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Was es 2027 zu sehen gibt: Die Highlights in den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Pressemitteilung vom 02.09.2026
Thomas Gainsborough zum 300. Geburtstag, Ai Weiwei im Bode-Museum, Arnold Böcklin jenseits des Mythos, internationale Abstraktion, Künstlerbücher von Jonathan Meese und Pharaonen zum Ertasten, eine Kinderbiennale als Premiere, die Wiedereröffnung des Pergamonmuseums als Krönung.
SPK-Präsidentin Marion Ackermann hat gemeinsam mit den Museumsdirektorinnen und -direktoren, Kuratorinnen und Kuratoren eine Auswahl besonderer Ausstellungen aus dem Programm 2027 vorgestellt und erklärt: „Die Museen der SPK erleben ein ausgesprochen gutes Ausstellungsjahr. Die Neue Nationalgalerie und der Hamburger Bahnhof, die Alte Nationalgalerie, das Bode-Museum und das Neue Museum verzeichnen steigende Besuchszahlen, teilweise im zweistelligen Bereich. Auch bei den Jahreskarten sehen wir ein deutliches Plus von 30 Prozent. Das stimmt optimistisch auch für das Jahr 2027, das nicht nur die Wiedereröffnung des Pergamonmuseums feiern wird, sondern viele Gelegenheiten bietet, Bekanntes neu zu sehen und Neues zu entdecken – von herausragenden Werken der Kunstgeschichte bis zu internationalen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Gerade in diesen Zeiten wollen wir Orte schaffen, die Vielfalt zeigen, Verbindungen herstellen und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Dafür steht die SPK.“
Im „Engländer-Raum“ der Gemäldegalerie bot die Programmvorstellung bereits einen Ausblick auf die Sonderausstellung, die dort anlässlich des 300. Geburtstags des Malers Thomas Gainsborough stattfinden wird. Aufgrund seines lebendigen Stils ist Gainsborough heute der wohl populärste englische Maler seiner Zeit. Berlins einzigartige Sammlung britischer Malerei, aufgebaut noch von Wilhelm von Bode, wird für die Ausstellung um herausragende internationale Leihgaben ergänzt. – Wie greift Fotografie die Malerei der Alten Meister und das Museum als Ort der Präsentation auf? Auch das interessiert die Gemäldegalerie im kommenden Jahr. In rund 90 fotografischen Positionen treten internationale Fotograf*innen wie Jeff Wall, Candida Höfer, Carrie Mae Weems, Martin Parr im Rahmen der Ausstellung „Die Kunst zu sehen“ in den Dialog mit den Meisterwerken der Sammlung.
Auch die Alte Nationalgalerie feiert einen großen Meister: Anlässlich seines 200. Geburtstags widmet sie Arnold Böcklin eine Ausstellung und richtet damit den Blick auf eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des Symbolismus. „Böcklin. Jenseits des Mythos“ führt erstmals vier erhaltenen Fassungen seines berühmtesten Motivs, der „Toteninsel“ zusammen, die sich heute in Basel, Berlin, Leipzig und New York befinden. Eine Sensation! In der zweiten Jahreshälfte folgt die Neuentdeckung des litauischen Künstlers Čiurlionis, der sowohl in Kunst als auch Musik eine ganzheitliche Darstellung des Kosmos anstrebte.
Ohne ihn hätte Martin Luther niemals seine Bekanntheit erreicht: Lucas Cranach d. Ä., einer der produktivsten und einflussreichsten Künstler der deutschen Renaissance, verbreitete mit seinen Bildern politische und theologische Ideen und brachte die Reformation maßgeblich voran. Das Kupferstichkabinett widmet sich in seiner Cranach-Ausstellung zum Abschluss eines groß angelegten interdisziplinären Forschungs- und Drittmittelprojekts Themen der Politisierung und Instrumentalisierung von Kunst im 16. Jahrhundert. Mit dem Blick von heute werden auch Aspekte wie Propaganda, Diskriminierung oder Antisemitismus aufgegriffen.
Politische Ikonographie und Bildermacht auch in der Kunstbibliothek: Sie taucht ein in Jonathan Meeses provokante Bild-, Sprach- und Gedankenwelt und entwickelt gemeinsam mit dem Künstler eine raumgreifende Installation für das Kulturforum. Das Buch als künstlerisches Medium steht dabei im Mittelpunkt – von frühen Schul- und Skizzenheften über Comics, Material- und Collagebücher bis zu monumentalen Performancebüchern. Außerdem: Die Ausstellung „Bizarr“ erzählt die Geschichte dieses Wortes, das erstmals im 14. Jahrhundert in Dantes „Inferno“ auftauchte und seitdem alles bezeichnet, was die Grenzen des Normalen sprengt.
Er gilt als Pionier der Lichtkunst und revolutionierte das Verständnis von Skulptur und Wahrnehmung: James Turrell. Dem US-amerikanischen Künstler widmet der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart eine erste umfassende Überblicksausstellung in Berlin und knüpft damit auch an die eigene Sammlung an, zu der Werke von Dan Flavin sowie dessen ikonische Lichtinstallation an der Museumsfassade in der Invalidenstraße gehören.
Mit der Ausstellung „Ai Weiwei im Bode-Museum“ (AT) trifft eine der prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst auf die Sammlung, die Geschichte und die Architektur des Hauses. Seine Interventionen eröffnen neue Perspektiven auf Fragen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, von Macht und Widerstand, von Erinnerung und Verlust. Sie zeigen auch, wie Identität erst in der Begegnung mit dem vermeintlich Fremden Kontur gewinnt.
