„Unter moralischen Gesichtspunkten hätten diese Schädel nie hierhergebracht werden dürfen“

News vom 21.02.2020

Das Ziel: Die Repatriierung der human remains. Hermann Parzinger sprach mit dpa über die Ergebnisse des Projekts zur Erforschung der Herkunft von rund 1200 menschlichen Überresten aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Historische Zeichnungen menschlicher Schädel und Akten
© SPK / photothek.net / Thomas Koehler

Die untersuchten Schädel gehören zu einer Sammlung menschlicher Überreste, die der Mediziner und Anthropologe Felix von Luschan im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert über ein weltumspannendes Sammlernetzwerk zusammengetragen hatte. Die Sammlung wird seit 2011 im Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin verwahrt und wissenschaftlich betreut. Ein Teil von ihr wurde nun untersucht. „Wir haben die Schädel zunächst gereinigt und konservatorisch behandelt. Sie waren davor absolut unangemessen, sogar feucht gelagert, teilweise mit Schimmel befallen. Dann haben wir uns daran gemacht, die Herkunft dieser 1200 Schädel in einem Pilotprojekt aufzuarbeiten mit dem klaren Ziel der Repatriierung, also der Rückgabe“ sagte Parzinger der dpa.

Bei den im Rahmen dieses Projektes aufgearbeiteten Schädeln war zunächst nur klar, dass sie aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika stammen. Erst im Laufe des Projektes konnte geklärt werden, aus welchen Ländern die einzelnen Schädel stammen. „Von den knapp 1200 untersuchten Schädeln sind etwa 900 aus Ruanda, circa 250 aus Tansania und dann noch gut 30 aus Kenia, einige wenige konnten wir nicht zuordnen“ erklärte Parzinger. Häufig ist auch die Zuordnung auf regionaler bzw. lokaler Ebene gelungen.

Der Stiftungsrat der SPK hat Parzinger bereits die Zustimmung für eine mögliche Repatriierung erteilt. Nun geht es um die Abstimmung der nächsten Schritte mit den betroffenen Ländern. Die SPK übergibt zunächst die Berichte über die Forschungen an die jeweiligen Botschaften und erhofft baldige Ergebnisse in der Frage des weiteren Verfahrens.

Die Abschlusspublikation zu dem von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Projekt wird im Laufe des Jahre 2020 vorgelegt. Zur Erforschung der Sammlung arbeiteten die Wissenschaftler mit unterschiedlichsten, weltweit verstreuten Quellen zu dem Bestand, da die Primärdokumentation zur Sammlung größtenteils verloren ist und die alten Inventarlisten mangelhaft waren. Darüber hinaus waren an dem Projekt Wissenschaftler aus Ruanda beteiligt, die etwa die nötigen Feldforschungen durchführten. Aufgrund dieser Zusammenarbeite konnte auch die mündliche Überlieferung vor Ort in die Forschungen miteinbezogen werden.

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