Restitution von Büchern aus der Staatsbibliothek an Le Figaro

Pressemitteilung vom 10.03.2022

SPK gibt im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte Bücher an die französische Tageszeitung Le Figaro zurück – Feierliche Übergabe in der Botschaft

Der Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, Achim Bonte, hat heute in der Französischen Botschaft in Berlin Vertretern der französischen Zeitung Le Figaro 33 Bücher zurückgegeben, die bei der Beschlagnahme des Redaktionsgebäudes von Le Figaro durch die deutschen Besatzungstruppen konfisziert worden waren. Das Team der Provenienzforscher*innen der Staatsbibliothek hatte die Werke bei der systematischen Prüfung der eigenen Bestände identifiziert. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz kontaktierte daraufhin Le Figaro und organisierte mit Unterstützung der Commission pour l’indemnisation des victimes des spoliations et intervenues du fait de législations antisémites en vigueur pendant l‘Occupation (CIVS) die Rückgabe.

Der Präsident der SPK, Hermann Parzinger, erklärte: „Bei Restitutionen von NS-Raubkunst stehen oft Kunstwerke im Fokus, aber natürlich wurden auch unzählige Bücher ihren rechtmäßigen Eigentümern entzogen. Aus der Staatsbibliothek konnten wir in den letzten 20 Jahren über 2000 Werke zurückgeben. Der CIVS, die uns nicht zum ersten Mal bei einer Restitution unterstützt hat, danke ich sehr herzlich, ebenso wie Frau Botschafterin Descôtes.“

Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, sagte: „Die Staatsbibliothek ist sich ihrer Verantwortung als führende deutsche Bibliothek in der Zeit des Nationalsozialismus bewusst. Wir arbeiten seit über 15 Jahren intensiv an der Prüfung unserer immensen Sammlungen auf unrechtmäßige Erwerbungen. Gleichzeitig leisten wir Grundlagenforschung zu den Verteilerwegen geraubter Bücher.“

Philippe Gélie, stellvertretender Redaktionsleiter der Zeitung Le Figaro, der die Bücher in Berlin entgegennahm, sagte über diese: „Ihnen wird nun ein Platz zuteil in der langen Geschichte unserer Zeitung – die, daran sei erinnert, 1826 als satirische Wochenzeitung gegründet wurde –, in der Geschichte überhaupt, jener, die sie durchlebt haben, und in unserer gemeinsamen Geschichte, die wir, Franzosen und Deutsche, als Nachbarn, Verbündete und Freunde teilen. Dafür, dass Sie dies ermöglicht, dass Sie dieses Andenken wieder zum Leben erweckt haben, möchte ich Ihnen heute den aufrichtigen Dank des Figaro aussprechen.“

Die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes erklärte: „Die Rückgabe der Werke an den Figaro erfolgt zu einem historischen Zeitpunkt: Die französische Nationalversammlung hat gerade erst einstimmig ein Gesetz angenommen, welches die Rückgabe von geraubten Kulturgütern anordnet bzw. den rechtmäßigen Eigentümern und ihren Nachfahren ein Recht auf Aushändigung solcher Gegenstände einräumt. Voraussetzung ist hierbei die Enteignung aufgrund antisemitischer Verfolgung während der Okkupationszeit.“

Kurz nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris beschlagnahmte die Propagandaabteilung des Militärbefehlshabers in Frankreich in großem Umfang Literatur. Es handelte sich vor allem um Werke mit antinationalsozialistischer Tendenz und Emigrantenliteratur. Die in Verlagen und Buchhandlungen beschlagnahmten Bücher wurden in Sammelstellen zusammengetragen. Gleichzeitig konfiszierten NS- und Wehrmachtsorganisationen gezielt Archiv- und Bibliotheksbestände, die aktuelle Entwicklungen und die öffentliche Meinung wiederspiegelten – so auch von allen großen französischen Zeitungen. Der Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek Hugo Andres Krüß lehnte die Einarbeitung von „im Ausland oder von Ausländern beschlagnahmtem Schrifttum“ in die Bestände zwar grundsätzlich ab. Dennoch gelangten in Frankreich beschlagnahmte Buchbestände und Zensurexemplare in die Staatsbibliothek. Zwischen 1941 und 1944 wurden knapp 2000 Titel in die Zugangsbücher eingetragen. Etliche Bücher wurden aber erst lange nach Kriegsende in den Bestand aufgenommen. Dies geschah häufig über die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände, die seit 1959 bei der Staatsbibliothek angesiedelt war. Über ein mehrjähriges vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördertes Forschungsprojekt zu dieser zentralen Tauschstelle für Bibliotheken in der DDR gelangte das Provenienzforschungsteam der SBB auch auf die Spur weiterer in Frankreich beschlagnahmter Buchbestände.

Auf welchem Wege die 33 Bände aus der Bibliothek von Le Figaro in die SBB gelangt sind ist nicht in jedem Fall nachvollziehbar. Zumindest teilweise wurden sie vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda bei der Staatsbibliothek eingeliefert. Die Bücher sind jedoch eindeutig während der Besatzungszeit beschlagnahmt worden und durch verschiedene Merkmale der Bibliothek von Le Figaro klar zuzuordnen. So weisen viele der Bände einen Stempel und eine markante Nummerierung auf, einige tragen handschriftliche Widmungen der jeweiligen Autor*innen an Mitarbeiter von le Figaro, häufig an den Redakteur Lucien Romier.

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