Der Umzug: Von Dahlem nach Mitte

Der Umzug: Von Dahlem nach Mitte

Die Objekte der außereuropäischen Sammlungen befinden sich seit Beginn 2016 auf dem Weg ins Humboldt Forum. Denn bevor es ins Stadtschloss geht, muss jedes Ding begutachtet, restauriert und eingepackt werden. Die spannendsten Objekte und ihre Geschichten im Überblick.

Hermann Parzinger (r.) verfolgt das Herausholen der Nulis-Maske
Hermann Parzinger (r.) verfolgt das Herausholen der Nulis-Maske © SPK / photothek.net / Thomas Trutschel
Verwandlungsmaske des „Nulis“, Kwakiutl, Sammlung Jacobsen 1881
Verwandlungsmaske des „Nulis“, Kwakiutl, Sammlung Jacobsen 1881 © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum/Claudia Obrocki

Nulis-Maske - Ikone des Humboldt Forums

Sie ist so etwas wie die Nofretete des Humboldt Forums: die Verwandlungsmaske der Kwakwaka‘ – genannt Nulis-Maske – ist eine Ikone der Sammlung des Ethnologischen Museums. Darum war das Einpacken der Nulis-Maske im April 2016 im Beisein des SPK-Präsidenten Hermann Parzinger der symbolische Start der Umzüge von Dahlem nach Mitte. Der norwegische Kapitän Adrian Jacobsen hatte die Maske im Zuge einer Sammlerreise an die pazifische Nordwestküste erworben und 1883 nach Berlin gebracht. Auf der Maske dargestellt ist der Nulis, ein Urahne der Kwakwaka’wakw. Ist die Maske geschlossen, zeigt sie ein dunkles, zorniges Gesicht; offen zeigt sie ein viel freundlicheres, farbenfrohes Antlitz. Getragen wurde die Maske vermutlich bei Potlatch-Festen. Diese dienten dazu, Geschenke zwischen den verschiedenen Clan-Mitgliedern auszutauschen und so eine gerechte Güterverteilung zu gewährleisten.

Lienzo Seler II - Überdimensionierte Landkarte der Mixteken

Fast 50 Jahre hing das 4x4 Meter große, mixtekische  Baumwolltuch aus dem 16. Jahrhundert unberührt in seiner Glasvitrine im Ethnologischen Museum in Dahlem. Der Lienzo Seler II fungiert einerseits als riesige Landkarte des Tals von Coixtlahuaca – inklusive mythologischer Sphäre, die durch eine kleine Mauer aus Leopardenfell von der realen Topografie getrennt wird. Über den Lienzo verteilt finden sich nicht nur Ortszeichen, vorspanische Pyramiden und Tempel, Wasserläufe, Felder und Fußwege, sondern auch kriegerische Auseinandersetzungen wie die Hängung von Indianern durch einen spanischen Richter. Für den Umzug wird der Lienzo Seler II nun erstmals freigelegt, detailliert naturwissenschaftlich und kunsthistorisch erforscht und restauriert. Nach Abschluss dieser Arbeiten stellt sich für die Logistiker die Herausforderung, das entfaltet immerhin 17 Quadratmeter große Tuch durch die Türen des Dahlemer Museums zu bekommen. 

Lienzo Seler II in der Dahlemer Vitrine
Lienzo Seler II in der Dahlemer Vitrine © SPK/photothek.net

Auf dem Weg zum Humboldt Forum

Seit Januar 2016 bereitet Dahlem den Umzug der außereuropäischen Sammlungen ins Humboldt Forum vor. Der mehrstufige Prozess findet passgenau zu den laufenden Baumaßnahmen am Schlossplatz statt. Zugleich werden alle Objekte vor ihrem Weg nach Mitte baulich freigelegt, restauriert und in den Dahlemer Werkstätten für ihre Präsentation im Humboldt Forum vorbereitet. Die zentrale Sonderausstellungshalle in Dahlem wurde hierzu in einen Depot- und Werkstattbereich umfunktioniert. Dank  ihrer strategischen Lage im Museumskomplex dient sie als „Verschiebebahnhof“ zum Humboldt Forum.

