen gemeinsam mit chinesischen Partnereinrichtungen einen Forschungsleitfaden. „Tracing Loot from the „Boxer War“ in China. A Research Guide for Public and Private Collections“ ist beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste erschienen.
Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt: „Der neue Leitfaden ist eine wichtige praktische Hilfe bei der Provenienzforschung zu chinesischen Objekten weltweit– und gleichzeitig ist es ein großer Erfolg dieses Verbundprojektes, dass es den brutalen Boxerkrieg und seine Folgen überhaupt wieder in Erinnerung gerufen hat.“
Der „Boxerkrieg“ ist ein wenig bekannter Kolonialkrieg, an dem auch das Deutsche Reich beteiligt war. Nach den Opiumkriegen sicherten sich die europäischen Großmächte, Japan und Russland zunehmend Einfluss in China. Dagegen wandte sich die antiimperialistische Yihetuan-Bewegung, deren Mitglieder aufgrund ihrer Kampfkunst im Westen als „Boxer“ bezeichnet wurden. Im Jahr 1900 entsandte eine als Acht-Nationen-Allianz bezeichnete Militärkoalition, zu der neben dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den USA, Österreich-Ungarn, Italien, Japan und Russland auch das Deutsche Reich gehörte, Truppen nach China, um den Aufstand der Yihetuan-Bewegung niederzuschlagen. In der Folge kam es fast ein Jahr lang nicht nur zu brutalen Kriegshandlungen und „Strafexpeditionen“, sondern auch zu umfangreichen Plünderungen in kaiserlichen Palästen, Tempeln, Geschäften, öffentlichen Institutionen und Privathaushalten in Peking und Nordchina. Porzellane, Bronzen, Bildrollen, religiöse Kultgegenstände, Waffen, Bücher u.a. gelangten direkt oder über den Kunsthandel in öffentliche und private Sammlungen weltweit. Ihre Herkunft ist bisher in den wenigsten Fällen erforscht.
Seit 2021 haben sieben deutsche Museen unter Leitung des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin zum „Boxerkrieg“ geforscht: das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, das Museum am Rothenbaum: Kulturen und Künste der Welt und das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, das GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig, das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main sowie das Museum Fünf Kontinente in München. Das Verbundprojekt wurde in enger Kooperation mit dem Palastmuseum Peking durchgeführt und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Verbundpartner auf deutscher Seite sind.
Der Leitfaden (174 Seiten, englisch) richtet sich an Museumsfachleute, Sammler*innen und Entscheidungsträger*innen. Er führt in den „Boxerkrieg“ und die Orte, Akteure und Mechanismen der Plünderungen ein. Für die Erforschung der Provenienz der eigenen Bestände skizziert er ein Vorgehen in drei Schritten und legt zehn beispielhafte Fallstudien aus deutschen Museen vor. Ein umfangreicher Anhang bietet mit einer Chronologie, einer Liste von Plünderungsorten, Karten einem Archivführer und Literaturhinweisen grundlegendes Material für die Recherche.

