Zur aktuellen Debatte um das Museum des 20. Jahrhunderts der Nationalgalerie am Kulturforum

Pressemitteilung vom 30.10.2019

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 30. Oktober 2019 über das geplante Museum des 20. Jahrhunderts der Nationalgalerie am Berliner Kulturforum. Im Artikel „Sehr, sehr viel Platz“ von Jörg Häntzschel sind zentrale Aspekte des Neubaus verzerrt dargestellt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz stellt im Folgenden einige Punkte richtig:

  • Vorwurf der Intransparenz: Die SPK hat die Planungen und Planungsschritte für den Neubau immer wieder öffentlich dargestellt und auf der Website der Nationalgalerie20 ausführlich dokumentiert. Ideenwettbewerb und Realisierungswettbewerb sind zudem im Band „Ein Neubau für die Nationalgalerie – Der Wettbewerb für das Museum des 20. Jahrhunderts“, der im Juni 2018 im Kerber Verlag (49 Euro) erschien, ausführlich dokumentiert worden. Auch wurde immer wieder betont, dass Kosten erst genannt werden sollten, wenn hierfür eine belastbare Kostenberechnung vorliegt. Und gerade, weil auf Transparenz Wert gelegt wird, wurden Indexsteigerungen und Risikokosten mit kommuniziert. Zuletzt wurde das auf der Pressekonferenz der SPK am 16. September mitgeteilt.
  • Vorwurf des Ideenmangels für den Inhalt: Bereits in den Auslobungsunterlagen zum Wettbewerb wurden klare Visionen für das „Museum des 20. Jahrhunderts“ dargelegt. So soll die Präsentation der Bestände unter Einbeziehung kultureller und sozialgeschichtlicher Kontexte sowie aktueller Fragestellung erfolgen, wie dies unterschiedliche Ausstellungsformate der Nationalgalerie in den vergangenen Jahren bereits sehr erfolgreich gezeigt haben. Es wird ein stark interdisziplinärer Ansatz unter Einbeziehung anderer Einrichtungen der Staatlichen Museen verfolgt: „Archivalien und Dokumentationen begleiten und vertiefen das Kunsterlebnis und den Diskurs ebenso wie Beispiele aus der Musik- und Filmgeschichte oder Live-Performances. (…) Angebote zur Partizipation, zum Gespräch, zu aktuellen Debatten sollten auch in den Ausstellungsräumen, in direkter Nachbarschaft zu den Kunstwerken  möglich sein. (…) Die am  Kultur- und Wissenschaftsstandort Kulturforum bereits vorhandenen inhaltlichen Querverbindungen (Literatur, Musik, Design, Filmgeschichte) sollen (…) belebt und ausgebaut werden“. (Zitat aus dem Auslobungstext Realisierungswettbewerb, Juni 2016).
  • Der Bundestagsbeschluss von 2014 und die 200 Millionen: Grundlage der Veranschlagung von 200 Millionen Euro im Herbst 2014 durch den Bundestag war die Variantenuntersuchung von 2012/2013, die für einen Neubau an der Potsdamer Straße mit rund 9.200 qm Ausstellungsfläche und 14.000 qm Gesamtfläche Kosten von 179,4 Mio. Euro geschätzt hatte. Aufgrund der Baupreisentwicklung wurde bei der Etatisierung im Herbst 2014 auf 200 Millionen Euro aufgerundet. Schon in der Variantenuntersuchung vom Sommer 2013 ist bei allen drei geprüften Standorten mit Kosten von 179 Millionen Euro gerechnet worden.
  • Zum Bauplatz Potsdamer Straße: Das Positionspapier der SPK vom August 2013, in dem sich die Stiftung für eine verkleinerte Variante (9.900 qm Nutzfläche, 7.400 qm Ausstellungsfläche) an der Sigismundstraße ausgesprochen hatte, wurde nie beschlossen und auch nicht weiter verfolgt. Zum einen, weil auch für diese kleine Variante kein Geld vorhanden war, zum zweiten, weil das Grundstück an der Sigismundstraße (6.500 qm Fläche, die sich aufgrund der gebotenen Abstandsflächen zur angrenzenden Wohnbebauung noch stark verkleinert hätte) als zu eingeschränkt erschien, um dort das Raumprogramm angemessen unterzubringen und eine sichtbare Architektur zu ermöglichen. Überdies hätte man am Standort Sigismundstraße deutlich tiefer und höher bauen müssen, um die erforderliche Fläche zu erreichen. Außerdem hatten sich auch die Sammler gegen den Standort ausgesprochen. Zum Vergleich: Das Grundstück an der Potsdamer Straße hat 10.200 qm Fläche. Nur der Standort am Kulturforum erlaubte eine Umsetzung des gesamten Raumprogramms. Mit der Veranschlagung der Mittel im Herbst 2014 wurde auch die Entscheidung für den Standort an der Potsdamer Straße getroffen. Auf dieser Basis starteten die Wettbewerbe (geforderte Ausstellungsfläche hier ebenfalls rund 9.000 qm) sowie die Abstimmungen mit dem Land Berlin und den Anrainern zum B-Plan, der schließlich im Konsens 2018 verabschiedet wurde. Die Interessen der Kirche und des Denkmalschutzes wurden selbstverständlich berücksichtigt.
