Forschungscampus Dahlem nimmt Gestalt an

16.11.2022Forschungscampus Dahlem nimmt Gestalt an

Sieben Einrichtungen aus dem Kosmos der SPK haben sich zum Forschungscampus Dahlem (FCD) zusammengeschlossen. Anfang Oktober öffnete der neu entstehende Forschungscampus erstmals seine Türen für das Publikum. Patricia Rahemipour, Direktorin des Instituts für Museumsforschung und Alexis von Poser, stellvertretender Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst über Gegenwart, Partizipation und die zukünftige Entwicklung des FCD.

Das Gespräch führte Stefan Müchler

Auf Steinboden sind mit Klebeband die Worte "Your Turn" geklebt
Wie sollte der Forschungscampus Dahlem Ihrer Meinung nach aussehen? Am Grundriss konnte am Aktionstag jeder*r selbst mitgestalten. © SPK/photothek.de/Thomas Trutschel

Was werden die Besucherinnen und Besucher des Forschungscampus Dahlem in den nächsten Jahren erleben und erfahren können?

Alexis von Poser: Vor allem können die Besucher*innen Forschung live erleben und daran teilhaben, wenn gewünscht. Wir wollen den Maschinenraum der SPK für Interessierte öffnen und sie zu gezielten Veranstaltungen einladen. Etwas konkreter heißt das, dass wir derzeit an einer Ausstellungswerkstatt zum Thema Zeit arbeiten. Wir wollen ab dem kommenden Jahr den Ort zweimal pro Monat für das Publikum öffnen und sie einladen, den Forschungscampus auch ganz aktiv mitzugestalten. Es gibt zahlreiche bereits laufenden Projekte wie die „Southern Theory Lecture“, die einmal jährlich stattfindet und gemeinsam mit Kolleg*innen von der Sozial- und Kulturanthropologie der FU Berlin und dem Leibniz-Zentrum Moderner Orient konzipiert wurde. Oder etwa die Kooperation mit dem Fachbereich Bauplanung der TU Berlin der mit einem Projekt zur Architektur des Ortes bereits wesentliche Impulse eingebracht hat. Zukünftig ist in Kooperation mit der Freien Universität ein Graduiertenkolleg geplant und wir haben gerade gemeinsam mit Partner*innen der FU einen Einsteinzirkel beantragt, der ebenfalls mit dem Forschungscampus verbunden ist.

Eine Frau spricht in ein Mikrofon, neben ihr steht ein Mann
Patricia Rahemipour (li.) berichtete am Aktionstag, was Besucher*innen des Forschungscampus Dahlem in den nächsten Jahren erleben und erfahren können. © SPK/photothek.de/Thomas Trutschel

Patricia Rahemipour: Dies sind nur ein paar Projekte, die jetzt schon klar sind. Wir sind außerdem sehr zuversichtlich, dass durch die gewonnene Öffentlichkeit zukünftig auch noch weitere Ideen für den FC Dahlem entstehen. Hierbei steht eine multiperspektivische Herangehensweise an Sammlungen in all ihrer Breite im Zentrum: Objekte, Fotos und Filme, Tonaufnahmen und sogar historische Erwerbungsakten sind aus Sicht unterschiedlicher Disziplinen und unterschiedlicher Expert*innen aus Herkunftsregionen Teil der neuen Erfahrungswelt am Ort. Als strategischem Partner gleich von Anfang an wird auch weiterhin der FU Berlin die besondere Position zukommen, in vielen wissenschaftlichen Bereichen einbezogen zu sein.

Die Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften hat in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung erlangt. In Zukunft sollen verstärkt Residencies hinzukommen. Werde diese hauptsächlich in Dahlem angedockt sein?

Patricia Rahemipour: Das Charmante am Forschungscampus sind ja die unterschiedlichen Zugänge. Wir haben Projekte, die „reine“ FC Dahlem Projekte sind. Sie sind entstanden durch die gezielt angeregte Forschung mehrerer Einrichtungen, auch um den Forschungscampus als solchen weiter zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es natürlich viele Projekte der sieben Partner im Lenkungsausschuss, die im Forschungscampus stattfinden. Dazu gehören eine Reihe von Projekten des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die ja schon lange in unterschiedlichen Konstellationen mit Vertreter*innen aus Herkunftsgesellschaften zusammenarbeiten.

