Zauber des Anfangs: Lisa Botti

News vom 31.08.2021

Lisa Botti ist seit April 2021 wissenschaftliche Assistentin in Fortbildung in der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin. Zuvor war die Kunsthistorikerin im Team der 22. Sydney Biennale, die Postkolonialismus, Diversität und Nachhaltigkeit zu ihren Kernthemen zählte. Welche Rolle diese Schwerpunkte in ihrer neuen Tätigkeit bei der SPK spielen und welcher spannungsvolle Ort sie in Berlin in seinen Bann zieht, erzählt sie hier.

Eine Frau spricht auf einer Ausstellung mit moderner Kunst
© 22nd Biennale of Sydney (2020), Art Gallery of New South Wales, Foto: Joshua Morris

„Das wirklich großartige an der Arbeit im Referat „Forschung, Ausstellungen, Projekte“ sowie konkret für das Projekt „Weitwinkel – Globale Sammlungsperspektiven“, für das ich mit meiner Kollegin Catalina Heroven verantwortlich bin, ist, dass wir stets sammlungsübergreifend, das heißt mit allen Häusern und Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) arbeiten dürfen. Hierbei ist immer der transkulturelle Ansatz entscheidend, das heißt wir schauen mit einem multiperspektivischen Blick auf die Sammlung. Ein Beispiel wäre unser aktueller Podcast: Im WEITWINKEL-Podcast sprechen wir mit Kurator*innen, Aufsichtspersonen, Depotleiter*innen, Restaurator*innen und anderen Beschäftigten der SMB sowie mit Vertreter*innen aus den sogenannten Herkunftsgesellschaften über die vielseitigen Bedeutungen und transkulturellen Geschichten, die sich hinter Objekten verbergen. Es werden ebenso museumsexterne Personen einbezogen: Im Podcast zur berühmten Nandi Reittier-Figur (19. Jahrhundert, Indien), die ab September im Humboldt Forum zu sehen sein wird, sprechen wir beispielsweise auch mit einem Priester des Sri Ganesha Hindu Tempels in Neukölln, um auf unterhaltsame und informative Weise in nur 15 Minuten über aktuelle Fragestellungen zu diskutieren.

Weitere Aufgaben sind die Arbeit an einer Diversitätsreihe, in der wir einmal im Monat mit Expert*innen über das Thema Diversität in Kulturinstitutionen sprechen, um seine verschiedenen Facetten zu beleuchten und praktische Umsetzungen am Museum zu diskutieren.

Auch darf ich kuratorisch an zwei Ausstellungen mitarbeiten: Eine ehrt das 30-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Jahr 1992, die andere erörtert sammlungsübergreifend das Thema Fragmente / Fragmentarisierung im Museum, die ausschließlich von Volontär*innen organisiert wird. Beide Ausstellungen werden im Herbst 2022 öffnen.  

Des Weiteren engagiere ich mich auch in der „Sustainability Taskforce“ der SPK, die von Stefan Simon und Nina Schallenberg geleitet wird. Das ist für mich besonders spannend, da ich schon Teil des Sustainability Committees der Sydney Biennale war und mir das Thema Nachhaltigkeit besonders am Herzen liegt.

Und zu guter Letzt macht mir auch große Freude, an Beiträgen für den Blog „Museum and the City“ zu schreiben. Man findet hier schon zwei: Einer dreht sich um die Kunstkammer-Ausstellungsintervention, die gerade noch in vielen Häusern läuft, der andere thematisiert die geschlechtsneutrale Sprache – eine Frage der Moral.

Besonders beeindruckt hat mich das herzliche Willkommen des Teams und aller Kolleg*innen: Jeder ist wahnsinnig bemüht, dass man positiv startet und zeigt sich sehr hilfsbereit, großzügig in der Kommunikation und nimmt sich Zeit. Auch die Aussicht, an den so vielen, relevanten und inhaltlich spannenden Projekten mitarbeiten zu können, trug zur großen Freude bei.

Ein Lieblingsort ist für mich das neue alte Schloss: Ich gehe wahnsinnig gerne in das Humboldt Forum. Gerade weil dieser Ort so viele Spannungen in sich trägt, sich der großen Komplexität und Problematik des Postkolonialismus stellt und niemals ein Ort der Vollkommenheit (für das ja Museen oft fälschlicherweise gesehen werden) sein wird, bin ich dort sehr gerne. Dieser so kontrovers und heiß diskutierte Ort verbindet alle Fragen, die ich momentan für wichtig erachte: Wie macht man heute Museum? Wie gehe ich mit meiner Sammlung um? Wie verorte ich mich in meiner Stadt, aber auch in der globalisierten Welt? Wie erschaffe ich einen echten Diskurs? Ob ich auch im Humboldt Forum die Antworten auf meine Fragen finden werde, das steht noch aus, doch zumindest werden sie schon mal gestellt.“

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