Mäzene und Sammler

  • Das Profil der SPK-Einrichtungen wurde schon früh durch Schenkungen und umfängliche Unterstützung von Mäzenen geprägt. Auch im 21. Jahrhundert sorgt die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Sammlern für großartige Ausstellungen, Forschungen und neue Museumsbauten.

    Mäzene: Ursprünge der Sammlungen

    Die Gründung der Nationalgalerie, die Büste der Nofretete als weltweite Attraktion auf der Museumsinsel, die umfassende Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek: Alle diese Meilensteine verdankt die SPK dem Wirken großer Mäzene.

    Joachim Heinrich Wagener (1782-1861) hatte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die damals größte private Sammlung nationaler und internationaler Malerei in Berlin zusammengetragen. Den Grundstock der Nationalgalerie bilden jene 262 Gemälde, die der Berliner Bankier dem preußischen Staat vermachte.

    Zu seiner Zeit als damaliger Generaldirektor der Staatlichen Sammlungen galt er auch als der „Bismarck der Museen“: Wilhelm von Bode (1845-1929) knüpfte zeitlebens ein internationales Netzwerk von Sammlern, Stiftern und Mäzenen. Er gründete auch den traditionsreichen Kaiser Friedrich-Museums-Verein. Auf diese Weise sicherte er die finanzielle Unterstützung für den Aufbau beziehungsweise die Erweiterung zahlreicher Sammlungen und Abteilungen.

    James Simon (1851-1932) war einer der bedeutendsten Mäzene der Staatlichen Museen zu Berlin. Der Berliner Kaufmann finanzierte Grabungen und bedachte das Bode-Museum, das ehemalige Museum für Deutsche Volkskunde, das Berliner Münzkabinett und die Ägyptische und Vorderasiatische Abteilung der ehemals staatlichen preußischen Museen mit vielfältigen wertvollen Objekten. Das bekannteste unter ihnen ist die Büste der Nofretete, heute im Neuen Museum auf der Museumsinsel präsentiert.

    Der als Stifter der Villa Massimo international bekannte Eduard Arnhold (1849-1925) hat auch verschiedene Einrichtungen der Staatlichen Museen großzügig beschenkt und verschiedene Grabungen finanziert. Gemälde von Tizian, Liebermann, Manet oder Cézanne gehören ebenso zu Eduard Arnholds Überlassungen, wie die 100.000 Mark Unterstützung für den Erwerb der „Thronenden Göttin von Tarent“ der Berliner Antikensammlung.

    Den wesentlichen Grundstock ihrer Handschriftenabteilung und eines der bedeutendsten Vermächtnisse ihrer Geschichte verdankt die Staatsbibliothek zu Berlin Ludwig Darmstaedter (1846-1927). Die Sammlung des Chemikers enthielt über 250.000 Autographen, Nachlässe, Fotos, Zeichnungen, Faksimiles und Reproduktionen. Überdies gründete Darmstaedter 1914 den Verein der Freunde der Königlichen Bibliothek.

    Zusammenarbeit mit Sammlern

    Dank der Zusammenarbeit mit Sammlern kann die SPK die auf dem Markt erstrangige Kunst des 20. Jahrhunderts der Öffentlichkeit zugänglich machen. Privatsammler sind zudem in anderer Weise als öffentliche Kultureinrichtungen in der Lage, nach einem bestimmten Profil zu erwerben. Für eine angemessene Präsentation sind oft neue Räume nötig. Darum gehen Schenkungen und Dauerleihgaben großer Konvolute bedeutender Sammler wie Erich Marx, Ulla und Heiner Pietzsch oder Egidio Marzona oft einher mit Museumsgründungen wie beispielsweise des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart oder aktuell der Neubau der Nationalgalerie am Kulturforum einher.

    Das Museum Berggruen verdankt dem Sammler Heinz Berggruen nicht nur seinen Namen. Seit 1996 wird in dem Stüler-Bau im Berliner Stadtteil Charlottenburg ein großer Teil der einzigartigen Kollektion Heinz Berggruens gezeigt. Dazu gehören Meisterwerke der klassischen Moderne von Picasso, Paul Klee oder Henri Matisse. Im Jahr 2000 übereignete Berggruen den größten Teil seiner zunächst dauerhaft ausgeliehenen Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu überaus fairen Konditionen.

    Neben umfangreichen langfristigen Leihgaben von etwa 2000 Werken, die seit 2004 mit großem Erfolg im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart präsentiert werden, hat der Sammler Friedrich Christian Flick insgesamt 270 Werke zeitgenössischer Kunst der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin geschenkt. Die Arbeiten stammen von bedeutenden internationalen Künstlern wie Stan Douglas, Dan Graham, Rodney Graham, Candida Höfer, Paul McCarthy, oder Pipilotti Rist. Die Zusammenarbeit mit dem Sammler begann 2004 mit der Ausstellung der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof. 2008 übereignete Flick den Museen die ersten 166 Werke, 2015 folgten anlässlich seines 70. Geburtstages weitere 104 Arbeiten.

    Mit Hilfe der Schenkungen von Egidio Marzona ist es gelungen, die erheblichen Lücken bei den Staatlichen Museen zu Berlin zur Kunst der Sechziger- und Siebzigerjahre zu schließen. 2014 übergab der Sammler der Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett 372 bedeutende Werke der Concept Art, Minimal Art und Arte Povera. Bereits 2002 bereicherte Marzona die Kunstbibliothek mit einzigartigen Archivbeständen zur Kunst der Sechziger- und Siebzigerjahre.

    Die herausragende Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch wird ihren Platz im Museumsneubau der Nationalgalerie am Kulturforum finden. 2009 schenkte das Ehepaar rund 120 Werke des Surrealismus und Abstrakten Expressionismus an das Land Berlin mit der Maßgabe der Dauerleihgabe an die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Eine Auflage war die Schaffung von angemessenen und ausreichenden Präsentationsräumen für Arbeiten von u.a. Jackson Pollock, Mark Rothko, Max Ernst oder René Magritte. Dies geschieht in den kommenden Jahren mit dem Museumsneubau der Nationalgalerie am Kulturforum.

    Die Dauerleihgabe der Sammlung von Erich Marx war der wesentliche Faktor, der 1996 zur Gründung des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart führte. Mit zahlreichen herausragenden Werken von Joseph Beuys, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Cy Twombly, von Anselm Kiefer, Donald Judd, Julian Schnabel und Eberhard Havekost sind in der Sammlung bedeutende Positionen der Kunst nach 1960 vertreten. 2015 übergab Marx den Staatlichen Museen zu Berlin zusätzlich die weltberühmte Installation „Das Kapital Raum 1970 – 1977“ von Joseph Beuys als Dauerleihgabe. Auch das Werk wird wie große Teile der Sammlung Marx zukünftig seinen festen Platz im Neubau der Nationalgalerie am Kulturforum finden.

    Die hochwertige Sammlung japanischer Lackkunst aus dem Besitz Klaus F. Naumanns kauften die Staatlichen Museen zu Berlin 2008 dank der Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung an. Im darauffolgenden Jahr erhielt das Museum für Asiatische Kunst von dem Sammler 100 bedeutende Werke traditioneller japanischer Kunst als Geschenk. Die wertvollen Objekte werden ab 2019 im Humboldt Forum präsentiert.

    1991 stiftete der Galerist und Sammler Otto van de Loo der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin 55 Werke der europäischen Nachkriegskunst. Van de Loos großzügige Schenkung machte das Museum zu einer ersten Adresse für die Werke der Künstlergruppe CoBrA, ihr Umfeld und ihre Nachfolger.

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