Humboldt Lab Tanzania – Geteilte Objektgeschichten

Pressemitteilung vom 03.07.2018

Seit 2016 läuft am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin das Projekt „Humboldt Lab Tanzania“ und das damit inhaltlich eng verknüpfte Provenienzforschungsprojekt „Tansania–Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?“. Dabei arbeitete das Museum gemeinsam mit Akteu-ren aus Tansania zu Objektgeschichten der Sammlung in Berlin. Im Fokus standen Bestände, die im Kontext gewaltsamer Aneignungen und kolonialer Kriege in das Museum gelangten

Zum Abschluss des „Humboldt Lab Tanzania“ erschien vor wenigen Tagen die dreisprachige Publikation „Humboldt Lab Tanzania. Objekte aus den Kolonialkriegen im Ethnologischen Museum, Berlin – Ein tansanisch-deutscher Dialog“, hg. von Lili Reyels, Paola Ivanov und Kristin Weber-Sinn (Reimer Verlag; ISBN 978-3-496-01591-8; 59,00 Euro).

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Humboldt Lab Tanzania

Ausgangspunkt für das „Humboldt Lab Tanzania“ ist die Bearbeitung der Geschichte der Tansania-Sammlung und ihrer Objekte in Kooperation mit tansanischen Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Akteuren aus den Herkunftsgesellschaften der Objekte. Das Projekt wird im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes gefördert und setzt sich hauptsächlich mit im Zuge der Kolonialkriege angeeigneten Objekten, insbesondere der im Maji-Maji-Krieg erbeuteten Objekte, auseinander.

Wissenschaftler der Universität Dar es Salaam (Tansania) führten eine kurze Feldforschung an den Herkunftsorten ausgewählter Objekte durch. Eine tansanische Künstlergruppe besuchte das Ethnologische Museum in Berlin und dessen Depots und setzte sich anschließend als artists in resi-dence in Ateliers des Nafasi Art Space in Dar es Salaam mit möglichen (Re-)Präsentationsformen sensibler Objekte auseinander. Raum für einen Austausch von Perspektiven und Standpunkten bot auch eine Auftaktkon-ferenz am Goethe-Institut in Dar es Salaam im November 2016. In Zu-sammenarbeit mit dem National Museum and House of Culture in Dar es Salaam wurden Anfang des Jahres 2017 die aus der bisherigen Projekt-arbeit resultierenden Erkenntnisse, Perspektiven und künstlerische Arbeiten in der Wanderausstellung „Living Inside the Story – Humboldt Lab Tanzania“ unter anderem im National Museum and House of Culture, an der University of Dar es Salaam und im Maji Maji Memorial Museum in Songea präsentiert. Die Ergebnisse sind in einer dreisprachigen Publikation beim Reimer Verlag erschienen und werden auch in die Präsentation des deutschen Kolonialismus in Ostafrika im Humboldt Forum einfließen.

  • Projektleitung: PD Dr. Paola Ivanov (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
  • Kuratorin, Projektleit. in Tansania: Dr. Lili Reyels (Dar es Salaam/Berlin)
  • Kooperationspartner: Bookstop Sanaa: Visual Art Library & Creative Learning Space in Dar es Salaam; University of Dar es Salaam; National Museum and House of Culture, Dar es Salaam, Maji Maji Museum, Son-gea; Goethe-Institut Tansania
  • Projektförderung: Kulturstiftung des Bundes im TURN – Fonds für künstle-rische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

Pressebilder: www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/presse/pressebilder.html

Pilotprojekt: Tansania–Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?

Das Pilotprojekt „Tansania–Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?“ soll ein Rahmenkonzept für die Erforschung der Provenienz problembeladener, insbesondere in der Kolonialzeit gesammelter Bestände entwickeln. In dem Projekt wurde mit der Untersuchung ausgewählter Bestände der etwa 10.000 Objektnummern umfassenden Sammlung aus dem heutigen festländischen Tansania begonnen. Die zu erforschenden Bestände wurden aufgrund ihrer künftigen Präsentation im Humboldt Forum und/oder ihrer Repräsentativität für verschiedene Formen des Sammelns ausgewählt. Zunächst lag der Fokus auf Objekten, die im Kontext gewaltsamer Aneignungen und kolonialer Kriege in das Museum gelangten.

Ausgangspunkt war zunächst die klassische Fragestellung der Prove-nienzforschung: Welche Biographien haben die Objekte? Wer waren die Vorbesitzer und eventuelle Zwischenhändler? Wie sind die jeweiligen Objekte in den Besitz des Museums gelangt? Dabei stellt sich auch die Frage nach der Rolle und Bedeutung von Objekten in den kolonialen Be-gegnungen und Machtbeziehungen. Vor dem Hintergrund der Gewaltför-migkeit der deutschen Kolonialherrschaft sollte zugleich deren Brüchigkeit und die Handlungsmacht der AfrikanerInnen stets mitgedacht werden. In einem zweiten Schritt fragt das Projekt, wie sich diese Sinngebungen der Objekte historisch im Laufe der kolonialen und postkolonialen Zeit auf den verschiedenen involvierten Seiten verändert haben. Dementsprechend sollte die Bearbeitung der Geschichte der Tansania-Sammlung in Kooperation mit tansanischen PartnerInnen erfolgen. Dank des Humboldt Lab Tanzania konnten mögliche Formate der Kooperation erprobt werden. Bereits zum zweiten Mal sind auch zwei curators in residence aus Tansania für einige Wochen im Ethnologischen Museum zu Gast. Ziel einer zweiten Projektphase sind eine gemeinsame Forschungsarbeit in deutsch-tansanischen Teams sowie die Präsentation der Forschungsergebnisse in Form einer interaktiven Online-Datenbank.

  • Projektleitung: PD Dr. Paola Ivanov (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Kristin Weber-Sinn (Ethnologisches Mu-seum, Staatliche Museen zu Berlin), Museologe: Hendryk Ortlieb (Ethno-logisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
  • Kooperationspartner: University of Dar es Salaam, Department of History; National Museum and House of Culture, Dar es Salaam, Tansania
  • Projektförderung: Kuratorium Preußischer Kulturbesitz
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