Objekte, die von der berühmten Seidenstrasse erzählen

Pressemitteilung vom 17.09.2008

Das Akademienvorhaben „Turfanforschung“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und des Museums für Asiatische Kunst – SMB (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) sind Partner im EU-Projekt‚ IDP-CREA The International Dunhuang Project – Cultural Routes of Eurasia

Berlin, 17. September 2008. Die in Zentralasien weit verbreitete buddhistische „Erzählung von der hungrigen Tigerin“ ist für das Akademienvorhaben „Turfanforschung“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Ausgangspunkt für ein innovatives Projekt zur eurasischen Kultur. Die Überlieferungsgeschichte dieses alttürkischen Textfundes lässt die Entstehung des Textes in Zentralasien im Zuge der Verbreitung des Buddhismus und der damit verbundenen Schriftkultur ebenso verfolgen wie seinen Weg nach Berlin viele Jahrhunderte später.

Angeregt und unterstützt wird die Unternehmung durch das International Dunhuang Project (IDP), das 1993 mit dem Ziel gegründet wurde, die Verwaltung, Konservierung und Digitalisierung der Sammlungen zentralasiatischer Kunst und Texte der berühmten Seidenstraße zu koordinieren. Derzeit arbeiten sechs europäische Institutionen daran, jeweils ein Objekt aus der Kultur der legendären Seidenstraße zu erschließen, zu dokumentieren und zu präsentieren, um auf diese Weise exemplarisch die historischen Verflechtungen zwischen Europa und Zentralasien erfahrbar zu machen. Die sechs europäischen Kulturinstitutionen - die British Library, die Library of the Hungarian Academy of Sciences, die Bibliothèque nationale de France, das Musée Guimet, Paris, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sowie das Museum für Asiatische Kunst, Berlin –  sehen darin eine Möglichkeit, die bemerkenswerten Geschichten europäischer Entdecker, Archäologen und Wissenschaftler, die in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts nach China reisten, aufzuarbeiten und zu verknüpfen. Ihre Dokumentationen werden eine gemeinsame eurasische Kultur aufzeigen, die schon seit Jahrhunderten existiert und bis heute fortdauert.

Das Museum für Asiatische Kunst in Berlin wird im Rahmen dieses Projektes die berühmte Rekonstruktion der „Höhle mit den ringtragenden Tauben“ (aus Kizil, Autonomes Gebiet Xinjiang, Volksrepublik China), die in der dortigen Dauerausstellung zu sehen ist, auf der IDP Webseite zugänglich machen. Interaktive Felder und Fotos werden veranschaulichen, wie im sechsten Jahrhundert n. Chr. die Höhlen angelegt, bearbeitet und bemalt und die Mineralfarben aus fernen Ländern herbeitransportiert wurden. Zudem ist beabsichtigt, im Rahmen des geplanten Humboldt-Forums, in Kooperation mit chinesischen Institutionen weitere Höhlentempel zu restaurieren und zu rekonstruieren.

In die von allen Partnern getragene online-Datenbank gibt die Akademie einen Teil ihrer Texte der Turfansammlung ein, die schon mit Hilfe der DFG und in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz digitalisiert wurden. Die Akademie reichert die Datenbank mit weiteren Informationen an, während das Museum dort Photographien und die Akten der Turfanexpeditionen zugänglich macht.

Die Ergebnisse dieser verschiedenen Projekte, die jeweils zusammen mit chinesischen Partnern durchgeführt werden, sollen in eine große Ausstellung sowie in zwei Bildungsworkshops und in Forschungsreisen einfließen. Die EU unterstützt dieses wegweisende internationale Projekt mit Mitteln aus ihrem Kulturprogramm.

In Berlin verfügen die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und das Museum für Asiatische Kunst über die bedeutendste Sammlung von Funden aus Turfan und Umgebung, die aus den vier deutschen Expeditionen zwischen 1902 und 1914 dort stammen.

Die Turfan-Textsammlung der BBAW wird in der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz als Depositum aufbewahrt und kuratorisch sowie konservatorisch betreut.

Weitere Informationen

Literatur:

Marianne Yaldiz/Peter Zieme: 100 Jahre Turfan-Expeditionen. Wege der Forschung in Archäologie, Kunstgeschichte und Philologie. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz Bd. 39, 2002

Katharina Wewerke: Konserviert im Wüstensand, restauriert in Berlin: Die Handschriften der Turfansammlung unter dem Skalpell. In: Bibliotheksmagazin. Mitteilungen aus den Staatsbibliotheken in Berlin und München, 2/2008

Pressekontakt:

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Referat Information und Kommunikation
Gisela Lerch
Tel. 030/20 370 657
E-Mail
Website

Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Stefanie Heinlein
Tel. 030 / 25463 206
E-Mail

Diese Pressemitteilung als PDF-Dokument (PDF, 69 KN, nicht barrierefrei)

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