Steinbeile und Bronzeschwert – Museum für Vor- und Frühgeschichte erhält erneut „Funde“ aus der Ruine des einstigen Kunstgewerbemuseums

News vom 17.05.2022

19 Bronzebeile, ein Bronzeschwert und 15 Steinbeile können wieder in die Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufgenommen werden – darunter vermutlich Teile des bedeutenden Hortfunds von Bennewitz.

Zwei Männer betrachten ein Bronzeschwert
Foto: SPK / Stefan Müchler

Aufmerksam geworden durch die mediale Berichterstattung über die Rückgabe von Objekten durch die Witwe des Berliner Malers Peter Grämer, meldete sich wenige Tage später Arndt Maibaum telefonisch im Sekretariat des Museums für Vor- und Frühgeschichte und bat um die Abholung von durch ihn vor Jahrzehnten im Gropiusbau geborgene Objekte. Bernhard Heeb, Kustos am Museum für Vor- und Frühgeschichte wurden die Stücke säuberlich in Kartons verpackt überreicht. „Das Schwert und einige der steinzeitlichen Objekte hatten zuvor sogar die Wohnung des Ehepaars geschmückt. Sie hatten für den Kunstmaler und seine Familie also eine große Bedeutung." Trotz der Brandpatina lässt sich die Verzierung des Bronzeschwerts noch gut erkennen. „Das Schwert ist auf Grund seiner geschwungenen Schneide ein besonderes Stück“, so Bernhard Heeb. „Noch konnten wir es nicht eindeutig zuordnen, aber wir werden es in jedem Fall identifizieren!“

Der heute in Berlin so bekannte Martin-Gropius-Bau, der lange als Kunstgewerbemuseum genutzt wurde, barg ab 1921 auch die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Nur die wertvollsten Objekte konnten vor der Kriegszerstörung in Sicherheit gebracht werden. Zehntausende Objekte aus allen Epochen versanken gegen Ende des Kriegs bei der Bombardierung des Hauses in Schutt und Asche. Erst 1970 wurde die Ruine komplett enttrümmert. „Wir wissen, dass es in West-Berlin geradezu einen Run auf die weitgehend ungesicherte Museumsruine gab und viele Einzelpersonen und Gruppen dort nach Objekten gegraben haben“, so Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte. „Umso mehr freuen wir uns jetzt riesig über die zweite Rückgabe von „Funden“ binnen kürzester Zeit.“

35 Objekte: 19 Bronzebeile, ein Bronzeschwert und 15 Steinbeile können jetzt wieder in die Museumssammlung aufgenommen werden. Auch wenn die Fundstücke keine Objektnummern mehr tragen, lassen sich einige relativ leicht bestimmen. Die Bronzebeile sind aller Voraussicht nach Teil des großen Hortfunds von Bennewitz in Sachsen-Anhalt, der im Neuen Museum als größter Fundkomplex der Bronzezeit prominent ausgestellt ist. „Aus diesem Hortfund haben wir 164 Objekte; 32 fehlten bislang. Davon sind jetzt 19 wieder da“, sagt Matthias Wemhoff glücklich über die Wiedervereinigung der Sammlungskonvolute. Nur durch die große Anzahl an Stücken eines solchen Hortes lassen sich zum Beispiel Rückschlüsse auf frühe Normierungen von Produkten machen – daher zähle jedes einzelne Objekt.

Bis heute fehlen dem Museum noch tausende Objekte, die nicht ausgelagert wurden – also während des Krieges im Gropiusbau verblieben waren. Davon schlummern vermutlich noch so manche in Berliner Kellern oder auf Dachböden. „Die Beispiele von Peter Grämer und seiner Witwe Christine Weber sowie von Arndt Maibaum sollten in unseren Augen Schule machen und wir rufen dazu auf, Funde, die auch vom Gropiusbau stammen könnten, an das Museum zurückzugeben", so Matthias Wemhoff. „Rechtliche Konsequenzen sind nicht zu befürchten – alles, was Sie erwartet, ist unsere tiefe Dankbarkeit.“

Wer ähnliche Fundstücke in seinem privaten Umfeld vermutet, kann sich jederzeit per E-Mail an das Museum wenden.

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