Junge Leute mit alten Sachen begeistern

10.06.2018Junge Leute mit alten Sachen begeistern

Wie kann man das kulturelle Erbe und dessen Bedeutung an die nächste Generation nahe bringen und so lebendig erhalten? Ein Überblick über die Vermittlungsprojekte der SPK-Einrichtungen.

Lab Bode 2017
Lab Bode 2017 © Staatliche Museen zu Berlin / Nina Hansch

Geschichte to go: Der „Archivkoffer“ des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz

Seit September 2017 bringt der „Archivkoffer“ des Geheimen Staatsarchivs (GStA PK) preußische Geschichte zum Anfassen direkt in Berliner Klassenzimmer und legt so einen Grundstein für kritische Quellenarbeit. Gemäß seinem Leitsatz „Archivgut bewahren – Geschichte erforschen“ hat das GStA PK für seine kulturelle Bildungsarbeit einen „Archivkoffer“ mit originalgetreuen Nachbildungen von Urkunden, Siegeln, Karten und vielem mehr erstellt. Dargestellt werden Objekte aus 800 Jahren (brandenburg-)preußischer Geschichte. Die Sammlung umfasst historische Epochen vom Dreißigjährigen Krieg über die Revolution 1848 und die Industrialisierung bis zum 1. Weltkrieg. Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe acht erhalten so neue Zugänge zu historischen Meilensteinen. Gleichzeitig lernen sie den Umgang mit Quellen und Archivalien und deren Bedeutung für die Geschichtsforschung kennen. Sie können so auf aktive Art und Weise eigenständige und kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einüben. Interessierte Lehrer und Referendare können ein Exemplar inklusive pädagogischem Begleitmaterial kostenfrei im GStA PK entleihen. 

Geschichte to go: Der Archivkoffer des GStA
Geschichte to go: Der Archivkoffer des GStA © GStA / Vinia Rutkowski
Connections
Connections © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

„Connections“: Rauf auf die Insel!

Unter dem Titel „Connections“ startete im Juni 2017 ein großes Vermittlungsprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin auf der Museumsinsel, das bereits im Vorfeld der Eröffnung des Humboldt Forums Perspektiven für das zukünftige Zusammenspiel mit der neuen Institution erprobt. Die für das Humboldt Forum wesentlichen Leitgedanken zu Multiperspektivität, Vielstimmigkeit, Gegenwärtigkeit und Publikumsorientierung stehen besonders im Fokus der Veranstaltungen. Von Mitte Juni bis Mitte September richteten sich drei Aktionstage, ein Sommercamp sowie die siebenteilige Reihe „Kolonnaden Bar“ an diverse Nutzergruppen. Ziel ist es, neben der Perspektive auf das Humboldt Forum auch der Vorstellung, die Museumsinsel sei vornehmlich für ein touristisches Publikum interessant, mit einer einladenden Geste zu begegnen. Berlinerinnen und Berliner, Zugezogene, Schülerinnen und Schüler sowie Kinder und Familien konnten die Museumsinsel während der Sommermonate als lebhaften Nachbarn erfahren. Die im Rahmen von „Connections“ erprobten Formate zeichneten sich durch institutionsübergreifende Fragestellungen sowie eine hohe Sichtbarkeit im öffentlichen Raum der Museumsinsel aus. Zentrum aller Aktivitäten war der Kolonnadenhof. Das vom Kuratorium Preußischer Kulturbesitz unterstützte Projekt wird 2018 fortgeführt.

Direktzugang zu einem fantastischen Romantiker: Das E.T.A. Hoffmann Portal

Ernst Theodor August Hoffmann war ein Tausendsassa: er komponierte und musizierte leidenschaftlich, zeichnete, war Jurist – und überschritt mit seinen vielschichtigen Werken wie „Die Serapionsbrüder“ oder „Der Sandmann“ die Nahtstelle zwischen traditionellem und modernem Erzählen. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat mit dem E.T.A. Hoffmann Portal eine digitale Möglichkeit geschaffen, in den Wissenskosmos des fantastischen Romantikers einzutauchen.

Die beiden Säulen des Portals sind die Sammlung digitalisierter Quellen (Hoffmann digital) und die datenbankübergreifende Literatursuche (Hoffmann Suche). Seit dem Launch Ende 2016 wurde das Portal um zahlreiche Inhalte und Funktionselemente erweitert: So können die Nutzerinnen und Nutzer in einem Transkriptionsquiz die Handschrift Hoffmanns lesen lernen oder bei einem virtuellen Stadtrundgang durch Bamberg einen seiner Hauptwirkungsorte erkunden und prägende Lebensereignisse nachvollziehen. Das Portal bringt den Interessierten beispielsweise die Illustrationsgeschichte oder Bedeutung der Berliner literarischen Salons näher. Bis zum Projektende im Dezember 2019 werden etwa 2.000 Digitalisate zu Ausgaben von Hoffmanns Werken, Autografen und Musikalien, zu seinen Lesestoffen sowie zu späteren Werken und Autoren, die von E.T.A. Hoffmann beeinflusst sind, frei zugänglich präsentiert und zum Download angeboten.

