Dahlem

  • Während der deutschen Teilung war Dahlem ein wichtiger Museumsstandort West-Berlins. Nach der Wende zogen viele Sammlungen Richtung Mitte; derzeit werden rund 24.000 Objekte des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst auf ihren Umzug ins Humboldt Forum vorbereitet. Die in Dahlem verbleibenden Depots, Werkstätten und Bibliotheken der beiden Häuser werden gemeinsam mit dem Museum Europäischer Kulturen das Herzstück des zukünftigen Forschungscampus bilden. Darüber hinaus befinden sich das Institut für Museumsforschung und das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz als weitere Einrichtungen der Stiftung in Dahlem.

    Pläne im Kaiserreich: Ein „deutsches Oxford“ im Südwesten Berlins

    Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde Dahlem als ein Standort für die Wissenschaften konzipiert. In dem „deutschen Oxford“ sollten sich Teile der Universität, wissenschaftliche Institute, Museen und andere Bildungseinrichtungen ansiedeln. Auch für einige Sammlungen, die heute zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören, entstanden dort Häuser.

    Für das Völkerkundemuseum (heute: Ethnologisches Museum) sollten vier Neubauten errichtet werden. Bis 1921 wurde jedoch nur ein Neubau nach Plänen von Bruno Paul fertig gestellt, der dann als Magazin beziehungsweise für die Studiensammlungen genutzt wurde. Auch für das frühere Preußische Geheime Staatsarchiv entstand in Dahlem ein Archivgebäude.

    Der Zweite Weltkrieg und die Auflösung Preußens beendeten zunächst die Pläne eines Wissenschaftsstandortes im Südwesten Berlins. Erst in der Zeit der Teilung der Stadt und der Gründung der Freien Universität wurde an die Überlegungen angeknüpft.

    Unterbringung der Museumssammlungen nach der Teilung Berlins

    Der Bruno-Paul-Bau war eines der wenigen Häuser, das der 1957 gegründeten Stiftung für eine Unterbringung ihrer Sammlungen zur Verfügung stand. Entsprechend den ersten Standortplanungen der Stiftung wurde das Gebäude mit einem Neubau für das damalige Museum für Völkerkunde und die Abteilungen für Asiatische Kunst erweitert. Als Architekt beauftragte die Stiftung Wils Ebert. 1970 eröffneten in dem Haus die ersten drei Abteilungen des Völkerkundemuseums sowie das Museum für Ostasiatische Kunst und 1971 der in West-Berlin befindliche Sammlungsteil des Museums für Islamische Kunst und das Museum für Indische Kunst. Die Museen für Ostasiatische Kunst beziehungsweise für Indische Kunst sind heute zum Museum für Asiatische Kunst vereint.

    Außerdem wurden in Dahlem einige der Sammlungen untergebracht, die später in Neubauten am Kulturforum ziehen sollten: die Skulpturensammlung, das Kupferstichkabinett und die Gemäldegalerie. Am längsten währte dieses Dahlemer „Provisorium“ für die Gemäldegalerie, die erst 1998 umzog. Auch die Büste der Nofretete wurde mitsamt der ägyptischen Sammlung bis zum Umzug nach Charlottenburg im Jahr 1967 im Bruno-Paul-Bau gezeigt.

    Das Museumsquartier Dahlem nach der Wende

    Nach der Vereinigung der Berliner Staatlichen Museen konzipierte die Stiftung Dahlem als Standort für die außereuropäischen Kulturen. Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst konnten sich nach dem Auszug der übrigen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin auf größerer Ausstellungsfläche präsentieren. Ab 2019 sind die Schausammlungen der  beiden Museen im Humboldt Forum in Berlin Mitte zu sehen.

    Das Museum Europäischer Kulturen ist 1999 aus einem Teil des Museums für Völkerkunde, der Europa betraf, und dem Museum für Volkskunde hervorgegangen. Es ist im historischen Bruno-Paul-Bau untergebracht, der nach aufwendiger Sanierung im Jahr 2011 wiedereröffnet wurde.

    In der Nähe zum Museumsquartier ist das 1979 eingerichtete Institut für Museumsforschung in einem stiftungseigenen Haus untergebracht. Dieses diente von 1962 bis 1980 als Dienstsitz des Präsidenten der Stiftung, bevor die Villa von der Heydt dafür genutzt wurde.

    Seit 1924 in Dahlem: Das heutige Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

    Das Geheime Staatsarchiv wurde als Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) in die Stiftung aufgenommen. Es behielt seinen Sitz in dem 1924 eröffneten Archivgebäude in Dahlem. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Magazintrakt wurde bis Mitte der 1970er Jahre wieder aufgebaut.

    Ab 1976 war in dem Magazintrakt des Geheimen Staatsarchivs PK auch das Deutsche Museum für Volkskunde untergebracht. Dieses zog 1999 als Museum Europäischer Kulturen in den Bruno-Paul-Bau.

    Vom Museumsquartier zum Forschungscampus Dahlem

    Nach der Fertigstellung des Humboldt Forums werden die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst künftig in direkter Nachbarschaft zur Museumsinsel präsentiert. 

    Die Depots, Werkstätten und Bibliotheken der beiden Museen verbleiben in Dahlem. In dem geplanten Forschungscampus Dahlem bewahren und erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die umfangreichen Sammlungen, bereiten die Ausstellungen für das Humboldt Forum vor und pflegen den Kontakt zu den Herkunftsgesellschaften. Eine Potenzialanalyse wird klären, wie die frei werdenden Flächen genutzt werden können. Auch das Museum Europäischer Kulturen wird in Dahlem verbleiben.

  • Sammlungshighlights am Standort

    © bpk / Ethnologisches Museum, SMB / Waltraut Schneider-Schütz

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