Alexis von Poser: Ganz neu ist die Idee des „kollaborativen Museums“. Da die meisten Residencies einen Bezug zu den unterschiedlichen Sammlungen aus aller Welt haben, werden sie tatsächlich einen großen Schwerpunkt in Dahlem haben. Wir werden aus den unterschiedlichsten Regionen Gäste begrüßen, die vielfältige Expertisen und Hintergründe mitbringen. Kunsthistoriker*innen und Kolleg*innen aus anderen Museen und von Universitäten ebenso wie Musiker*innen, Künstler*innen, Handwerker*innen und kulturelle Wissensträger*innen aller Art. Hierfür schaffen wir derzeit eine neue Infrastruktur, die wir zunächst einmal als Projekt ausprobieren, bevor wir versuchen dies zukünftig in der richtigen Form zu verstetigen.

Die Ausstellungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst sind im Humboldt Forum jetzt vollständig eröffnet, während Depots, Werkstätten und Fachbibliotheken in Dahlem verbleiben. Wie kann man sich die Arbeitsteilung dieser beiden Standorte vorstellen?

Alexis von Poser: Für diese beiden Player, die ja nicht die einzigen im FCD sind, ist tatsächlich Dahlem eine Forschungsstation, deren Ergebnisse dann im Humboldt Forum zu sehen sein können, nicht notwendigerweise aber immer dort gezeigt werden müssen. Zudem bereichern natürlich die anderen Player mit ihren Expertisen und Möglichkeiten den Campus, so dass auch der Prozess der Wissensproduktion zum spannenden Erlebnis wird, was nicht in Berlins Mitte zu sehen sein wird.

Der Forschungscampus Dahlem nennt sich auch „FC Dahlem“. Ist damit auch ein spielerischer Ansatz in Wissensproduktion und Wissensvermittlung gemeint?

Patricia Rahemipour: Uns geht es in erster Linie darum, Dinge auszuprobieren, die vielleicht für die SPK neu sind. Und hier ist man mal Sieger oder auch mal Verlierer. Wichtiger ist uns der Teamcharakter, der in diesem Begriff steckt. Das Gemeinsame, das Übergreifende und Verbindende. Wenn wir das herstellen können, dann hat der FC Dahlem auf jeden Fall gewonnen. Wenn es als spielerischer Ansatz verstanden wird, kann das aber auch helfen allen Interessierten den Zugang zu erleichtern und die Scheu zu nehmen, selbst zum Wirken beizutragen.

Ein Mann spricht mit zwei Frauen
Alexis von Poser (re.) tauschte sich Aktionstag in Dahlem mit den Besucher*innen aus. © SPK/photothek.de/Thomas Trutschel

Wie kann man Teil des Teams des FC Dahlem werden?

Patricia Rahemipour: Der FC Dahlem versteht sich als offenes Konzept, das in die Gesellschaft wirken möchte, aber vor allem mit ihr gemeinsam aktiv sein möchte. Daher ist jeder eingeladen, Teil des Teams zu werden. Wir fördern bewusst ganz unterschiedlich Wissensformen. Man muss also nicht viel machen, sondern kann sich jederzeit engagieren und es ist nicht mehr zu tun als die Emailadresse anzugeben und mit uns in einen Austausch zu treten. Die Formate sind dabei sehr unterschiedlich und jeder hat die Möglichkeit zu schauen, was am besten passt.

Wo sehen Sie den FC Dahlem in fünf Jahren?

Patricia Rahemipour: Für uns ist der berühmte Weg das Ziel. Im Prinzip sind wir also schon genau dort, wo wir sein wollen: Unterwegs. Daher ist es auch schwierig vorauszusehen, wo wir in fünf Jahren stehen. Vielleicht nur so viel. Es wäre toll, wenn wir bis dahin mit dem FC Dahlem einen Ort für Forschung und Zusammenarbeit etabliert haben, der neue Formate und ungewöhnliche Einblicke ermöglicht. Und wenn bis dahin klar ist, wie das Ganze auch baulich unterfüttert würde, wäre das natürlich ein Traum.

Alexis von Poser: Eine Vision, die uns vorschwebt, ist ein aktives Netzwerk von Beziehungen in Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Universitäten, Stadtgesellschaft – und in aller Welt, dessen Wirken von vielen Interessierten verfolgt und mitgestaltet wird.

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