Zur Fundgeschichte: Nofretete und Pergamonaltar

News vom 13.01.2023

Sie sind die absoluten Highlights der Museumsinsel und weltbekannt, die Büste der Nofretete und die Rekonstruktion des Pergamonaltars. Beide gelangten auf rechtmäßigem Weg nach Berlin.

Links die Büste der Nofretete, rechts die Präsentation des Pergamonaltars im Pergamonmuseum vor der Schließung
Fotos: Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung / Achim Kleuker; Antikensammlung / Johannes Laurentius

Nofretete

Die Büste der Nofretete wurde 1912 im Rahmen einer von Ägypten genehmigten wissenschaftlichen Ausgrabung in Tell-el-Amarna gefunden. Finanziert vom Berliner Kaufmann und großen Mäzen James Simon, wurde die Grabung der Deutschen Orientgesellschaft von Professor Dr. Borchardt vom Kaiserlichen Deutschen Institut für Ägyptische Altertumskunde geleitet.

Die Vereinbarung mit der ägyptischen Seite sah von Anfang an die damals übliche, hälftige Fundteilung als Gegenleistung für die Finanzierung vor. Um sicherzustellen, dass beide Parteien gleichwertige Anteile der Grabungsfunde erhalten, war vorab vereinbart worden, dass das Archäologenteam den Fund unter genauer Auflistung der Objekte in gleichwertige Lose teilt. Als Vertreter der ägyptischen Regierung wählte der ägyptische Antikendienst seine Hälfte aus; die andere Hälfte ging in der Folgezeit nach Berlin. Von den herausragenden Fundstücken – so auch von der Büste der Nofretete – lagen Fotografien vor, die die Schönheit und Qualität der Objekte eindeutig wiedergaben. Zudem standen die geöffneten Kisten zur Begutachtung der Objekte bereit. Von einer Täuschung bei der Teilung kann daher keine Rede sein. Die Dokumente belegen eindeutig, dass Nofretete im Zuge der Fundteilung rechtmäßig der Berliner Seite zugesprochen wurde.

Als alleinigem Finanzier der Ausgrabung gingen die Objekte der Amarna-Fundteilung rechtmäßig in den Besitz von James Simon über. Anfangs bewahrte James Simon die Büste der Nofretete in seiner Villa in der Tiergartenstraße auf. Im Jahr 1920 schenkte er die Büste und alle Funde der Grabung den Berliner Museen. Heute ist sie als Teil der ägyptischen Sammlung im Neuen Museum auf der Museumsinsel ausgestellt.

Pergamonaltar

In den 1860er Jahren wurde Carl Humann, der in der Region als Straßenbauingenieur arbeitete, auf die Ruinen der antiken Stadt Pergamon im Nordwesten der heutigen Türkei aufmerksam. Vor Ort sah er, dass Marmorfragmente von der lokalen Bevölkerung in Kalköfen verbrannt wurden. Der Pergamonaltar war bereits in frühbyzantinischer Zeit (7./8. Jh.) zerlegt, die Platten seiner zwei Relieffriese in einer Befestigungsmauer als Spolien verbaut worden. Humann schickte einige dieser Reliefs nach Berlin, wo sie als Teile des aus schriftlichen Quellen bekannten Pergamonaltars erkannt wurden. Nicht zuletzt rettete er sie damit auch vor den Kalkbrennern. Erst im Zuge der 1878 beginnenden Ausgrabung konnte er das Fundament des Altars wiederfinden, welches auf der Akropolis von Pergamon verblieb.

In Berlin wurden die Reliefplatten und die wenigen erhaltenen Architekturteile erstmals wieder zu einem Monument zusammengesetzt und den Besuchern zugänglich gemacht. Zunächst im ersten, noch provisorischen Pergamonmuseum von 1901 bis 1907, später dann im eigentlichen, 1930 eröffneten Pergamonmuseum auf der Museumsinsel, in dem sich der Altar bis heute befindet. Die weltbekannte rekonstruierte Westfront des Altars mit der großen Freitreppe und den Säulenhallen besteht im Übrigen zu weit mehr als 80 % aus modern ergänzten Teilen: Nur wenige Architekturteile (weniger als ein halbes Dutzend Säulen mit Kapitellen, Gesimse, Stufen) sowie die beiden Relieffriese sind original, der Rest besteht aus rekonstruierten Elementen aus portugiesischem Marmor, Kunststein und Gips.

Sowohl die Grabungen als auch die Fundteilungen fanden mit Genehmigung des Osmanischen Reichs statt – inklusive einer nachträglichen Legalisierung der noch vor Grabungsbeginn nach Berlin verschickten Teile des Frieses. Dies wird durch Dokumente zu den Grabungskampagnen der Jahre 1878 – 1886 und zur Fundteilung detailliert belegt. Sie sind deutschen und türkischen Experten bekannt und wurden in mehreren Ausstellungen, so auch 2011/12 im Pergamonmuseum, einer breiteren Öffentlichkeit bekanntgemacht.

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