Bronzestatuette eines Satyrs von Berliner Antikensammlung wird an Museumslandschaft Hessen Kassel übergeben

Pressemitteilung vom 28.02.2020

Die Statuette eines Satyrs war in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin lange Zeit als Fremdbesitz verwahrt worden. 2019 konnte abschließend geklärt werden, dass sie aus Kassel stammte.

Wir laden Sie herzlich ein zur Übergabe (mit Fototermin)


am 3. März 2020, um 13 Uhr
in der Hessischen Landesvertretung
In den Ministergärten 5, 10117 Berlin


mit Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Martin Maischberger, Stv. Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, Rüdiger Splitter, Direktor der Antikensammlung der MHK, Laura Puritani, Provenienzforscherin beim Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, sowie Bernadette Droste, Dienststellenleiterin der Hessischen Landesvertretung.

Mit der Bitte um Akkreditierung unter: pressestelle@hv.spk-berlin.de

Am 19. Januar 1945 wurde die etwa 20 cm hohe hellenistische Bronzestatuette eines Satyrs von der Staatlichen Kunstsammlung Kassel (heute: Museumslandschaft Hessen Kassel) an die Berliner Antikensammlung in Verwahrung, vermutlich zur Restaurierung, gegeben. Sie erhielt die Nummer DV I 76 und wurde noch im selben Jahr mit zahlreichen anderen Objekten der Antikensammlung zu ihrem Schutz nach Schönebeck ausgelagert. Ende der 1950er Jahre gelangte sie über Braunschweig und Celle wieder zurück nach Berlin, wo sie an das Antikenmuseum West-Berlin übergeben wurde.

Im Rahmen der Aufarbeitung des Fremdbesitzes der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin ließ sich anhand der Archivalien zunächst nur dieser Weg der Statuette ab Berlin definitiv nachweisen. Trotz gewichtiger Anhaltspunkte und der Unterstützung der Kasseler Kollegen fehlte der Nachweis, dass es sich bei dem in Berlin verwahrten Objekt mit der Nummer DV I 76 tatsächlich um ein Objekt aus Kassel handelte. Zweifel bestanden unter anderem aufgrund der nicht eindeutigen Beschriftung im Verzeichnis. So wurde das Objekt zunächst im 2017 veröffentlichten Katalog des Fremdbesitzes der Antikensammlung geführt und ist auch auf dessen Titel abgebildet.

Rund ein Jahr nach Erscheinen des Kataloges konnte Günther Kuss, Provenienzforscher der Museumslandschaft Hessen Kassel, anhand einer aufgefundenen Rechnung, einer Liste von Erwerbungen und des Zugangs-Inventars klären, dass es sich bei dem Satyr tatsächlich um eine Statuette handelte, die 1941 in der Pariser Galerie Brimo de Laroussilhe für das Hessische Landesmuseum Kassel erworben wurde. Die weitere Provenienz des Werkes wird nun bei der Museumslandschaft Hessen Kassel geklärt werden.

Hermann Parzinger, Präsident der SPK, sagt: „Die gute und kollegiale Zusammenarbeit der Provenienzforscher in Berlin und Kassel hat zur Aufklärung dieses Falles geführt. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass belastbare Ergebnisse oft erst nach intensiven Recherchen vorliegen.“

Der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Prof. Dr. Martin Eberle, erklärt: „Die Statuette wird in Kassel ab Herbst Teil einer Kabinettausstellung sein, in deren Zentrum Kunstwerke stehen, deren Herkunft bis heute nicht geklärt werden konnte. Wir werden die Forschungen zur Provenienz des Satyrs fortführen.“

Fremdbesitz in der Antikensammlung

Als „Fremdbesitz“ bezeichnet man Kulturgüter, die nicht Eigentum der Einrichtung sind, in der sie bewahrt werden, und deren rechtmäßige Eigentümer nicht bekannt oder auffindbar sind. Es kann sich dabei zum Beispiel um Stücke handeln, die – etwa in Kriegszeiten – Museen zur Aufbewahrung übergeben und nie abgeholt wurden, um Objekte aus der großen Rückgabe von der Sowjetunion an die DDR 1958/59, die an das „falsche“ Museum geliefert wurden, oder um Leihgaben, bei denen der Kontakt zum eigentlichen Eigentümer abgerissen und keine schriftlichen Unterlagen erhalten sind. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat zum Ziel zu klären, wem der Fremdbesitz in ihren Sammlungen jeweils gehört. Die Staatlichen Museen zu Berlin erarbeiten und publizieren daher sukzessive Kataloge des Fremdbesitzes für ihre Sammlungen. Schon in mehreren Fällen konnte aufgrund der Kataloge ein Objekt wieder richtig zugeordnet werden.

In der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin erschien 2017 die Dokumentation des Fremdbesitzes. Provenienzforscherin Laura Puritani hatte zunächst mehrere Objektgruppen identifiziert, die Fremdbesitz enthalten könnten. Eine davon waren jene Objekte, die vor oder während des Zweiten Weltkrieges an die Antikensammlung in Verwahrung gegeben und im „Durchgangsverzeichnis“ erfasst wurden. Dieses wurde 1939 vom damaligen Direktor Carl Weickert für „Kunstgegenstände irgendwelcher Art, die nicht Museumseigentum sind“ eingeführt. Darin war auch die Bronzestatuette des Kasseler Satyrs verzeichnet.

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