Parzinger: Petersburger Dialog engagiert sich für Wiederaufbau in Syrien

News vom 28.07.2016

Vom 14. bis 15. Juli 2016 tagte der Petersburger Dialog. Das deutsch-russische Forum befasste sich auch mit dem Wiederaufbau der archäologischen Stätten Syriens. Hermann Parzinger über die Gespräche.

Ruinen der antiken Stadt Palmyra in Syrien (öffnet Vergößerung des Bildes)
Weltweit ist Kulturgut von Zerstörung, Raub und Verschiebung bedroht © Directorate-General of Antiquities and Museums, Damaskus

Prof. Parzinger, Sie waren als Leiter der AG Kultur vor einer guten Woche beim Petersburger Dialog. Was waren die vorrangigen Themen, die in der AG Kultur diskutiert wurden?

Das eine bestimmende Thema war, wie deutsche und russische Archäologen in Palmyra beziehungsweise Syrien unterstützen können. Alle haben großes Interesse, ihre Kompetenzen in die internationalen Bemühungen dort einzubringen. Und alle sind sich vollkommen darüber einig, entgegen anderslautender Medienberichte, dass das nur eingebunden in die Roadmap der UNESCO sein kann. Die russischen Museen beanspruchen hier keine Federführung, wie manche befürchten. Außerdem haben wir über die wissenschaftlichen Ausstellungsprojekte gesprochen, die deutsche und russische Museen derzeit gemeinsam planen.

Gibt es denn schon konkretere Pläne, wie man den Wiederaufbau archäologischer Stätten  in Syrien vorantreiben kann?

Für konkretes ist es noch zu früh, und noch einmal: die Erstellung einer Roadmap liegt bei der UNESO. Aber wir haben uns über unsere Projekte ausgetauscht, zum Beispiel das Syrian Heritage Archive Project und das damage assessment project des Museums für Islamische Kunst. Besonders interessiert waren die russischen Kollegen auch an ILLICID, dem Projekt zur Erforschung des illegalen Handels mit Antiken in Deutschland, das unser Vorderasiatisches Museum steuert. Etwas Vergleichbares soll auch in Russland entstehen. Umgekehrt wurde uns von der Reise einer russischen Delegation nach Palmyra berichtet, die zur ersten Schadenserhebung diente.

Was haben die russischen Teilnehmer über die Schäden berichtet?

Die Delegation war nur anderthalb Tage vor Ort, da kann man sich natürlich nur einen ersten Eindruck verschaffen. Aber es wurde deutlich: Es ist zwar nicht alles ganz so schlimm wie befürchtet, aber natürlich auch nicht alles in Ordnung. Palmyra ist ja eine Riesenstadt, die wurde nicht komplett umgegraben. Manche Dinge sind „nur“ zertrümmert, andere offenbar wirklich pulverisiert. Und gerade in dem Museum sind die Objekte, die nicht nach Damaskus gebracht werden konnten, weil sie zu schwer oder fest eingebaut waren, beschädigt: Die Nasen sind abgeschlagen, oder gleich die ganzen Gesichter zerstört.

Wie geht es nun weiter?

Gemeinsam mit der UNESCO und den in Syrien zuständigen wird die Roadmap erarbeitet. I, inzwischen tun wir alles, um die Kollegen in Syrien zu unterstützen, wenn sie unsere Hilfe benötigen.

Wie ist der Stand der Dinge beim zweiten Thema, den Ausstellungsprojekten mit sogenannter Beutekunst?

Hier arbeiten wir in den unterschiedlichen Projekten in unterschiedlichen Stadien. Für die Ausstellung zur Eisenzeit wird etwa gerade begonnen, das Konzept zu erarbeiten. Bei solchen Objekten, die Kriegsschäden haben, überlegen wir gemeinsam, wie man diese idealerweise restauriert, etwa wie weit man dabei geht oder nicht. Aber eines kann man ganz klar sagen: die Arbeit ist so offen und ergebnisbezogen wie nie zuvor. Die politischen Schwierigkeiten wirken sich auf unsere Kooperationen nicht aus, wir können wunderbar miteinander arbeiten.

Das Interview führte Birgit Jöbstl.

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