Praxistest Vermittlung: Familienführung durch Philharmonie und Musikinstrumenten-Museum

14.03.2022Praxistest Vermittlung: Familienführung durch Philharmonie und Musikinstrumenten-Museum

Wie erklärt man Kindern, was ein Orchester macht? Wie bringt man ihnen Musikinstrumente aus fünf Jahrhunderten näher? Und was hat das alles mit Schiffen und Meer zu tun? Wir haben die erste Familienführung durch die Philharmonie Berlin und das Musikinstrumenten-Museum getestet

Von Elena Then

Blick in einen Konzertsaal, im Vordergrund Hinterköpfe von Personen
Großer Saal der Philharmonie © Dora Csala

An diesem kalten und grauen Sonntag im März versammeln sich vor der Philharmonie mehrere Familien für eine Klangreise durch die Philharmonie Berlin und das Musikinstrumenten-Museum (Staatliches Institut für Musikforschung). Unter dem Motto „Voller Klang voraus!“ findet erstmals eine Familienführung statt, die das Education-Programm der Berliner Philharmoniker und der Bereich Bildung und Vermittlung des Musikinstrumenten-Museums gemeinsam anbieten.

Durch den Eingang Potsdamer Straße geht es hinein. Rund 15 Kinder sind mit ihren Eltern, Tanten und Großeltern gekommen, um die beiden Häuser am Kulturforum, die sowohl musikalisch als auch architektonisch viele Gemeinsamkeiten haben, kennenzulernen. Zuallererst wird jedes Kind begrüßt und bekommt ein Namensschild.

Die Führung ist interaktiv gestaltet. Bevor es losgeht, wird erst einmal abgefragt, welches der Kinder selbst ein Musikinstrument spielt – fast alle Hände gehen hoch: Schlagzeug, Klavier, Geige werden genannt, einige Kinder spielen sogar mehrere.

Ein Mann zeigt Kindern ein Instrument
Vorführung während der Familienführung „Voller Klang voraus!“ © Katja Frei

Familienführungen durch die Philharmonie und das Musikinstrumenten-Museum

Informationen zu kommenden Führungen finden sich auf der Website der Berliner Philharmoniker und können dort gebucht werden.

Der Fokus der Führung liegt auf den maritimen Architektur-Elementen der beiden Häuser. Bei der Tour wird immer wieder Halt gemacht: „Was erinnert euch hier an ein Schiff?“. Es sind die Fenster, die wie Bullaugen aussehen, die Geländer, die an eine Reling erinnern. Der Architekt der Philharmonie, der gebürtige Bremerhavener Hans Scharoun, hat nicht nur musikalische Details in die Philharmonie eingebaut, sondern auch viele maritime Elemente. Diese hat Scharouns Schüler Edgar Wisniewski später auch für das Musikinstrumenten-Museum übernommen.

Plötzlich sind Wellen zu hören, es geht eine Treppe nach oben. Dort wartet einer der Stipendiaten der Karajan-Akademie auf uns. Er berichtet von seinem Beruf, führt Instrumente vor und erzählt, wie es ist, als Schlagzeuger in einem Orchester zu spielen. Unser Guide Katrin Schindlbeck leitet das Gespräch, aber auch die Kinder werden immer wieder aktiv mit einbezogen. Aus einer großen Kiste werden Rasseln und andere Instrumente an die Kinder und Erwachsenen verteilt und so entsteht unter Anleitung des Musikers gemeinsam ein Rhythmus.

Auf dem Weg zum Konzertsaal erklärt die Musikvermittlerin, dass Scharoun wollte, dass alles im Haus aussieht wie ein Schiff; selbst die Aufzüge und Informationstafeln richten sich farblich nach Steuer- und Backbord. Nach einem Blick in den Großen Saal, in dem gerade ein Chor probt, geht es wieder nach unten. Im Kreis auf dem Boden dürfen die Kinder raten, welche Instrumente in einem Orchester normalerweise gespielt werden – für die musikaffinen Teilnehmer*innen kein Problem. Zum Abschluss von Teil eins der Führung singen alle gemeinsam ein Piratenlied.

Dann geht es weiter zu Teil zwei: Nicht etwa über das Kulturforum oder die Straße, sondern durch einen geheimen Verbindungsgang gelangt die Gruppe direkt ins Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung. Die erste Mitmachstation ist die sogenannte Wasser-Orgel, bei der die Kinder mit Hilfe von Luftdruck und Wasser eine „Schiffshupe“ erzeugen. Auch hier wird auf die Ähnlichkeiten des Gebäudes mit einem Schiff hingewiesen; wir sehen dieselben runden „Bullaugen“-Fenster und Reling-Geländer wie in der Philharmonie. „Ein Schiff voller Schätze“, so nennt es Guide Johanne Braun.

Der erste Schatz, den sie vorstellt, ist das „Wurstfagott“, das seinen Namen aufgrund des gedrehten Rohres im Inneren trägt. Danach spielt Braun ihre Oboe – das kleine Museum wird erfüllt von Musik, auch alle anderen Besucher*innen halten inne und lauschen. Nach einer weiteren Mitmachaktion für die Kinder startet der Rundgang zu den historischen Instrumenten der Ausstellung. Von einer Querflöte aus Walrosszahn, die dem König und Flötisten Friedrich von Preußen gehört hat, geht es zu seinem Reisecembalo und einer Äols-Harfe. Diese, auch Geister-, Wind- oder Wetterharfe genannt, wird ganz ohne menschliches Zutun alleine durch den Luftstrom zum Klingen gebracht. Eine Audioaufnahme soll dies für die Kinder anschaulich machen, als jedoch die Technik streikt, springt einer der anderen Museumsbesucher ein und sponsert seinen Audioguide.

View into a museum with musical instruments
Musikinstrumenten-Museum, Staatliches Institut für Musikforschung © SPK / Elena Then
Eine Frau spielt eine Kinoorgel in einem Museum
Vorführung der „Mighty Wurlitzer“ © SPK / Elena Then

Immer wieder wird der Bezug zur Schiffs-Architektur durch die mit Wasser und Wind betriebenen Instrumente, beispielsweise eine mit Blasebalg betriebene Orgel, hergestellt. Das fulminante Finale im Musikinstrumenten-Museum ist dann die größte Kinoorgel Europas, die „Mighty Wurlitzer“, auf der der Soundtrack der „Fluch der Karibik“-Filmreihe ertönt – ganz im Sinne des Führungsmottos „Voller Klang voraus!“

Zum Abschluss erhält jedes Kind eine Überraschungstüte mit Entdeckerheft und – zur Freude der Eltern – Schlagzeugsticks zum Üben zu Hause.

Die Führung macht deutlich, dass die Philharmonie Berlin und das Musikinstrumenten-Museum mehr verbindet als die direkte Nachbarschaft und ist eine ganz besondere Erfahrung, die nicht nur für kleine Musikentdecker*innen Überraschungen bereithält.

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