SPK restituiert eine Statuette an die Erben von Charlotte Prybram-Gladona
News vom 23.02.2026
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat die Skulptur eines „Christus an der Säule“ aus der Sammlung des Journalisten und Herausgebers Albin von Prybram-Gladona restituiert. Die Herkunft des Werks war im Rahmen der systematischen Provenienzforschung zu den Erwerbungen der Skulpturensammlung im Zeitraum 1933 bis 1945 entdeckt worden.

Obwohl die aus jüdischen Familien stammenden Eltern Albins von Prybram-Gladona schon vor ihrer Hochzeit zum evangelischen Glauben bzw. zum Katholizismus konvertiert waren, wurde von Prybram-Gladona nach der Machtergreifung aus rassischen und religiösen Gründen verfolgt. 1935 flüchtete er für einige Monate nach Österreich. Als er nach München zurückkehrte, war der Verlag bereits durch den NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlag übernommen, und Albin von Prybram-Gladona hatte seinen Posten und seine Verlagsanteile verloren. Ohne Arbeit konnte er seine Wohnung nicht mehr finanzieren und zog zu seinen Schwiegereltern.
Aufgrund dieser durch die NS-Verfolgung gravierend verschlechterten beruflichen, finanziellen und räumlichen Lebensumstände veräußerte Albin von Prybram-Gladona Teile seiner Kunstsammlung. 1938 konnte er mit seiner Frau Charlotte Margarethe von Prybram-Gladona, geb. Herrmann (1910 - 2002), nach Frankreich emigrieren, wo er jedoch mehrfach interniert und regelmäßig von der Gestapo kontrolliert wurde. Im Juni 1941 wurde beiden die Staatsangehörigkeit entzogen. 1945 kehrte er nach München zurück.
Das um 1700 entstandene Werk „Christus an der Säule“ schickte Albin von Prybram-Gladona im November 1935 an das Bode-Museum, in der Hoffnung, dass dieses die Skulptur erwerben würde. Tatsächlich entschied der Direktor, Theodor Demmler, sie für 400 Mark zu kaufen. Vor dem Hintergrund des Verkaufszeitpunktes und des finanziellen Drucks, unter dem Prybram-Gladona stand, ist der Verkauf als verfolgungsbedingter Vermögensverlust einzuordnen.
Zum Werk
- Christus vor der Geißelsäule; Süddeutschland oder Österreich, frühes 18. Jahrhundert
- Vollrunde Statuette aus einem Stück, nur beide Hände (heute ergänzt) angesetzt. Buchsbaumholz, spätere Teilfassung
- Gesamte H. 53,2 cm, H. der Figur 44,3 cm, die Bodenplatte 10,7 x 7 cm, der Sockel H. 18,8 cm, B. 18,8 cm, T. 17,4 cm.

