Neue Publikation zur Provenienzforschung an menschlichen Überresten aus Westafrika

News vom 22.04.2026

Fast 600 Schädel aus den ehemaligen deutschen Kolonien Westafrikas wurden in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Partnern aus Togo und Kamerun untersucht. Die nun veröffentlichte Publikation dokumentiert die Ergebnisse und schafft eine Grundlage für mögliche Rückführungen der menschlichen Überreste.

Wissenschaftler stehen in einer Gruppe zusammen
Kamerun. Foto: SPK / Stefan Müchler

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin hat gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Togo und Kamerun die Provenienz von nahezu 600 Schädeln aus den ehemaligen deutschen Kolonien Westafrikas untersucht. Die Ergebnisse des 2021 gestarteten und vom Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien geförderten Projekts liegen nun in einer Publikation vor. Restes Humains Provenant Des Anciennes Colonies Allemandes D’Afrique De L’Ouest. Recontextualisation Et Approches De La Restitution bildet die Grundlage für eine verantwortungsvolle Rückführung der menschlichen Überreste in die Herkunftsländer.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer sagt: „Die Provenienzforschung und die Rückführung menschlicher Überreste sind für mich zentrale Anliegen bei der Aufarbeitung des Kolonialismus. Das SPK-Projekt zur Erforschung menschlicher Gebeine aus Westafrika ist dabei ein Leuchtturmprojekt, das Maßstäbe im direkten Austausch und in der vertrauensvollen Kooperation mit den Herkunftsgesellschaften setzt. Dass deutsche Vertreterinnen und Vertreter in die betroffenen Gemeinden gereist sind, um Ergebnisse zu teilen und mögliche Repatriierungen zu besprechen, wurde vor Ort mit tiefer Wertschätzung aufgenommen und hat eindrücklich gezeigt, welch existenzielle Bedeutung die Rückkehr der Ahnen für die Menschen vor Ort und für Versöhnung hat. Mein besonderer Dank gilt den Vertreterinnen und Vertretern aus Togo und Kamerun, die sich intensiv und mit großem Sachverstand in dieses Projekt eingebracht haben.“

Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erklärt: „Die Erforschung der Herkunft dieser Schädel ist für uns nicht nur eine Verpflichtung, sondern ein zentrales Anliegen. Wenn irgend möglich, sollen die menschlichen Gebeine dorthin zurückkehren können, woher sie stammen. Deshalb haben wir die Forschungsergebnisse und unsere Offenheit zu einer Repatriierung den Herkunftsländern kommuniziert. Mit der jetzt vorliegenden Publikation sind die Ergebnisse und die wissenschaftliche Herangehensweise aber auch für die breite Öffentlichkeit nachlesbar.“

Der Band beleuchtet die Geschichte der anthropologischen Forschungen, rekonstruiert koloniale Kontexte und dokumentiert die Herkunft der untersuchten Überreste. Von den 574 Schädeln konnten 336 Regionen im heutigen Kamerun, 151 im heutigen Togo, 23 in Ghana und einer in Nigeria zugeordnet werden; bei 63 war keine genauere Bestimmung möglich.

Die untersuchten Bestände gehören zur historischen anthropologischen Sammlung von rund 7.700 Schädeln, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2011 von der Charité übernommen hatte. Nach den bereits veröffentlichten Ergebnissen zu Deutsch-Ostafrika ist dies ein weiterer Schritt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung und im Dialog mit den Herkunftsgesellschaften.

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