Stiftung Preußischer Kulturbesitz kauft hochkarätige Sammlung ostasiatischer Lackkunst

Pressemitteilung vom 02.12.2008

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat kürzlich die Lack-Sammlung von Klaus F. Naumann für das Museum für Asiatische Kunst angekauft. Sie umfasst 55 hochrangige ostasiatische Lackarbeiten, die eine zentrale Kunstgattung Japans, der Ryūkyū-Inseln und Chinas beispielhaft repräsentieren. Ihren Kern bildet japanische Lackkunst, die mit 49 Arbeiten aus dem 14. bis 19. Jahrhundert besonders stark vertreten ist. Die Objekte eint bei aller Unterschiedlichkeit eine spezifisch japanische Ästhetik, die sich in Prachtentfaltung, verfeinerter Eleganz oder in bewusster Schlichtheit artikuliert.

Mit der Erwerbung wird das Museum zu einer der international herausragenden Institutionen auf diesem Gebiet. So ist zum Beispiel für die vor allem in Zen-Klöstern verwendeten Negoro-Lacke des 16. und 17. Jahrhunderts außerhalb Ostasiens kein vergleichbares Pendant zu finden. Das gleiche gilt für die Lackarbeiten der Ryukyu-Inseln. Die Neuerwerbung schließt zudem eine der großen Lücken, die der Berliner Sammlung durch Kriegszerstörung und die Beutekunstaktion der Roten Armee nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Die neu erworbene Sammlung wird künftig eine der Attraktionen im Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz bilden. Ermöglicht wurde der Ankauf durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und privater Sponsoren.

Die Sammlung befindet sich zum größten Teil schon heute in dem Berliner Museum in Dahlem. Klaus F. Naumann hatte sie dem Museum für Ostasiatische Kunst (heute Museum für Asiatische Kunst) bei dessen Wiedereröffnung im Jahr 2000 als befristete Dauerleihgabe überlassen. Zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Hauses im November 2006 wurde seine Lacksammlung um wichtige Stücke erweitert und unter dem Titel „Eine japanische Leidenschaft – Die Lacke der Sammlung Klaus F. Naumann“ ausgestellt und publiziert. Sie zählt zu den Höhepunkten des Berliner Museums.

Bereits um 1975 hatte Klaus F. Naumann, angeregt von der damaligen Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst Beatrix von Ragué, damit begonnen, vor allem japanische Lackarbeiten zu erwerben. Beim Kauf der Objekte berücksichtigte er die Lücken in der Sammlung des Berliner Museums. Er baute seine Sammlung fast ausschließlich in Japan auf, wo er jahrzehntelang als Händler tätig war. Alle Objekte der Sammlung Naumann haben mit Erlaubnis des Bunkacho, der japanischen Kulturbehörde, das Land verlassen, allerdings vor dem Hintergrund, dass sie in einem Museum als Botschafter der japanischen Kultur dienen.

Die Ostasiatische Kunstsammlung des Museums für Asiatische Kunst wurde am 6. November 1906 gegründet. Ihre zentralen Sammelgebiete sind Malerei und Schreibkunst, Kunstgewerbe, Druckgrafik und Archäologie. Trotz der immensen Verluste durch Kriegszerstörung und die Beutekunstaktion der sowjetischen Armee nach dem Zweiten Weltkrieg (noch heute befinden sich 90 Prozent der Vorkriegssammlung je zur Hälfte in den Sammlungen der Eremitage in St. Petersburg und des Puschkin Museums in Moskau) nimmt sie heute wieder eine führende Rolle unter den Museen dieser Art in Europa ein.

Auch die Lacksammlung des Hauses, vor dem Krieg eine der bedeutendsten Europas, erlitt im Krieg schmerzliche Verluste. In der Forschungstätigkeit des Berliner Museums stellte die Lackkunst schon immer einen Schwerpunkt dar: Dessen erster Direktor Otto Kümmel widmete ihr das Auftaktkapitel seiner grundlegenden Publikation „Das Kunstgewerbe in Japan“ und Beatrix von Ragué (Direktorin von 1967 bis 1985) galt mit ihrem international maßgeblichen Standardwerk „Geschichte der japanischen Lackkunst“ als eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet. Sie erwarb bedeutende chinesische und japanische Lackkunstwerke. Die Mittel reichten zwar nicht aus, um diese Kunstgattung umfassend abzudecken, doch konnte sie Meisterwerke erwerben, die heute den Ruhm der Berliner Sammlung ausmachen, wie etwa die Fußbank in rotem Schnitzlack (Ära Yongle, 1403-1404) und das mit Perlmutt eingelegte kaiserliche Thronensemble (Ära Kangxi, 1662-1722). Durch den Kauf der Lacksammlung Naumann kommt dem Museum für Asiatische Kunst nun wieder eine führende Position auf diesem Gebiet zu.

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