Preisgeld in neue Klarinette investiert

News vom 23.11.2015

Žilvinas Brazauskas gewann 2015 beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb den ersten Preis im Fach Klarinette. Der 1991 in Litauen geborene Klarinettist studierte an der Musikhochschule Lübeck und hat im Herbst mit seinem Masterstudium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin begonnen. Im Interview mit der SPK spricht Brazauskas über die Auszeichnung, seine Erfahrungen als junger Musiker auf internationalen Bühnen, Lampenfieber und Konkurrenz bei Wettbewerben und das Gefühl, seine erste Solo-CD zu produzieren. Der Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb findet das nächste Mal vom 13. bis zum 17. Januar 2016 statt.

Žilvinas Brazauskas
© www.fmbhw.de / Urban Ruths

Wie haben Sie das Preisträgerkonzert in Berlin erlebt?

In diesem Jahr habe ich beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb den ersten Preis im Fach Klarinette gewonnen und durfte beim Preisträgerkonzert mit einem Orchester spielen. Die Probe vorher hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Zusammenarbeit mit dem Orchester und dem Dirigenten war sehr professionell und die Wünsche von uns Solisten wurden berücksichtigt. Besonders gefreut hat mich, dass das Preisträgerkonzert live im Internet übertragen wurde. So konnten mich meine Eltern in Litauen spielen hören. Das war sehr wichtig für mich, denn meine Eltern haben mir auf meinem Weg als Musiker sehr viel geholfen. Als ich noch jung war und manchmal nicht gerne geübt habe, brauchte ich ihre unterstützende Stimme. Darüber war ich nicht immer glücklich, aber jetzt bin ich sehr dankbar für ihre Geduld mit mir.

Hatten Sie Lampenfieber oder gehen Sie bereits routiniert in einen solchen Wettbewerb?

Lampenfieber habe ich immer, egal in welchem Konzert oder Wettbewerb ich spiele. Ich finde es gut, ein bisschen aufgeregt zu sein, denn jeder Auftritt ist auch ein neues Erlebnis für mich. Das Lampenfieber ist vor dem Auftritt meistens am stärksten. Wenn ich dann auf der Bühne stehe, vergesse ich es sehr schnell, weil ich mich auf die Musik konzentriere. Dabei hilft mir auch sehr, dass ich nicht allein auf der Bühne stehe. Ich musiziere zusammen mit dem Pianisten, Kammermusikkollegen oder auch einem Orchester und wir sind alle gleich verantwortlich.

Wie war die Stimmung unter den vielen jungen Musikern?

Die Begegnungen mit den konkurrierenden Musikern waren meistens freundlich. Ich freue mich, wenn ein guter Musiker auf der Bühne spielt, und ich habe sehr viel Respekt für ihn. Ich denke nie, dass ich Angst vor ihm haben müsste. Es ist eher umgekehrt. Ich will ihn meistens kennenlernen, um ihn zu seinen technischen Fähigkeiten zu befragen oder wie er so einen schönen Ton entwickelt hat. Wettbewerbe sind nicht nur wichtig, weil man Preise gewinnen kann, sondern auch weil sie gute Anlässe sind, andere Musiker kennenzulernen. Besonders gefreut hat mich daher, dass der Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb 2015 nicht nur für Klarinette, sondern auch für Gesangsensemble, Bratsche und Trompete offen war. So konnte ich andere Musiker kennenlernen, Kontakte knüpfen und sogar gemeinsame Projekte planen.

Wie hat die Auszeichnung Sie auf Ihrem Weg als Musiker vorangebracht?

Die Auszeichnung hat mir für mein musikalisches Wachstum sehr viel geholfen. Von dem gewonnenen Geld habe ich mir eine neue Klarinette gekauft. Ich habe sie zusammen mit meinem ehemaligen Professor in Paris ausgesucht. Durch den Preis der „Freunde Junger Musiker“, den ich ebenfalls in diesem Jahr gewonnen habe, konnte ich bei acht Konzerten spielen, die alle in unterschiedlichen Städten stattgefunden haben. Dafür musste ich mich sehr gut vorbereiten, auch weil ich nicht überall das gleiche Programm spielen wollte. Stattdessen habe ich neue Stücke gelernt und mich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt. So habe ich auch mein Klarinettenrepertoire erweitert. 
Als Gewinner des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs habe ich außerdem die Chance erhalten, meine erste eigene CD zu produzieren. Dies war ein unvergessliches Erlebnis. Sehr interessant fand ich, dass mich bei jedem Stück ein neuer Tonmeister-Student unterstützt hat. So haben wir alle viele praktische Erfahrungen sammeln können. Die CD ist noch nicht fertig und ich bin schon sehr gespannt darauf, sie zum ersten Mal anzuhören.

Wann haben Sie sich für die Klarinette entschieden?

Die Klarinette war ein glücklicher Zufall. Ich war ein sehr aktives Kind und wusste nicht, wohin mit meiner Energie. Zuerst habe ich angefangen, in einem Jazzchor zu singen. Nach einem Jahr hat die Chorleiterin meinen Eltern empfohlen, dass ich unbedingt in der Musikschule Klarinette spielen lernen sollte. Sie hat ihre Worte damit begründet, dass ein Blasinstrument die Atemtechnik verbessern und das Singen mein Verständnis für das Formen von schönen Klängen vertiefen würde. Was wir nicht wussten war, dass sie damals nur einen guten Lehrer kannte und er war eben Klarinettist. Dieser Lehrer hat in mir die Liebe für die Klarinette geweckt.

Wovon träumen Sie als Musiker?

Für die Zukunft habe ich viele Träume und Pläne. Ich mag Kammermusik sehr und möchte so viel wie möglich spielen – gerne auch in einem Orchester. Wie viel Kammermusik in einem Orchester möglich ist, hängt vom Dirigenten ab. Der Cellist und Dirigent Mstislav Rostropovich hat einmal gesagt, dass alle Musiker eines Orchesters Kammermusik spielen. Er würde beim Dirigieren nur vermeiden, dass alles auseinanderfällt. In einem solchen Orchester und mit einem solchen Dirigenten möchte ich sehr gerne spielen. Gerade habe ich außerdem eine Duopartnerin gefunden, mit der ich bereits viele Klarinettenstücke gespielt habe. Ich plane zudem, mit meinem ehemaligen Klassenkameraden, der Klavier spielt, und meiner Freundin, die Cellistin ist, ein neues Trio aufzubauen. Das wird nicht so einfach, denn er studiert in Glasgow, sie in Brüssel und ich in Berlin. Wir haben es aber organisiert, im März 2016 einige Konzerte in Holland, Belgien und Deutschland zu spielen. Auch in Berlin habe ich einen Duopartner, der Schlagzeug, Bassgitarre, Gitarre und Klavier spielt. Mit ihm habe ich ein Jazzprogramm vorbereitet.

Die Fragen stellte Dr. Maite Kallweit.

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