Der Standort Dahlem

Der lange Weg der Südseesammlung

Abguss eines Reliefs aus Angkor Vat, derzeit zur Restaurierung in Friedrichshagen
Abguss eines Reliefs aus Angkor Vat, derzeit zur Restaurierung in Friedrichshagen © SPK / photothek.net / Thomas Trutschel

Angkor Vat – Neues altes Prachtstück aus dem Depot

Die fast in Vergessenheit geratenen Abgüsse der prächtigen Reliefs der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Vat aus dem Museum für Asiatische Kunst  werden umfassend restauriert. Mit der Neukonzeption der Ausstellungsgestaltung für das Humboldt Forum stehen die Objekte nun wieder im Fokus der Kuratoren und Gestalter. Angkor Vat, die großartigste Schöpfung der Khmerarchitektur, entstand bis Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Reliefs erzählen Legenden und berichten von Heldentaten ihrer Hauptgestalten Krishna und Rama. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erworbenen Abgüsse galten seit dem Zweiten Weltkrieg als vernichtet. Bis Anfang der 1980er Jahre zufällig 442 Papierformen in der Gipsformerei der wiederentdeckt wurden, auf deren Basis neue Abgüsse hergestellt werden konnten, die in das damalige Museum für Indische Kunst eingebaut wurden. Mit dem Umbau des Dahlemer Museums wurden die Objekte 1997 aus der Dauerausstellung entfernt. Nach ihrer Restaurierung finden die Reliefs dann ihren gebührenden Platz im Humboldt Forum.

Cotzumalhuapa-Stelen – Steinerne Zeugen des rituellen Ballspiels

Ihr Platz war der Eingang zum Mesoamerika-Saals in Dahlem: Acht gewaltige Stelen der Cotzumalhuapa-Kultur (400 bis 900 n. Chr.). In Guatemala säumten sie einen Platz für das rituelle Ballspiel. Dieses symbolisierte den Kampf zwischen irdischer Welt und Unterwelt, zwischen widerstreitenden Paaren wie Licht und Finsternis, Leben und Tod. Die reliefierte Seite der Stelen, Ballspieler mit Schutzkleidung und Himmelsgottheiten zeigend, wurde in den 1870er Jahren abgesägt, um das tonnenschwere Gewicht für den Transport nach Europa zu reduzieren. Beim Aufbau des Mesoamerika-Saales des Ethnologischen Museums, Staatliche Museen zu Berlin, im Jahre 1970, wurden die an ihrem Herkunftsort entfernten rückwärtigen Stelenteile in Steinoptik ergänzt, um eine Vorstellung der ursprünglich massiven Stelen zu vermitteln. Für den Umzug ins Humboldt Forum musste der hinzugefügte, rückwärtige Teil der Stelen ab Mai 2016 vorsichtig aufgemeißelt und von den originalen Reliefplatten entfernt werden. Dank dieses Eingriffs mit Hammer und Meißel können Restauratoren und Gestalter den konservatorischen Zustand und Restaurierungsbedarf der dann erstmals seit Jahrzehnten vollständig untersuchbaren Objekte abschätzen, und die erneute Montage im Humboldt Forum präzise planen.

Öffnen der Cotzumalhuapa-Stelen mit Hammer und Meißel
Öffnen der Cotzumalhuapa-Stelen mit Hammer und Meißel © SPK /Stefan Müchler
Demontage zweier Wandgemälde in der Seidenstraßenausstellung in Dahlem
Demontage zweier Wandgemälde in der Seidenstraßenausstellung in Dahlem © SPK / photothek.net /Thomas Imo

Seidenstraßenobjekte – Das Schwerste am Schluss

Mit dem Herauslösen zweier fest eingebauten Malereien wurde im Mai 2016 eine weitere Etappe für den anstehenden Umzug der Sammlung des Museums für Asiatische Kunst geschafft. Die Dauerausstellung zur Seidenstraße im Dahlemer Museum ist damit bereits nahezu vollständig abgebaut worden. Im November 2016 folgt der komplizierte Abbau der tonnenschweren buddhistischen Kulthöhle „Höhle der Ringtragenden Tauben“ aus dem fünften Jh. n. Chr.

2015: Probelauf für die Bootsfahrt ins Humboldt Forum

Aufwendig verpackt und vom Kran durchs Fenster gehoben – mit handwerklichem Geschick und unter den wachsamen Augen der Wissenschaftler reiste ein Südsee-Boot im Juli 2015 aus dem Martin-Gropius-Bau zurück nach Dahlem. Im Martin-Gropius-Bau war das große Auslegerboot neben zahlreichen Objekten der bedeutenden Südsee-Sammlung des Ethnologischen Museums in der Ausstellung „Tanz der Ahnen. Kunst vom Sepik in Papua-Neuguinea“  zu sehen. Der Transport des Bootes war auch ein Probelauf: Bald treten die Südsee-Boote ihre große Reise ins Humboldt Forum an.

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