Neues Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz erschienen
Pressemitteilung vom 22.12.2006
Der 42. Band des Jahrbuchs stellt die Stiftungsaktivitäten im Jahr 2005 vor, behandelt aber auch Themen, die über einen längeren Zeitraum bestimmend bleiben: So widmet er sich beispielsweise den Verlusten der Stiftung während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche von Trophäenkommissionen der Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkriegs geraubte Schätze der Berliner Museen befinden sich noch immer in Russland. Die interessanten jüngsten Entwicklungen der Beziehungen auf Fachebene und die Vorbereitung gemeinsamer deutsch-russischer Projekte sind hier ebenso aufgezeichnet wie die Rede zu einem Festakt in St. Petersburg, in der die damalige Kulturstaatsministerin Weiss die Sicht der Bundesregierung zum Thema darstellt. Einzelne verschollen geglaubte Werke tauchen immer wieder auch am Markt auf. Die Erfahrungen und Schwierigkeiten bei der Rückgewinnung dieser Werke aus Privathand schildert die Justitiarin der Stiftung. In den Texten wird deutlich, warum die Aufarbeitung der Geschichte weiterhin so wichtig für die Stiftung und ihre Einrichtungen ist.
Der Präsident der Stiftung widmet sich dem zentralen Zukunftsprojekt, dem Humboldt-Forum mit den außereuropäischen Sammlungen am Schlossplatz. Ebenfalls Thema des Jahrbuchs sind die Baufortschritte auf der Museumsinsel: Während für das mittlerweile wiedereröffnete Bode-Museum im Jahr 2005 die Schlüsselübergabe gefeiert wurde, ist für das Pergamonmuseum nun die Entscheidung über seine Neugestaltung gefallen. Der Beitrag des Architekturbüros Ungers stellt die wesentlichen Elemente der Konzeption vor, die unter anderem einen vierten Flügel und die Schaffung eines Hauptrundgangs mit den antiken Architekturexponaten vorsieht. Das alles überragende Ereignis auf der Museumsinsel war 2005 jedoch der Umzug des Ägyptischen Museums von Charlottenburg ins Alte Museum. Sein Direktor stellt im Jahrbuch die veränderte Ausstellungsgestaltung vor, die er als „Versuchsanordnung“ für die endgültige Präsentation der Objekte ab 2009 im Neuen Museum nutzt. Vom Publikum wurden die Veränderungen überaus positiv aufgenommen, wie die Besuchszahlen zeigen.
Grund zur Freude hatten 2005 auch die Einrichtungen am Kulturforum: So konnte das Musikinstrumenten-Museum im Mai die Fertigstellung des neuen Eingangs feiern, der das Haus in Richtung Potsdamer Platz öffnet. Das Ibero-Amerikanische Institut – einzigartige Kombination aus Bibliothek, Wissenschaftszentrum und Veranstaltungsort – beging sein 75-jähriges Jubiläum, ein Anlass, zu dem der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa ein „Loblied auf die Büchertempel“ hielt, nachzulesen im Jahrbuch. Büchertempel ist auch die Staatsbibliothek zu Berlin, mit mehr als 10 Mio. Bände die größte Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Sie ist gleichzeitig moderne Serviceeinrichtung in einer digitalen Welt und Forschungsbibliothek ersten Ranges. Ihr künftiges Nutzungskonzept stellt die Generaldirektorin vor.
Ein historisch-kritischer Beitrag stammt vom Direktor des Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz: Am Beispiel des Films von 1934/35 „Der alte und der junge König“ über die frühen Jahre Friedrichs des Großen zeigt er die nationalsozialistische Vereinnahmung des Preußentums und die Geschichtsklitterung auf.
Bedeutende Ausstellungen, die Eingang ins Jahrbuch fanden: Die Alte Nationalgalerie eröffnete eine Dependance in Dortmund, die „Kleine Nationalgalerie“. Im Rahmen des Metropolenprogramms fanden die Ausstellungen „Deuses Gregos“ mit Exponaten der Antikensammlung in Brasilien und „Lepsius – die deutsche Expedition an den Nil“ in Kairo statt – beide mit großem Zuspruch der Besucher.
Neben den genannten Einzelbeiträgen bieten der Bericht des Präsidenten, die Jahreschronik und die Ausstellungsübersicht einen Überblick über das gesamte Stiftungsjahr 2005.
Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Bd. XLII / 2005. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2006, 416 Seiten, 77 Abbildungen, davon 50 farbig. ISBN 978-3-7861-2536-5, ISSN 0342-0124. Preis € 25.

