Umgang mit außereuropäischen Objekten

Zum angemessenen Umgang mit außereuropäischen Objekten und ihrer Geschichte hat die SPK bei den Vorbereitungen für das Humboldt Forum eine Grundhaltung entwickelt. Zentral ist dabei die Einbeziehung der Herkunftsgesellschaften.

Golda Ha-Eiros erläutert auf der Pressekonferenz ein Objekt

Präsentation der Kooperation des Ethnologischen Museums mit der Museums Association of Namibia: Golda Ha-Eiros (MAN) erläutert ein Objekt (September 2019) © SPK / photothek.net / Florian Gaertner

Ein neuer Blick auf außereuropäische Objekte

Die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin wurden über mehrere Generationen zusammengetragen. Ihre Ursprünge liegen noch in der Kunstkammer, doch der Großteil der Objekte wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erworben. Ziel der Museen war es, die Gesellschaften außerhalb Europas zu dokumentieren und zu erforschen.

Der Blick auf diese Sammlungen hat sich seit ihrer Entstehung deutlich gewandelt. Auch heute noch sind sie eine wichtige Quelle für die Forschung und vermitteln der breiten Öffentlichkeit Informationen über unterschiedliche Regionen der Welt. Der Umgang mit außereuropäischen Objekten und ihre Präsentation in Museen haben sich jedoch grundlegend verändert. Vor allem Objekte aus kolonialen Kontexten und human remains erfordern hohe Sensibilität. Für beide Themenfelder hat die SPK eigene Grundhaltungen entwickelt.

Rahmenbedingungen für Museen

Über den heute angemessenen Umgang mit außereuropäischen Objekten in westlichen Museen wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Eine wichtige Grundlage sind die „Ethischen Richtlinien für Museen“ von ICOM aus dem Jahr 2013. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat bei der Vorbereitung der Neupräsentation der außereuropäischen Sammlungen im Humboldt-Forum ergänzend eigene Grundpositionen zum Thema entwickelt.

2018 legte der Deutsche Museumsbund einen ersten Entwurf für einen Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten vor, Ende desselben Jahres wurde in Frankreich der sogenannte „Sarr-Savoy-Bericht“ vorgestellt. 2019 einigten sich Länder, Bund und kommunale Spitzenverbände auf Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. In allen Dokumenten geht es um Fragen der Herkunft der Objekte, den Dialog mit den Herkunftsgesellschaften, aus denen sie stammen, und mögliche Umgangsweisen mit ihnen. Auch in vielen anderen Ländern bemüht man sich um den angemessenen Umgang mit ethnologischen oder indigenen Objekten. So hat etwa auch das Nationaal Museum van Wereldculturen in den Niederlanden 2019 entsprechende Prinzipien veröffentlicht.

Provenienzforschung bei außereuropäischen Objekten

Für einen angemessenen Umgang mit den Objekten ist es zentral, ihre Herkunft und Erwerbungsgeschichte zu kennen. Die Stücke stammen aus allen Weltregionen und wurden auf verschiedenste Art und Weise unter unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erworben.

Wie auch alle anderen Sammlungen der Stiftung erforschen das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst daher die Provenienz ihrer Sammlungsobjekte. Bestände mit besonders kritischer Geschichte, etwa aus deutschen Kolonialgebieten, werden möglichst vorrangig erforscht. Eine solche Erforschung ist ohne Einbeziehung von Vertretern der Herkunftsgesellschaften und Experten aus den Herkunftsländern heute nicht mehr denkbar. Grundlage jeglicher Zusammenarbeit sind gegenseitiger Respekt und ein multilateraler Austausch auf Augenhöhe.

Neben Akten werden auch andere Tradierungsformen, etwa mündliche Erzählungen, berücksichtigt. Die Ergebnisse werden in Veröffentlichungen, Ausstellungen und online zugänglich gemacht. In bestimmten Fällen kann auch eine Rückgabe in Frage kommen.

Dialog mit Herkunftsgesellschaften: Shared Heritage

Der Austausch mit Vertretern der Herkunftsgesellschaften außereuropäischer Objekte ist ein wichtiger Bestandteil der Museumsarbeit auch über die Provenienzforschung hinaus. Ihr Wissen soll in die Arbeit mit den Objekten einfließen und so eine multiperspektivische Aufarbeitung und Präsentation ermöglichen. Darüber hinaus sollen die Ansprüche der Herkunftsgesellschaften an einen angemessenen Umgang mit den Objekten berücksichtigt werden. Ziel der SPK ist dabei ein offener Dialog, in dem Möglichkeiten diskutiert werden, wie die Objekte weiterhin im wissenschaftlichen Kreislauf belassen werden und auch für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich bleiben können.

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