Leo Kayser: Ex libris E. Th. A. Hoffmann : 1776-1822
Leo Kayser: Ex libris E. Th. A. Hoffmann : 1776-1822 © Staatsbibliothek zu Berlin
Knack den Code! im Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart
Knack den Code! im Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart © Staatliche Museen zu Berlin / Nina Hansch

Junge Leute, kommt ins Museum: Knack den Code! 

Was interessiert Kinder und Jugendliche an den Staatlichen Museen zu Berlin? Wie werden sie zu kritischen Nutzerinnen und Nutzern der Museen? Seit 2014 wird das häuserübergreifende Kooperationsprojekt „Knack den Code!“ realisiert. „Knack den Code!“ richtet sich an Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren, deren soziales Umfeld wenig Berührungspunkte mit der Institution Museum bietet. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit sozialen Jugendeinrichtungen in Berlin durchgeführt, aus deren Nutzergruppe die Teilnehmenden für das Projekt akquiriert werden.

Ausgangspunkt der Projektarbeit sind je zwei Objekte, die sich in zwei unterschiedlichen Museen der Staatlichen Museen zu Berlin befinden: Pergamonmuseum und Gemäldegalerie, Altes Museum und Hamburger Bahnhof usw. Die Kinder und Jugendlichen erhalten den Auftrag, möglichen (persönlichen) Verbindungen zwischen den Objekten auf die Spur zu kommen. Unterstützt durch Künstler, Kunstvermittler und Sozialarbeiter entwickeln sie eigene Strategien, um die gefundenen Deutungs- und Bedeutungsstrukturen erleb- und sichtbar zu machen. Abschließend laden sie Freunde und Gleichaltrige ein, um gemeinsam mit ihnen die Museen zu besuchen und die entwickelten Strategien zu erproben. 

Digitale Sammlungen mit Open Access im Ibero-Amerikanischen Institut

Historische Glasplattenfotografien aus dem ibero-amerikanischen Kosmos, Druckgrafiken aus Mexiko, Zarzuela-Librettos, diverse Bücher – die Schätze des Ibero-Amerikanischen Instituts sind so einzigartig, wie wertvoll. Auf über 11.000 Objekte aus diesen Beständen kann jederzeit online von überall zugegriffen werden: dank der Digitalen Sammlungen, die einen Open-Access-Zugriff bieten. Über OAI (Open Archives Initiative)-Schnittstellen können diese Daten an nationale wie internationale Projekte weitergegeben werden, beispielsweise die Bibliothek des iberoamerikanischen Kulturerbes (Biblioteca Digital del Patrimonio Iberoamericano).
Walter Lehmann: Archäologische Stätten: Topographische Ansichten, Folklore und Personenaufnahmen aus Mexiko
Walter Lehmann: Archäologische Stätten: Topographische Ansichten, Folklore und Personenaufnahmen aus Mexiko © Ibero-Amerikanisches Institut
Electronic Sound Garden
Electronic Sound Garden © SIMPK / Anne-Katrin Breitenborn

Der Electronic Sound Garden im Musikinstrumenten-Museum

Im Musikinstrumenten-Museum gibt es neben Großbasspommern und Wurstfagotten eine weitere Sensation: Der Electronic Sound Garden bietet mit seinen interaktiven Musikinstallationen XenaX und KosmiX eine inspirierende Umgebung für kreative musikalische Erfahrungen. Auch ohne Noten- und Instrumentalkenntnisse kann hier jeder Musik improvisieren und komponieren. Im Electronic Sound Garden wird die Wahrnehmung von Klängen erweitert und geschärft, die Dimension des Hörens vertieft sich. So verbindet XenaX das Malen eines Bildes mit dem Komponieren eines Musikstücks: Die mit einem Spezialstift auf einen Bildschirm gemalten Linien werden unmittelbar in Klänge umgesetzt. KosmiX hingegen ist ein interaktiver Dancefloor, auf dem tanzend Musik gemacht werden kann: Durch verschiedene Bewegungen kann der Tänzer unterschiedliche Klänge aktivieren. Das SIM bietet immer wieder Workshops für den Electronic Sound Garden an.

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