Der Schatz aus dem Schutt

12.04.2022Der Schatz aus dem Schutt

Rückgaben aus privaten Beständen an die Staatlichen Museen zu Berlin sind nicht unüblich, doch was die Mitarbeiter*innen des Museums für Vor- und Frühgeschichte hier erwartete, übertraf alle Erwartungen: 1500 Objekte aus dem Altbestand des Museums fanden sich im Atelier des West-Berliner Künstlers Peter Grämer, der diese in den 1960er Jahren in den Ruinen des ehemaligen Kunstgewerbemuseums (heute: Martin-Gropius-Bau) ausgegraben hatte. Seine Witwe Christine Weber trat 2021 an die SPK heran, um diese zurückzugeben und erzählt im Interview, wie es dazu kam.

Die Fragen stellte Elena Then

Kiste mit archäologischen Objekten
Fund aus der Ruine © Staatliche Museen zu Berlin

Frau Weber, wie kam Ihr Mann zu den Objekten?

Christine Weber: Mein Mann wohnte als Student an der Berliner Hochschule der Künste 1960 nahe am Martin Gropius Bau in der Potsdamer Straße. Er hat Malerei studiert und schon deshalb seine Umgebung erkundet. Die Ruinen der ehemaligen Museen waren für ihn besonders interessant, weil er als Maler natürlich antike Vorbilder und Artefakte anderer Kulturen studiert hat. Er hatte sein Leben lang großes Interesse an Archäologie und hat auch auf Grabungen gezeichnet. In seiner Studienzeit zwischen 1960 und 1965 hat er Objekte, die er im Schutt gefunden hat, gesichert.

Wie und wann haben Sie davon erfahren, woher er sie hatte?

Ich lebte seit 1978 mit Peter Grämer zusammen. Er hatte verschiedene Kunstgegenstände in seinem Atelier, sie waren Anregung für seine Malerei. 1999, beim Umzug von Berlin nach Potsdam habe ich wahrgenommen, dass es noch Kartons und Kisten mit Scherben und anderen Kunstgegenständen gab. Mein Mann hat mir aus diesem Anlass von seinen Ruinen-Expeditionen in den 1960er Jahren erzählt.

Arbeitsplatte mit sortierten archäologischen Objekten
Fund aus der Ruine © Staatliche Museen zu Berlin

Warum hat er selbst Ihnen erst so spät davon erzählt?

Das war einfach kein Thema, es gehörte in seine Studienzeit, die war vorbei, als wir uns kennenlernten. Wir waren mit unseren Berufen – er freischaffender Maler, ich Lehrerin – voll beschäftigt. Wir lebten bis 1999 in der verlassenen ehemaligen estnischen Botschaft im Tiergarten; das Gebäude und die benachbarte Ruine der Griechischen Botschaft gab uns genug Gesprächsstoff und die notwendigen Aktivitäten zum Erhalt und Sicherung der dortigen Lebensumstände hat uns ins Atem gehalten.

Was hat Sie dazu bewegt, sich nun an uns zu wenden?

Mein Mann hat nach einem weiteren Umzug von Potsdam nach Berlin-Zehlendorf in seinen letzten Lebensjahren öfter davon gesprochen, dass er alle Fundstücke der „Grabungen“ aus seiner Studentenzeit unbedingt an das Museum zurückgeben will, weil er sich immer nur als vorübergehender Bewahrer von diesen durch Krieg zerstörten Kulturgütern sah. Leider hat er das zu seinen Lebzeiten nicht mehr geschafft. Er wusste auch nicht, wie er das hätte angehen sollen. Für mich stellte sich nach seinem Tod die Aufgabe, seinen künstlerischen Nachlass ebenso wie die Ausgrabungsstücke in die richtigen Hände zu geben.

Im Freundeskreis hatte ich drei Jahre nach seinem Tod das Glück, Katharina Ribbe kennen zu lernen, die eine Verbindung zur SPK hergestellt und bei Rückübergabe geholfen hat. Ich bin froh, solche Unterstützung gefunden zu haben, man muss ja erstmal wissen, an wen man sich wenden kann. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass die Objekte nun wieder fachgerecht gelagert sind, hoffentlich überdauern werden und zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt werden können.

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