Abstraktion mit internationaler Perspektive – die Neue Nationalgalerie weitet mit der Ausstellung „Große Freiheit. Internationale Abstraktion nach 1945“ den Blick ins Globale. Sie zeigt die vielfältigen Ausprägungen abstrakter Positionen: von Japan bis Lateinamerika, von ZERO in Düsseldorf bis zur arabischen Abstraktion. Mit einer ersten Retrospektive in Berlin würdigt die Neue Nationalgalerie außerdem Katharina Sieverding. Neben großformatigen Fotobildmontagen der Künstlerin werden im Mies-Bau auch Mehrkanal-Diaprojektionen und raumfüllende installative Filmprojektionen gezeigt.
2027 geht es neben hochkarätigen Kunstausstellungen, Blickwechseln und künstlerischen Auseinandersetzungen im Museum auch um neue Zugänge zum Kulturerbe. Ab März lässt sich im Neuen Museum altägyptische Kultur im Wortsinn „(be-)greifen“: Alle Exponate können in Originalgröße ertastet werden. Gezeigt werden Repliken aus der Gipsformerei, Nachbildungen aus den originalen Materialien und einige Originale. Düfte wie Weihrauch, Myrrhe und Lotos ergänzen die taktile Wahrnehmung. Alle Exponattische sind für Rollstuhlfahrer unterfahrbar. Ein Audioguide ermöglicht die selbstständige Erkundung der inklusiven Ausstellung.
Erstmals findet 2027 in Berlin an mehreren Standorten der SPK eine Kinderbiennale statt. Das international ausgerichtete Ausstellungsformat präsentiert zeitgenössische Kunst und verbindet internationale künstlerische Positionen mit den Perspektiven und Themen einer jungen Generation. Als partizipatives und interaktives Ausstellungs- und Vermittlungsformat verbindet die Kinderbiennale zeitgenössische Kunst mit neuen Formen der Kunstvermittlung und eröffnet Raum für Begegnung, Austausch und eigene Zugänge zu den künstlerischen Arbeiten.
Der Verlust tausender europäischer Siedlungen gehört zu den tiefgreifenden Umbrüchen der letzten hundert Jahre. Das Ausstellungsprojekt „Atlantis“ des Museums Europäischer Kulturen erkundet solche Orte, die von der Landkarte verschwunden sind. Das Museum vereint Interviews, historische Dokumente, Objekte, Fotografien und Klanginstallationen zu einer umfassenden Schau. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Museen, Forschungsinstitutionen, Fotografen, Gestaltern und Musikern aus Ungarn, Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Deutschland entstand eine vielschichtige Ausstellung.
Eine Ausstellung des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum zeigt, wie indigene Gemeinschaften in Costa Rica ihre reiche natürliche Umwelt erleben. Archäologische Zeugnisse und heutige indigene Sichtweisen werden gemeinsam präsentiert und verdeutlichen die Notwendigkeit zum Schutz der Natur. Schon ab Ende 2026 wird außerdem die Dauerausstellung des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum um ein Kapitel zu Togo erweitert. Zeitgenössische künstlerische Arbeiten im Kontext historischer Sammlungsbestände machen sowohl die Nachwirkungen der gemeinsamen Geschichte als auch die Potenziale für neue Beziehungen sichtbar.
Musik war jahrtausendelang an den Moment ihrer Aufführung gebunden. Das Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung erzählt in der Ausstellung „Music on Demand“ die erst hundertfünfzig Jahre andauernde Geschichte der Aufzeichnung und Wiedergabe von Klang. Auch die Folgen der unbegrenzten Verfügbarkeit „gebannter Klänge“ werden thematisiert: Umweltbelastung durch Streaming, ein von Algorithmen gelenkter Musikgeschmack oder KI-generierte Musik.
Fragen nach Original und Kopie, Authentizität und kulturellem Gedächtnis stellt die mehrtägige Intervention „Aura“ der Gipsformerei in der historischen Modellhalle in Charlottenburg. Der Ort wird damit ein letztes Mal bespielt, bevor die Gipsformerei zu Gast im Forschungscampus Dahlem ist. Der denkmalgeschützte Bestandsbau wird grundsaniert und um einen Neubau erweitert. In Dahlem präsentiert sich die Gipsformerei unter dem Titel „Weißes Rauschen“ als offener Resonanzraum aus Formen, Abdrücken und Objektgeschichten.
Am 4. Juni 2027 kehrt Berlins internationaler Publikumsmagnet unter den Museen zurück: Dann öffnet das Pergamonmuseum wieder seine Türen. Die einzigartigen Sammlungen machen in ihrer neuen Präsentation die Verflechtungen der Kulturen des antiken Mittelmeerraums sowie des Nahen und Mittleren Ostens neu erlebbar. Die Antikensammlung bringt den Pergamonaltar und die monumentale hellenistische Architektur zurück. Das Museum für Islamische Kunst vermittelt rund 1.400 Jahre islamischer Kulturgeschichte. Unter seinen rund tausend ausgestellten Objekten sind Highlights wie die Mschatta-Fassade, das Aleppo-Zimmer und die Alhambra-Kuppel. Das Vorderasiatische Museum öffnet ein Schaufenster auf bedeutende Highlights seiner Sammlung.
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Birgit Jöbstl
Pressesprecherin und Referatsleiterin Medien, Kommunikation und Publikationen
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Andrea Wiethoff
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