Bestandserhaltung im Fokus der Filmkamera

30.04.2021Bestandserhaltung im Fokus der Filmkamera

Wo derzeit reale Begegnungen und Lehrveranstaltungen nicht möglich sind, hilft eine Filmkamera weiter. Im Geheimen Staatsarchiv werden in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam kurze Lehrfilme zu verschiedenen Aspekten der Bestandserhaltung gedreht.

Von Ingrid Kohl und Sabine Stropp

Drei Personen filmen etwas.
Im Geheimen Staatsarchiv werden in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam kurze Lehrfilme zu verschiedenen Aspekten der Bestandserhaltung gedreht. © GStA PK / Vinia Rutkowski

Normalerweise kommen die Studierenden des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, um hier das bereits erlernte theoretische Wissen zum Thema Bestandserhaltung praxisnah und an zahlreichen Beispielen vertiefen zu können. In Begleitung ihrer Dozentin Sabine Stropp von der Fachhochschule Potsdam gehen sie mit der Leiterin des Referats Bestandserhaltung im Geheimen Staatsarchiv Ingrid Kohl in die Magazine des Archivs in Dahlem und im Westhafen sowie in die Werkstattbereiche der Konservierung und Restaurierung. Dort erfahren sie in Gesprächen, welches die wichtigsten Ziele bei der Erhaltung und Bewahrung der wertvollen Bestände des Geheimen Staatsarchivs sind, und sie können vor Ort sehen, wie diese umgesetzt werden.

Nicht so in diesem Jahr! Natürlich nicht, denn die Pandemie macht auch eine Exkursion der Studierenden unmöglich. Damit diese dennoch nicht auf Beispiele und wertvolle Erfahrungen aus der Praxis verzichten müssen, werden kurze Lehrfilme zu verschiedenen Aspekten der Bestandserhaltung gedreht. Das Geheime Staatsarchiv und der Studiengang Archiv an der Fachhochschule Potsdam haben einen Kooperationsvertrag geschlossen mit dem Ziel, gemeinsam eine Filmreihe zu den Themen der aktiven und passiven Bestandserhaltung zu produzieren. Im Fokus stehen der Kulturgutschutz und die damit verbundenen Maßnahmen der Bestandserhaltung. Das Projekt ist Teil der digitalen Lehre auf dem Gebiet der präventiven und aktiven Konservierung, insbesondere von Archiv- und Bibliotheksgut. Die Filmreihe soll daneben die Fachhochschule Potsdam als interessanten Studienort präsentieren und die Bedeutung des Geheimen Staatsarchivs als Hüterin des schriftlichen kulturellen Erbes innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hervorheben. Die Bandbreite der Bestandserhaltungsmaßnahmen, die zur dauerhaften Erhaltung des Kulturguts erforderlich sind, werden auszugsweise vorgestellt.

Geplant sind zunächst sechs Filme, von denen der erste eine Einführung in die Bestände des Geheimen Staatsarchivs geben wird. Die folgenden fünf Filme sollen zeigen, was präventive Maßnahmen sind, welche baulichen Aspekte zu einer geeigneten Lagerung von Archivgut beitragen und wie wichtig die Verpackung von Archivgut ist. Der Filmemacher Ole Thomas setzt zum einen die einzigartigen Dokumente des Archivs in Szene und zum anderen lässt er Personen zu Wort kommen, die für den dauerhaften Erhalt der Bestände verantwortlich sind. Und schließlich können die Studierenden durch eine geschickte Kameraführung das Gefühl erhalten, den Restauratorinnen trotz der Entfernung über die Schulter zu schauen.

Bisher wurden an drei Drehtagen zahlreiche Einstellungen und Situationen im Geheimen Staatsarchiv und der Fachhochschule Potsdam eingefangen. Ole Thomas arbeitete dabei mit einer großen Bandbreite an Kamera- und Aufnahmetechnik. Unter anderem kam das sogenannte „Schnorchel-Objektiv“ (ein Weitwinkel-Makroobjektiv) zum Einsatz, welches hervorragende Nahaufnahmen der Archivalien ermöglicht. So kann vor allem die Materialität des im Geheimen Staatsarchiv aufbewahrten Schriftguts erlebbar gemacht werden. Eine andere Technik, die verwendet wurde, war der sogenannte Top Shot – eine extreme Form der Vogelperspektive. Dabei wird die Kamera an einem Gerüst (dem Top Shot Rig) oberhalb der Szene befestigt und erlaubt so den direkten Blick auf das Geschehen.

Eine Person betrachtet Fotos an einem Tisch durch ein Objektiv.
Unter anderem kam das sogenannte „Schnorchel-Objektiv“ (ein Weitwinkel-Makroobjektiv) zum Einsatz. © GStA PK / Christine Ziegler
Eine Person fotografiert eine andere, die ein historisches begutachtet.
Kombiniert mit Aufnahmen der Handkamera wirken so zum Beispiel die Restaurierungsmaßnahmen, die die Restauratorin Heike Sommerfeld ausführt, wie ein direkter Einblick in das Geschehen der Restaurierungswerkstatt des Geheimen Staatsarchivs. © GStA PK / Vinia Rutkowski

Kombiniert mit Aufnahmen der Handkamera wirken so zum Beispiel die Restaurierungsmaßnahmen, die die Restauratorin Heike Sommerfeld ausführt, wie ein direkter Einblick in das Geschehen der Restaurierungswerkstatt des Geheimen Staatsarchivs.

Eben solche Aufnahmen machte Ole Thomas bei der von Dagmar Jankewitz gezeigten Montage von Pergamenturkunden.

Eine Frau bearbeitet an einem Tisch ein historisches Dokument und wird dabei von zwei Personen fotografiert.
Eben solche Aufnahmen machte Ole Thomas bei der von Dagmar Jankewitz gezeigten Montage von Pergamenturkunden. © GStA PK / Vinia Rutkowski

Am Drehort Westhafen kam unter anderem eine rotierende Kamera zum Einsatz, mit der die Vielfalt der Archivaliengattungen in Szene gesetzt wurde. Um quasi schwebend durch die Magazingänge wandeln zu können, wurde außerdem als Kamerastabilisierung eine kardanische Kameraaufhängung („Gimbal“) verwendet, die bewegungsimanente Erschütterungen ausgleichen kann.

Zwei Personen begutachten historische Schriften an einem großen Tisch.
Am Drehort Westhafen kam unter anderem eine rotierende Kamera zum Einsatz, mit der die Vielfalt der Archivaliengattungen in Szene gesetzt wurde. © GStA PK / Vinia Rutkowski
Ole Thomas filmte den Prozess der Trockenreinigung. © GStA PK / Vinia Rutkowski

Bei den Aufnahmen des von Jacqueline Baatz präsentierten Prozesses der Trockenreinigung filmte Ole Thomas hingegen aus der Hand und gleichzeitig mit einem Kamera-Stativ-Aufbau. Die unterschiedlichen Kameraperspektiven erlauben später im Schnitt eine gute Motivauswahl und somit ein harmonisches und abwechslungsreiches Zusammenspiel der Bilder.

Aus der großen Menge an Bildern, Informationen und Sprechertexten entstehen in den nächsten Wochen sechs kurze Filme, die auch auf den Websiten des Geheimen Staatsarchivs und der Fachhochschule Potsdam eingestellt werden.

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