SPK gibt menschliche Überreste an Hawai´i zurück

Pressemitteilung vom 07.02.2022

Am 11. Februar 2022 wird die SPK menschliche Überreste von 32 Individuen an Vertreter des Office of Hawaiian Affairs (OHA) übergeben. Diese befinden sich seit 2011 in der Obhut des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin.

Der Stiftungsrat der SPK hat Ende 2021 beschlossen, dass menschliche Überreste aus der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie Grabbeigaben aus der Sammlung des Ethnologischen Museums nach Hawai‘i zurückgegeben werden sollen. Nun wird in einem ersten Schritt die Repatriierung der menschlichen Überreste, der sogenannten iwi kūpuna stattfinden.

Edward Halealoha Ayau, der Leiter der Delegation des OHA, der die human remains im Rahmen einer Zeremonie in Berlin in Empfang nehmen wird, sagt: „Wir erkennen die Qualen unserer Vorfahren an und übernehmen die Verantwortung für ihr Wohlergehen (und damit auch für unser eigenes), indem wir sie zur Umbettung nach Hause überführen. Indem wir diese wichtige Arbeit tun, erkennen wir – Deutsche und Hawaiianer – auch unsere jeweilige Menschlichkeit an und feiern sie gemeinsam in aloha, in gegenseitiger Zuneigung, während wir ein neues Kapitel in unserer historischen Beziehung als Menschen schreiben. Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns geholfen haben, einschließlich des Konsuls für kulturelle Angelegenheiten David Mees von der US-Botschaft Berlin und Dr. Robert Peters vom Auswärtigen Amt.

Hermann Parzinger, Präsident der SPK, erklärt: „Ich bin froh, dass diese iwi kūpuna nun an ihren Herkunftsort zurückkehren und dort bestattet werden können. Dem Office of Hawaiian Affairs und ihrem Vertreter Herrn Ayau danke ich für die gute und professionelle Zusammenarbeit bei der Identifikation und Rückführung. Der Stiftungsrat der SPK hat auf seiner Sitzung am 2. Dezember 2021 meinem Vorschlag auf Repatriierung zugestimmt. Um weitere Rückgaben zu ermöglichen, werden wir schrittweise die komplette 2011 von der Charité übernommene Luschan-Sammlung erforschen. Es freut mich, dass wir bezüglich Hawai‘i dieses Ziel bereits erreicht und eine gute Lösung gefunden haben.“

Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, betont: „Menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten haben in unseren Museen und Universitäten nichts zu suchen, ihre Rückgabe muss Priorität haben. Ich freue mich daher sehr, dass neben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz weitere deutsche Museen und Universitäten die iwi kūpuna an Hawaii zurückgeben. Die Kolonialgeschichte hat viele Wunden hinterlassen. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass diese Wunden geschlossen werden können –  durch Rückgaben, durch eine konsequente Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit unserer kolonialen Vergangenheit und durch einen stärkeren internationalen Kulturaustausch. Es braucht die Dekolonisierung des Denkens in allen Bereichen.“

Die menschlichen Überreste aus Hawai‘i gehören zu den anthropologischen Sammlungen, die die Stiftung 2011 von der Charité übernommen hat und deren Provenienz sie sukzessive erforscht. Die Gebeine wurden um 1880 von dem Sammler und Naturforscher Hermann Otto Finsch (1839-1917) während seiner ersten Südseereise (1879-1882) gesammelt und nach Berlin gesandt, wo sie Teil der Luschan-Sammlung wurden. Die meisten sind wohl mehrere hundert Jahre alt. Sie konnten einer Fundstelle namens Waimānalo auf der Insel O‘ahu zugeordnet werden, wo Finsch sie am Strand aufsammelte. Es handelt sich wohl um eine historische Begräbnisstätte, bei der die Gebeine durch Einwirkung von Wind und Meer teilweise freigelegt waren. Weitere zwei Schädel stammen von einem Ort, der heute nicht mehr genau zu identifizieren ist, jedenfalls aber aus Hawai‘i. Seit Ende 2017 sind die SPK und das OHA im Gespräch über die Rückführung der Human Remains. Die Regierung der Vereinigten Staaten unterstützt das OHA bei seinem Ersuchen. Die SPK hat erklärt, menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten, die sie in ihrer Obhut hat, zurückzugeben, wenn die entsprechenden Herkunftsstaaten und -gesellschaften bekannt sind und eine Rückführung wünschen. Diese Voraussetzung sind in Bezug auf die iwi kūpuna, die nun zurückgegeben werden sollen, erfüllt. 

