Rückgaben und andere Lösungen

Es gab bereits mehrere Restitutionen von Objekten aus dem Ethnologischen Museum. Rückgaben sind aber nur eine von vielen möglichen Lösungen. Diese werden im Dialog mit Mitgliedern der Herkunftsgesellschaften entwickelt.

Hermann Parzinger übergibt eine hölzerne Maske an John Johnson

Hermann Parzinger gibt im Mai 2018 Grabbeigaben an John Johnson, Vertreter der Alaska Chugach Corporation, zurück. © SPK / photothek.net / Felix Zahn

Im Rahmen des Austauschs mit Vertretern von Herkunftsgesellschaften werden mitunter Erwartungen zur Rückgabe von Objekten geäußert, oft aber auch andere Lösungen erwartet: Vor allem die Zugänglichmachung der Sammlung und der respektvolle Umgang mit den Objekten sind essenziell.

Offizielle Rückforderungen, das heißt Forderungen, die im Einverständnis zwischen Herkunftsgesellschaften und der Regierung des jeweiligen Landes gestellt werden, gab bzw. gibt es bisher nur in einigen wenigen Fällen. Nicht alle davon betreffen Objekte aus kolonialen Kontexten. Lösungsansätze für betroffene Sammlungsbestandteile werden im direkten Kontakt mit Vertretern der Herkunftsgesellschaften entwickelt.

Beispiele für Rückgaben aus dem Ethnologischen Museum

Eine Rückgabe aus dem Ethnologischen Museum erfolgte 2018: Die SPK gab neun Objekte aus Chenega Island an der Südküste Alaskas an die Chugach Alaska Corporation zurück. Es handelte sich um Grabbeigaben, die ohne Zustimmung der Native People aus den Gräbern entnommen worden waren. Mit der Chugach Alaska Corporation arbeitet das Ethnologische Museum seit 2015 an der Aufarbeitung seiner Sammlung, die insgesamt rund 200 Objekte umfasst.

Im Jahr 2000 kehrte ein anderes Objekt aus dem Ethnologischen Museum nach Zimbabwe zurück.  Die SPK gab das rund 45 cm hohe Fragment eines sogenannten „Simbabwe Birds“ als Dauerleihgabe an das dortige Nationalmuseum. In dessen Besitz befand sich bereits das andere Teilstück der Skulptur. Das Berliner Teilstück war 1906 für die Sammlung der Königlichen Museen erworben worden. Diese und vergleichbare Vogelskulpturen haben für das heutige Zimbabwe eine besondere identitätsstiftende Bedeutung und sind eng mit den Freiheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen des Landes verbunden. Daher wollte die SPK mit der Dauerleihgabe die Bemühungen Zimbabwes unterstützen, alle noch erhaltenen „Zimbabwe Birds“ – nach unserer Kenntnis acht – in ihrem Ursprungsland präsentieren zu können.

Ein Sammlungskomplex, bei dem noch nach einer Lösung gesucht wird, ist der Bestand von Objekten, die während der Kolonialzeit aus dem heutigen Tansania nach Berlin gebracht wurden. Die Geschichte der Sammlung, der historische Rahmen und die Erwerbskontexte wurden in einem Projekt aufgearbeitet. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat bereits signalisiert, Objekte aus dem Kontext des Maji-Maji-Krieges an Tansania zu restituieren zu wollen. Wie konkret vorgegangen werden soll, wird derzeit geklärt. 

Eine weitere Rückgabe betraf die archäologische Sammlung Mesoamerika des Ethnologischen Museums: Im Jahr 1980 erhielt das Museum eine Schenkung, die damals nicht genauer eingeordnet werden konnte. In den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass es sich bei dem Maya-Objekt um ein Fragment der Machaquila Stele 11 aus dem Petén in Guatemala handelte. Da das Stück Ende der 1960er Jahre noch vor Ort publiziert wurde, war es offensichtlich illegal nach Europa verbracht worden. Auch, wenn die UNESCO-Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut von 1970 erst 2007 in deutsches Recht umgesetzt wurde, nahm die SPK nahm Kontakt zur guatemaltekischen Botschaft in Deutschland auf und bot an, das Objekt zu restituieren . Die Übergabe erfolgte 1999.

Für die Diskussion um den Umgang mit Kunst aus dem ehemaligen Königreich Benin fand sich vor einigen Jahren eine Gruppe von Museen aus verschiedenen Ländern mit Vertretern aus Nigeria zusammen, die „Benin Dialogue Group“. Das Ethnologische Museum war von Anbeginn Mitglied der Gruppe. Die Kunst aus dem ehemaligen Königreich Benin ist infolge der Britischen Kolonialeroberung im Jahr 1897 auf Museen weltweit verstreut. Im Oktober 2018 verständigte sich die Benin Dialogue Group darauf, dass in Benin City ein neues Museum mit einer regelmäßig wechselnden Ausstellung errichtet werden soll, für das europäische und nigerianische Museen Kunstwerke zur Verfügung stellen werden.

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