Kulturforum

  • Am Kulturforum befinden sich Häuser von vier der fünf Einrichtungen der Stiftung. Während der Zeit der deutschen Teilung entwickelte die Stiftung das Kulturforum zu ihrem Schwerpunktstandort. Hier entstanden die meisten Neubauten. Mit dem Neubau eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts wird das Kulturforum nun weiterentwickelt.

    Neuanfang in der geteilten Stadt

    Der Schwerpunkt der Bautätigkeit der Stiftung in den Jahren der deutschen Teilung lag am Kulturforum. Die Museumsinsel und das Stammhaus der Staatsbibliothek befanden sich im Ostteil der Stadt. Im Westteil wählte man bewusst das Kulturforum als einen der Stiftungsstandorte. Seine Nähe zur Mauer und zur historischen Mitte sah man als Chance für eine Anbindung dorthin im Falle einer Wiedervereinigung. Außerdem sollte das Areal am südlichen Tiergarten, das vom Krieg hart getroffen war, mit seiner kulturellen Nutzung wieder aufgewertet werden. Die von Hans Scharoun geplante, ebenfalls am Kulturforum angesiedelte Philharmonie befand sich damals bereits im Bau.

    1962 fiel die Entscheidung, sowohl für die Staatsbibliothek als auch für die Sammlungen der europäischen Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin Neubauten am Kulturforum zu errichten. 1965 entschied die Stiftung, die Nationalgalerie dort in einem weiteren Neubau unterzubringen. 1969 folgte der Entschluss, auch das Staatliche Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum an dem Standort anzusiedeln. Ebenfalls seit 1969 ist das Palais Gontard in der nahe gelegenen Stauffenbergstraße der Sitz der Generaldirektion der Staatlichen Museen.

    Staatsbibliothek und Neue Nationalgalerie – Wahrzeichen der modernen Architektur

    Als erstes Gebäude eröffnete 1968 die Neue Nationalgalerie am Landwehrkanal, am südlichen Ende des Kulturforums. Ludwig Mies van der Rohe hatte sie ursprünglich für die „Galerie des XX. Jahrhunderts“ des Landes Berlin entworfen. Diese Sammlung, die Eigentum des Landes Berlin ist, und die Sammlung der Nationalgalerie werden seit 1967 gemeinsam betreut und seit 1968 in der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum zusammen präsentiert. Die Eröffnung dieses Ausstellungshauses von Mies van der Rohe fand weltweit Beachtung. Der lichte Solitär aus Stahl und Glas wurde zu einer Ikone der modernen Architektur.

    Das neue Gebäude für die Staatsbibliothek wurde Ende 1978 eröffnet. Es entstand nach Entwürfen von Hans Scharoun mit maßgeblicher Unterstützung von Edgar Wisniewski und lehnt sich architektonisch an das Haus der Philharmonie an. In seinem Inneren finden sich weiträumige, lichtdurchflutete Leselandschaften.

    Auch das Ibero-Amerikanische Institut befindet sich am Kulturforum. Es war zunächst in der Siemens-Villa in Lankwitz untergebracht. Ab 1966 wurde das Institut in die Pläne für den Neubau der Staatsbibliothek mit einbezogen. Seine Räume eröffneten bereits 1977, ein Jahr vor Inbetriebnahme der Staatsbibliothek.

    Das Staatliche Institut für Musikforschung zog mit der wertvollen Sammlung historischer Instrumente des Musikinstrumenten-Museums 1984 direkt neben die Philharmonie. Auch diesen Neubau plante Hans Scharoun mit maßgeblicher Unterstützung von Edgar Wisniewski. Bis dahin war das Institut zunächst am Standort Charlottenburg und anschließend im Joachimsthalschen Gymnasium in Wilmersdorf und im Bendlerblock untergebracht.