Auch bei den Grabbeigaben, die sich in der Sammlung des Ethologischen Museums befinden, und für die ebenfalls die Rückgabe beschlossen ist, sprachen die Umstände der Aneignung für die Rückgabe. Sie stammen aus der Sammlung Eduard Arnings und wurden nach seinen Angaben um 1885 in Hawai‘i aus Grabhöhlen entnommen. Arning berichtet in seinen Tagebuchaufzeichnungen, dass er die Höhlen heimlich betreten habe und ausdrücklich vermieden habe, von Hawaiianern gesehen zu werden, die sein Tun sicher missbilligt hätten. Die Grabbeigaben sollen noch im Laufe des Jahres 2022 nach Hawai‘i zurückgegeben werden.
Aufarbeitung der anthropologischen Sammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte 

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin hat 2011 von der Charité historische anthropologische Sammlungen übernommen. Dabei handelt es sich um rund 7.700 menschliche Überreste aus nahezu allen Teilen der Erde, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert zusammengetragen wurden. Etwa 40 Prozent haben einen kolonialen Erwerbungshintergrund aus den ehemaligen deutschen Überseegebieten in Afrika und dem Pazifikraum.

Von 2017 bis 2019 wurde in einem von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Pilotprojekt bereits die Herkunft von rund 1.000 menschlichen Schädeln aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika untersucht. Zeitnahe Rückgaben dieser Gebeine werden angestrebt. Seit Juli 2021 läuft ein dreijähriges Forschungsprojekt zu 477 menschlichen Schädeln, die während der Kolonialzeit aus Westafrika nach Deutschland verbracht wurden, das aus dem Kulturetat des Bundes gefördert wird. Ziel der SPK ist es, sukzessive die genaue Herkunft aller menschlichen Überreste zu erforschen, damit diese zurückgegeben werden können.

Repatriierungen

Im Jahr 2020 erfolgte die erste Rückgabe menschlicher Überreste aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Zwei im Ethnologischen Museum bewahrte Toi moko (mumifizierte und tätowierte Māori Köpfe) wurden an Te Arikirangi Mamaku, einen Vertreter des Museums von Neuseeland Te Papa Tongarewa übergeben, das seit 2003 von der neuseeländischen Regierung mit der Rückführung sterblicher Überreste der Vorfahren der Māori beauftragt ist. 2020 beschloss die SPK auch die Rückgabe von – ebenfalls im Ethnologischen Museum bewahrten – sterblichen Überresten dreier Personen an Australien. Aufgrund der Pandemie konnte für die Repatriierung noch nicht stattfinden.

Grundhaltung der SPK zum Umgang mit menschlichen Überresten in ihren Sammlungen
https://www.preussischer-kulturbesitz.de/schwerpunkte/provenienzforschung-und-eigentumsfragen/umgang-mit-menschlichen-ueberresten.html

Office of Hawaiian Affairs:
www.oha.org
Pressekontakt:
Alice Malepeai Silbanuz, Communications Director
E-mail: alices@oha.org
Phone: +61 (808) 285-7586

Teilnahme an der Rückgabezeremonie in Berlin
An der Zeremonie zur Rückgabe der iwi kūpuna am 11.2.2022, 17 Uhr, können aus Platzgründen leider nur wenige Medienvertreter teilnehmen. Bitte beachten Sie auch, dass die Veranstaltung unter 2G+ Bedingungen stattfindet (Geimpft / Genesen, mit Booster oder tagesaktuellem Test) und das Tragen einer FFP2 Maske verpflichtend ist.
Bei Interesse an einer Teilnahme bitten wir Sie um Anmeldung unter 
pressestelle@hv.spk-berlin.de bis 9.2.2022, 12 Uhr. Eine Teilnahme ist nur möglich, wenn Sie von uns eine Bestätigung der Akkreditierung erhalten haben. 

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