SPK-Magazin

  • Das SPK-Magazin berichtet über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in ihrer ganzen Vielfalt. Es lässt Menschen zu Wort kommen, die mit Kreativität und persönlichem Einsatz die zahlreichen Aufgaben der Stiftung betreuen, und bezieht auch zu kulturpolitischen Fragen Stellung.

    Das Magazin erscheint zweimal jährlich. Jedes Heft setzt einen thematischen Schwerpunkt. Seit seinem Erscheinen im Jahr 2009 hat es zahlreiche renommierte Preise gewonnen, wie zum Beispiel den BCP Award. Sie können das SPK-Magazin kostenfrei abonnieren.

    Editorial der aktuellen Ausgabe

    Liebe Leserinnen und Leser,

    es ist nur ein Stück Seife, das Razan auf unserem Cover in die Kamera hält, unscheinbar und braun. Aber dieser kleine Gegenstand ist so viel mehr als ein Gebrauchsartikel. Riecht Razan an der Seife, dann sieht sie das Haus ihrer Großmutter in Damaskus vor sich, erinnert sich an ihre Kindheit. Zu dem Geruch fügen sich Bilder, Erinnerungen an Stimmen, an Menschen, an Augenblicke. Die Seife ist eine Brücke zu einem Sehnsuchtsort, der in Zeit und Raum weit entfernt ist, der vielleicht so nie wirklich existiert hat – zu ihrer Heimat.
    Aber was ist das eigentlich, Heimat? Nur gefühlige Nostalgie oder eine Vorstellung, die wir brauchen, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu machen? Anlass, darüber nachzudenken, gibt es dieser Tage genug. Unzählige Menschen verlieren ihre Heimat und suchen eine neue. Andere fühlen sich in ihrer nicht mehr sicher und haben Angst, sie könnte sich so sehr verändern, dass man sich nicht mehr heimisch fühlt. Wieder andere freuen sich auf ein Mehr an Welt in der Gesellschaft. Was davon ist richtig, was ist falsch? Schaffen wir das alles, oder schotten wir uns ab? Gehören die Muslime zu Deutschland, der Islam aber nicht?
    Um all diese Fragen kreist unser Magazin. Denn in der Debatte über die Zukunft unserer Gesellschaft, unserer Heimat, dürfen Kulturinstitutionen, Museen, Bibliotheken und Archive nicht abseitsstehen. Im Gegenteil: In ihren Sammlungen finden sich Zeugnisse für menschliches Zusammenleben über Jahrtausende hinweg – sie können und müssen zeigen, wie sehr Kulturen schon immer vom gegenseitigen Kontakt profitiert haben. Beispiele sind das Museum für Islamische Kunst und das Museum Europäischer Kulturen – sie haben sich in diese Debatte mit wunderbaren Projekten eingemischt. Die einen entdecken in Geflüchteten nicht nur Museumsbesucher, sondern Multiplikatoren und Mitbürger, die anderen geben den Migranten Raum, eigenständig handeln und sich ausdrücken zu können.
    Dieses Magazin zeigt auch, dass sich gerade die Rolle der Museen sehr zu verändern beginnt, wie in dem Gespräch mit Elisabeth Tietmeyer, Paul Spies und Udo Gößwald nachzulesen ist. Plötzlich bekommt der alte Begriff vom „Heimatmuseum“ eine neue Bedeutung, weil nicht Verklärung, sondern Emanzipation im Mittelpunkt steht. Es ist zu lesen, dass die Aufklärung über die Vielfalt des kulturellen Islams nicht zuletzt auch ein Mittel der Terrorabwehr ist. Um das herauszufinden, brachten wir unter anderem den Islamwissenschaftler Bülent Uçar und Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei miteinander ins Gespräch.
    Aber es geht in unserem Heft nicht nur um die europäische Flüchtlingskrise. Vor 175 Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben das „Lied der Deutschen“, dessen Original die Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt. Wir haben die Autoren Marica Bodrožić, Tanja Dückers und Jan Koneffke um neue Deutschlandlieder gebeten, die hier zum ersten Mal erscheinen.
    Und die Seife? Sie wurde nach unserer Heftproduktion wieder sorgfältig eingepackt. Razan will sie nicht benutzen. Denn sie ist eine ihrer wenigen Brücken in die Heimat, die gut bewahrt werden muss: Im bürgerkriegsgeschüttelten Syrien wird die Aleppo-Seife noch immer produziert, unter abenteuerlichsten Bedingungen. Die Brücke ist noch nicht abgerissen. Möge sie bald wieder fester werden. Denn auch darum geht es in diesem Heft: um die Sehnsucht nach einem friedlichen Zuhause. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und danke wie immer dem Kuratorium Preußischer Kulturbesitz für die freundliche Unterstützung.

    Hermann Parzinger
    Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz   

  • Kontakt

    Dr. Kristina Heizmann

    Dr. Kristina Heizmann
    Wissenschaftliche Referentin des Präsidenten
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