Porträt der Stipendiatin Dr. Aleksandra Girsztowt

24.08.2021Von Polen bis Preußen: Porträt der Stipendiatin Dr. Aleksandra Girsztowt

Die polnische Historikerin Dr. Aleksandra Girsztowt absolvierte ein vierwöchiges Stipendium im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Von Ingrid Männl

Porträt einer Frau im Freien.
Stipendiatin Dr. Aleksandra Girsztowt. © GStA PK / Christine Ziegler

Die Freude war groß, als die polnische Historikerin Dr. Aleksandra Girsztowt im April 2020 die Nachricht über ein vierwöchiges Stipendium im Geheimen Staatsarchiv erhielt. Doch die Corona-Pandemie machte ihre Reisepläne von Danzig, wo sie an der Universität arbeitet, nach Berlin vorerst zunichte. Erst im Juli 2021 konnte sie zu einem Forschungsaufenthalt in das Geheime Staatsarchiv kommen. Die Zwischenzeit wusste Frau Dr. Girsztowt gut zu nutzen für das Studium von Literatur und für die Online-Recherche nach Archivbeständen zu ihrer Habilitationsschrift, die sie im Jahr zuvor gerade erst begonnen hatte.

Ihr Thema sind die neumärkischen Städte in der Zeit der Herrschaft des Deutschen Ordens. Das jenseits der Oder gelegene und als Neumark bezeichnete Gebiet der Mark Brandenburg, das heute zu Polen gehört, war von 1402 bis 1454/55 Teil des Deutschordensstaates. Die Städte in der Neumark wurden teils vom Landesherrn, dem Markgrafen von Brandenburg, und teils von Adeligen gegründet. Durch ihre Vertretung auf den neumärkischen Landtagen hatten sie bereits ein politisches Mitspracherecht erlangt. Auch waren sie militärisch insofern von Bedeutung, als sie Kontingente für das Heer des Landesherrn stellten. Demgegenüber blieben die Städte in Preußen weitaus stärker vom Landesherrn abhängig. Das Ziel von Frau Dr. Girsztowt ist es, die Städte in der Neumark und in Preußen vergleichend zu untersuchen. Ihre Studie soll zeigen, inwieweit es dem Deutschen Orden gelang, in diesen beiden Teilen seines Herrschaftsgebiets eine einheitliche Politik gegenüber den Städten zu betreiben.

Für Frau Dr. Girsztowt war es nicht der erste Forschungsaufenthalt im Geheimen Staatsarchiv. Sie hatte die hier aufbewahrten Bestände aus dem Archiv des Deutschen Ordens in Preußen bereits für ihre Dissertation über das mittelalterliche Handwerk in der Stadt Marienburg und für ein anschließendes Forschungsprojekt mit Prof. Wiestaw Długokęcki über die Amtsträger der Stadt Marienburg benutzt und dabei ihre Bedeutung für künftige Forschungen zum späten Mittelalter schätzen gelernt.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz ist zuständig für die Überlieferung aus den zentralen Behörden und Einrichtungen Brandenburg-Preußens sowie für die Archivierung von Unterlagen aus den Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Als früheres Zentralarchiv des brandenburg-preußischen Staates gehört es seit 1963 zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz vergibt jährlich Stipendien für ein- bis dreimonatige Forschungsaufenthalte in Berlin. Die Stipendien sollen insbesondere ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, mit den Beständen des Geheimen Staatsarchivs PK innovative Forschungsprojekte zu realisieren.

Bei ihrem jetzigen Forschungsaufenthalt konzentrierte sie sich auf die Quellen zum Mühlenmonopol, das der Deutsche Orden fast ausnahmslos über die landesherrlichen Städte in der Neumark erlangen konnte und worüber sie bereits eine kleine Publikation plant. Darüber hinaus hat sie zu weiteren Aspekten ihres Habilitationsthemas Quellen gesammelt. Gerne würde Frau Dr. Girsztowt ihre begonnenen Recherchen im Geheimen Staatsarchiv im nächsten Jahr fortsetzten. Sie beabsichtigt, sich um ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes zu bemühen. Willkommen wäre ihr, wenn sie dafür Herrn Dr. Christian Gahlbeck, mit dem sie bereits während ihres Forschungsaufenthalts im Geheimen Staatsarchiv Kontakt aufgenommen hat, als Betreuer gewinnen könnte. Herr Dr. Gahlbeck arbeitet im Geheimen Staatsarchiv an der Edition des 7. Bandes des preußischen Urkundenbuchs (1372-1382) und gilt durch seine Forschungen als ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Neumark im späten Mittelalter.

Bei der Lektüre der Archivalien machte Frau Dr. Girsztowt noch eine ganz besondere Entdeckung. Per Zufall stieß sie im Ordensfoliant Nr. 105 auf zwei Namensträger ihrer eigenen Familie. Ihre direkten Vorfahren stammen aus Kaunas in Litauen. In der Quelle werden zwei Personen namens Girsztowt aus Tapiau genannt, denen der Deutsche Orden im Jahr 1355 Land zur Bewirtschaftung gab. Durch diesen Quellenfund hat der Forschungsaufenthalt von Frau Dr. Girsztowt im Geheimen Staatsarchiv zusätzlich auch eine ganz persönliche Note erhalten.

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