Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt historisches Brettspiel an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück
Pressemitteilung vom 05.12.2015
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat heute ein historisches Tric-Trac-Spiel an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übergeben. Das Stück gehörte zu den Kunstgütern, die kriegsbedingt in die UdSSR verlagert und 1958 an die DDR zurückgegeben wurden. Es gelangte damals irrtümlich an das Ost-Berliner Kunstgewerbemuseum. Schon 2011 wurde der Irrtum aufgeklärt, das Objekt jedoch weiterhin als Leihgabe im Schloss Köpenick ausgestellt. Im Zuge der Vorbereitungen für die künftige Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“ im Dresdner Residenzschloss wurde es nun dorthin zurückgegeben.
Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt: „Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bewahrt unter dem Oberbegriff ‚Fremdbesitz‘ zahlreiche Objekte, die nicht ihr Eigentum sind und deren tatsächliche Eigentümer nicht bekannt sind. Häufig handelt es sich um Kulturgüter, die in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen sind. Ich freue mich, dass nun wieder einmal ein Objekt, dessen Herkunft sich aufgeklärt hat, zu seinem rechtmäßigen Eigentümer zurückkehrt.“
Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nehmen glücklich ein bedeutendes Werk wieder in Empfang, das nach 1945 als Kriegsverlust gelten musste und seither schmerzhaft in Dresden fehlte. Den Berliner Kolleginnen und Kollegen sind wir herzlich dankbar für die schnelle, gewissenhafte Prüfung und Restitution."
Das Brettspiel (Nürnberg, um 1550-1560) ist bis auf die Würfel vollständig erhalten. Es besteht aus einem aufklappbaren Spielbrett für Tric-Trac, der französischen Variante von Backgammon, einem Damespiel auf der Außenseite sowie den zugehörigen 30 Spielsteinen. Auf dem kostbaren, zart gravierten Spielbrett wurden in feinster Hinterglasmalerei kleine Bilder mit Vögeln und stilisierten Blüten auf Arabesken eingefügt. Die Umrisse und Binnenzeichnungen der mit Lackfarben gemalten Motive wurden aus den hinterlegten Folien von Blattgold und Zinn radiert. Als Vorlage dienten Motive des Nürnberger Kupferstechers und Holzschnittmeisters Virgil Solis (1514 – 1562).
Das Spiel stammt aus dem Nachlass der Kurfürstin Sophia von Sachsen und gehörte seit 1622 in die kurfürstlich-sächsische Kunstkammer. 1832 gelangte es in das Königliche Historische Museum (heute: Rüstkammer), wo es die Inv.-Nr. F 15 trug. Seit 1945 galt es als Kriegsverlust. Bei der Rückführung von rund 1,5 Millionen Kulturgütern aus der UdSSR an die DDR in den Jahren 1958/1959 war die Provenienz des Stückes nicht erkennbar und wurde in Berlin mit der Inv.-Nr. O-1974,412 nachinventarisiert. Es wurde später von den Staatlichen Museen als „Fremdbesitz“ verwahrt und schließlich im Rahmen des Provenienzrechercheprojektes "Daphne" der SKD „entdeckt“. Anhand historischer Fotografien von 1883 konnte es in kollegialer Zusammenarbeit des Berliner Kunstgewerbemuseums mit dem Grünen Gewölbe eindeutig zugeordnet werden.
Schon im Jahr 2008 war ein vergleichbarer Fall aufgetreten (Inv. Nr. O-1974.413). Damals gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Spielbrett aus Elfenbein und Bernstein und vier Eistöpfe aus Meissner Porzellan an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück. Im Jahr 2004 hatte die Stiftung dem Freistaat Sachsen eine Amati-Viola zurückgegeben, die ebenfalls in den Kriegswirren abhandengekommen war.
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