Nachlass von Leni Riefenstahl: Forschungsergebnisse, Digitalisierung und Ausstellung
News vom 29.01.2026
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erschließt und erforscht seit mehreren Jahren den umfangreichen Nachlass von Leni Riefenstahl. Erste Ergebnisse aus Teilprojekten sind nun online zugänglich; ab dem 22. Mai 2026 wird die Auseinandersetzung mit dem Nachlass auch im Museum für Fotografie in einer Ausstellung sichtbar.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) arbeitet seit 2018 an der Erschließung und Erforschung des umfangreichen Nachlasses von Leni Riefenstahl. Der Bestand umfasst mehr als 700 Kisten mit Fotografien, Filmen, Briefen, Manuskripten, Notizen und weiteren Dokumenten. An der Bearbeitung sind die Kunstbibliothek mit ihrem Museum für Fotografie, das Ethnologische Museum, die Staatsbibliothek zu Berlin sowie die Stiftung Deutsche Kinemathek beteiligt.
Der Nachlass bietet ein großes Forschungspotenzial, stellt die beteiligten Einrichtungen jedoch zugleich vor besondere Herausforderungen. Diese betreffen sowohl den Umfang und die Vielfalt der Materialien als auch ethische, rechtliche und gesellschaftspolitische Fragestellungen. Die SPK verfolgt daher einen Ansatz der sukzessiven Erschließung in Teilprojekten, die jeweils unterschiedliche Perspektiven einbeziehen.
Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt: „Der SPK war schon 2018 bewusst, dass sie mit dem Nachlass nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk, sondern auch eine besondere Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung mit dieser streitbaren Person der Zeitgeschichte angenommen hat. So wichtig wie die Erforschung des Nachlasses ist auch die Vermittlungsarbeit. Besonders freue ich mich daher auf die Pop-Up-Ausstellung ‚Inside Archives‘ von Studierenden, die sich mit den Nuba-Fotografien und -Filmen beschäftigt haben. Sie haben die Bilder Riefenstahls neu gelesen, um ihre Macht zu brechen, ihre Schichten freizulegen und bei der Reflexion neue Formen des Erzählens auszuprobieren.“
Die Ergebnisse des ersten Teilprojekts sind nun auf einer mehrsprachigen Website öffentlich zugänglich. Das Projekt widmete sich den mehr als 10.000 Fotografien sowie den Filmen, die Leni Riefenstahl in den 1960er und 1970er Jahren von den Nuba im Sudan anfertigte. Ziel war es, die Sichtweisen der Angehörigen der Nuba-Gesellschaften in den Fokus zu rücken und die Arbeiten aus heutiger Perspektive einzuordnen. Die Aufarbeitung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Pan-Nuba Council sowie sudanesischen Forschenden und Künstlerinnen und Künstlern.
Parallel dazu erschließt die Staatsbibliothek zu Berlin den umfangreichen schriftlichen Nachlass. Dazu zählen unter anderem Drehbücher, Manuskripte, Korrespondenzen, Lebensdokumente sowie Teile der privaten Bibliothek Riefenstahls. Erschließungsinformationen und ausgewählte Digitalisate werden sukzessive online veröffentlicht und bilden eine Grundlage für weiterführende Forschungsfragen.
Ab dem 22. Mai 2026 wird die Auseinandersetzung mit dem Nachlass auch im Museum für Fotografie in einer Ausstellung sichtbar. Unter dem Titel „Inside Archives“ präsentieren Studierende des Masterstudiengangs „Kunst im Kontext“ der Universität der Künste Berlin gemeinsam mit sudanesischen Künstlerinnen und Künstlern Arbeiten, die sich mit Riefenstahls Nuba-Fotografien und -Filmen befassen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni 2026 zu sehen; die Eröffnung findet am 21. Mai um 19 Uhr statt.

