ECHY 2018: Wie Kultur Europa retten kann

News vom 19.12.2016

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 (ECHY) soll Kultur als ein verbindendes Element in Europa bewusst und erfahrbar werden lassen. Am 19. Dezember 2016 stellten fünf Botschafter des Kulturerbejahres das Vorhaben der Öffentlichkeit vor. Einer von ihnen ist Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK).

Was erwarten Sie vom Europäischen Kulturerbejahr?

Europa sieht sich derzeit großen Herausforderungen und Gefahren ausgesetzt: Finanzkrise, Flüchtlingsströme, Brexit, Rechtspopulismus oder einfach nur Lethargie, die vielleicht größte aller Bedrohungen. Die Krisen unserer Zeit lassen sich nur bewältigen, wenn sich die Europäer als historische Schicksals- und kulturelle Wertegemeinschaft verstehen und eine europäische Identität entwickeln, die die lokale, regionale und nationale nicht ersetzen, sondern ergänzen und bereichern soll. Auch diese europäische Dimension gehört untrennbar zu uns. Deshalb ist es richtig, im Jahr 2018 den Blick der Europäer auf ihr kulturelles Erbe zu lenken, auf diese ganz besondere Einheit in Vielfalt, die Europa gerade kulturell so einzigartig macht. Politische und wirtschaftliche Interessen mögen unterschiedlich sein und sich verändern, unsere kulturellen Wurzeln sind hingegen eine Konstante, die alle Europäer teilen und nicht abstreifen können. Das kulturelle Erbe der Europäer ist vielleicht ihr größtes Potential, wenn es darum geht, Gemeinsamkeit und Verbundenheit zu fördern. Die Berliner Museumsinsel mit ihren Museen und Sammlungen steht dafür in besonderer Weise. Zusammen mit dem entstehenden Humboldt Forum ermöglicht sie fortwährende Selbstvergewisserung in einer rasant sich verändernden globalisierten Welt, in der sich mit nationalem Eigensinn nicht bestehen lässt. Nie war das kulturelle Europa wichtiger als heute.

Das ECHY 2018 verfolgt den programmatischen Ansatz einer „Gesellschaft im Wandel". Was steht dahinter?

Im Mittelpunkt des Kulturerbejahres werden alle Menschen in Europa stehen – und das auch ganz im Sinne des „Shared Heritage“. Dahinter steht der Gedanke, dass kulturelles Erbe von Museen lediglich verwahrt wird, grundsätzlich aber als Besitz der ganzen Menschheit gilt – eine Idee, die wir auch für das Humboldt Forum verfolgen. Das kulturelle Erbe hilft hier wie dort in den Dialog zu treten und sich der eigenen Geschichte gewahr zu werden. Dies ist gerade auch vor dem Hintergrund der vielen Geflüchteten ungemein wichtig, die in Europa Schutz suchen, von vielen aber als Bedrohung wahrgenommen werden, u.a. weil sie als sehr anders wahrgenommen werden. Wir können anhand unserer Objekte z.B. zeigen, dass diese Menschen so fremd gar nicht sind und es beispielsweise schon in der Geschichte viel mehr Austausch und Verflechtungen gab, als man denkt. Ein reflektierter Umgang mit dem kulturellen Erbe hilft also dabei, die aktuellen Herausforderungen einer sich stetig wandelnden Gesellschaft bewältigen zu können.

Ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Menschen für den Schutz des kulturellen Erbes zu sensibilisieren?

Ja, unbedingt. Betrachten Sie zum Beispiel das archäologische und bauliche Erbe. Es ist ebenfalls Ausdruck einer gemeinsamen und langen europäischen Kulturgeschichte und müsste schon allein deswegen höchsten Schutz genießen. Dennoch scheint mir, dass die Bedeutung dieses Erbes hierzulande nicht allen wirklich bewusst ist – wenn beispielsweise ernsthaft darüber verhandelt wird, die von Schinkel errichteten Mauern am UNESCO-Welterbe Museumsinsel für eine Badeanstalt einzureißen. Daher erhoffe ich mir vom Europäischen Kulturerbejahr nicht zuletzt auch eine erhöhte Sensibilität für den ideellen Wert unseres kulturellen Erbes.

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