    Neubauten für die Museen der europäischen Kunst

    Für die Sammlungen zur europäischen Kunst sollte ein architektonisch zusammenhängender Komplex am südlichen Tiergarten entstehen. Dafür fand in den Jahren 1965 bis 1967 ein Wettbewerb statt. Die Gestaltungsentwürfe von Rolf Gutbrod wurden allerdings erst ab den späten 1970er Jahren umgesetzt.

    1985 eröffnete das Kunstgewerbemuseum als erster Bauabschnitt. Der zweite Bauabschnitt umfasste eine gemeinsame Eingangshalle, einen Raum für Wechselausstellungen, das Kupferstichkabinett und die Kunstbibliothek. Die Eröffnung dieser Museen fand 1994 statt. Dabei konnte das Kupferstichkabinett seine Bestände aus Ost und West vereinigen.

    Mit der Gemäldegalerie wurde 1998 das letzte Gebäude dieses Standortes fertiggestellt und eröffnet. Die Planungen für die Unterbringung des Westberliner Teils dieser Sammlung, der bis dahin in Dahlem gezeigt wurde, hatten bereits in den 1980er Jahren begonnen. Im Rahmen der Überlegungen zur Neuordnung der Museen wurden sie nochmals überprüft. Als Alternative wurde die Rückkehr der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel diskutiert, wo sich mit dem Bode-Museum ihr früherer Ausstellungsort befand. 1991 traf der Stiftungsrat die Entscheidung, mit dem Neubau für die Gemäldegalerie am Kulturforum fortzufahren. Sie wurde nach Plänen der Architekten Hilmer & Sattler errichtet. Die ebenfalls in den 1980er Jahren begonnenen Planungen für die Unterbringung der Skulpturengalerie am Kulturforum wurden hingegen aufgegeben. Die Sammlung zog später auf die Museumsinsel.

    Vielfalt der Sammlungen am Kulturforum

    Am Kulturforum sind international bedeutende Sammlungen der Stiftung vereint. Dort befinden sich die Gemäldegalerie, das Kunstgewerbemuseum, die Neue Nationalgalerie, das Kupferstichkabinett, die Kunstbibliothek, das Staatliche Institut für Musikforschung und sein Musikinstrumenten-Museum, die Staatsbibliothek und das Ibero-Amerikanischen Institut . Die Vielfältigkeit der Sammlungen zeigt alle Facetten der neuzeitlichen europäischen Kunst-, Ideen- und Kulturgeschichte. Dabei wird diese Entwicklung in den unterschiedlichsten Medien repräsentiert: Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, Fotografien, Bücher, kunstgewerbliche und Designobjekte sowie Instrumente sind am Kulturforum beheimatet.

    Tradition der Moderne am Kulturforum

    Mit dem Museum des 20. Jahrhunderts wird die Moderne ein Schwerpunktthema am Kulturforum sein. Damit knüpft die Stiftung an die Tradition des Ortes an. Denn am Kulturforum und im unmittelbaren stadträumlichen Umfeld spiegelt sich die Geschichte des letzten Jahrhunderts wie an wenigen anderen Orten Berlins.

    Im sogenannten „Geheimratsviertel“ lebte der bedeutende Berliner Kunstsammler und Mäzen James Simon. Paul Cassirer betrieb seine berühmte Galerie in der Nähe des Kemperplatzes. Der unweit gelegene Bendlerblock und das während der NS-Zeit entstandene Botschaftsviertel am Südrand des Tiergartens sind historisch aufgeladene Orte der Zeitgeschichte. Der nahe gelegene Potsdamer Platz zählte vor dem Zweiten Weltkrieg zu den verkehrsreichsten Plätzen Europas.

    Durch den Mauerbau wurde dieser Mittelpunkt großstädtischen Lebens stillgelegt. Zweiter Weltkrieg und Abrisswut schufen eine städtebauliche tabula rasa. Auf dieser entstanden in den 1960er Jahren Ikonen der Moderne wie die Philharmonie von Hans Scharoun oder die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe. Das Gebäude der von Hilmer & Sattler errichteten Gemäldegalerie steht architektonisch für die Moderne des ausgehenden 20. Jahrhunderts.