  • Vergrößerung der Museumsflächen: Schon in der Variantenuntersuchung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, die im Oktober 2012 beauftragt wurde und bei der drei Standorte geprüft wurden (Sigismundstraße, Tiergartenstraße, Potsdamer Straße) ging man von einer Gesamtfläche von 14.000 Quadratmetern und einer Ausstellungsfläche von 9.200 Quadratmetern aus. Diese Quadratmeterzahl wurde in sämtlichen Variantenuntersuchungen und Kostenschätzungen ein ums andere Mal bestätigt. Auch Herzog & de Meuron planen mit 9.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die im Wettbewerbsverfahren ausgelobte Gesamtnutzfläche von knapp 14.700 Quadratmeter enthielt für gewisse Teile der Nutzflächen (z.B. sanitäre Anlagen, Waschräume, Umkleiden, Putzräume, Abstellräume etc.) noch keine in Quadratmetern ausgewiesene Bedarfsplanung, da diese aufgrund der Regelungen der RBBau erst entsprechend den tatsächlichen Notwendigkeiten in der Planung von den Ingenieuren entsprechend vorzusehen sind. In der im aktuellen Entwurf ausgewiesenen Nutzfläche von 15.956 Quadratmetern sind diese geforderten Nutzflächen nun mit konkreten Zahlen berechnet.
  • Steigerung der Kosten: Mit der Kostenberechnung vom September 2019 liegen erstmals fundierte Zahlen für das neue Museum am Kulturforum vor. Die konkrete Berechnung geht von Baukosten in Höhe von 364,2 Mio. Euro für den Neubau aus. Nach Rücksprache mit dem Bundesminister der Finanzen können außerdem 52,2 Mio. Euro für künftige Bau-Indexsteigerungen und 33,8 Mio. Euro Risikokosten hinzugerechnet werden, so dass sich die Gesamtsumme dann auf 450,2 Mio. Euro beliefe.
  • Wie kommt es dazu? Das Kulturforum ist ein städtebaulich herausfordernder und für alle sichtbarer Bauplatz im Herzen der Hauptstadt. Was hier entsteht, wird weltweit wahrgenommen und steht für das kulturelle Selbstverständnis des Landes. Es ist daher richtig, an das Haus höchste Qualitätsansprüche zu stellen. Hierfür sind sehr gute und ausgewählte Materialien, Baukonstruktionen und technische Lösungen erforderlich. Die ausgestellten Werke stellen zusammengerechnet ein Milliardenvermögen dar, überwiegend Eigentum der öffentlichen Hand, das konservatorisch angemessen präsentiert werden muss. Hinzu kommen wertvolle Dauerleihgaben. Das stellt hohe Anforderungen an die Klimatechnik, zumal der Bau ja durch die Durchwegungen morgens und abends auch unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein soll. Der geplante Neubau fällt in eine Zeit, in der die Baupreise hoch sind wie nie zuvor und die aufgeheizte Konjunktur im Baubereich weiter für extreme Preissteigerungen sorgt. Das ist einer der Gründe für die Höhe der Baukosten. Damit kommende Indexsteigerungen aber aufgefangen werden können, wurde die errechnete Preissteigerung von 52,2 Mio. gleich mit kommuniziert. Diese Summe ist allein der Marktentwicklung geschuldet und würde bei jeder anderen öffentlichen oder privaten Baumaßnahme prozentual gesehen in gleicher Höhe anfallen. Die Gründung des Museums ist ein weiterer Kostenfaktor: Da der B-Plan eine Verkleinerung des Grundrisses erforderlich machte (größerer Abstand zur Sigismundstraße und zur Matthäuskirche) musste die verlorene Fläche durch ein größeres Untergeschoss für Technik, Depots und Arbeitsbereiche kompensiert werden. Hinzu kommt eine schwierige Baustelleneinrichtung, da auf dem Grundstück selbst neben der Baugrube kaum Platz ist, um Kräne, Container und Lagerflächen für Baumaterial unterzubringen.
  • Vollendung des Kulturforums: Mit dem Entwurf von Herzog & de Meuron wird die seit Jahrzehnten existierende städtebauliche Brache endlich beseitigt. Mit dem Scharounplatz und den offenen Räumen zwischen Neubau und den Museen am Kulturforum werden verkehrsberuhigte, atmosphärisch schöne Plätze und Orte entstehen.
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