Zauber des Anfangs: Barbara Helwing

News vom 11.07.2019

Seit März hat das Vorderasiatische Museum eine neue Leitung: Die Archäologin Barbara Helwing wohnt und arbeitet nach Stationen in Ankara, Teheran, Lyon und Sydney jetzt in Berlin und kümmert sich künftig um die berühmten Sammlungen im Pergamonmuseum. Friederike Schmidt hat Barbara Helwing an ihrer neuen Wirkungsstätte besucht und mit ihr über die ersten Wochen im preußischen Dienst gesprochen.

Barbara Helwing
Barbara Helwing © Staatliche Museen zu Berlin - Vorderasiatisches Musem, Foto: Olaf M. Teßmer

„Mein Hintergrund ist die Vorderasiatische Archäologie und sehr konkret die Feldforschung. Was mich dabei aber immer besonders interessiert hat, ist, wie Menschen ihren Alltag gestalten, wie sie sich in verschiedenen sozialen Kontexten bewegen, wie Städte und Staaten entstanden sind und wie sich Technologien, die mit dieser Staatenbildung einhergehen, entwickelt haben. Am Museum, wo wir viel Material aus verschiedenen Zeiten haben, sind das auch wieder übergeordnete Fragestellungen. Als Museumsdirektorin besteht meine Aufgaben zunächst darin, die Sammlung zu betreuen. Das heißt, dass wir uns um die Objekte und ihren Erhalt kümmern, dass wir aber auch Dinge wie den Leihverkehr betreuen. Das sind grundlegende Aufgaben. Darüber hinaus geht es auch darum, größere Konzepte zu entwickeln. Am Vorderasiatischen Museum bereiten wir uns gerade auf den Beginn der Bauarbeiten am Bauabschnitt 2 des Pergamonmuseums vor. Darum ist für mich gerade die größte Herausforderung, die Konzeption für eine neue Ausstellung nach der Renovierung durchzuführen. Das ist natürlich ein Langzeitprojekt. Die teilweise Schließung der Ausstellung bis zur Neueröffnung eröffnet aber auch große Freiräume um zu experimentieren oder vielleicht mit kleineren Formaten auch mal Dinge auszuprobieren, die neu im Museumsbetrieb sind. Ganz viele Stichwörter fallen mir da ein: Digitalisierung, 3D, neue Medien… Ich denke, dass wir das nächste Jahrzehnt damit zubringen werden, mit all diesen ganz spannenden neuen Sachen zu operieren und zu experimentieren. Das ist eigentlich eine tolle Situation. In meinen bisherigen Erfahrungen habe ich gemerkt, dass ich es als eine sehr glückliche Herausforderung empfinde, die Altertumswissenschaften, die immer gerne als Elfenbeinturmdisziplin gesehen werden, zugänglich zu machen, sie zu vermitteln, sie greifbar zu machen und die Besucher auch direkt anzusprechen. Museen sind für die Menschen da und nicht nur für die Wissenschaftler. Ich hoffe, dass ich an dieser Schnittstelle einiges tun kann. Da sehe ich meine Aufgaben.

Zwei Bereiche möchte ich in meiner Amtszeit besonders forcieren: Zum einen möchte ich mehr direkt mit den Besuchern kommunizieren, um herauszufinden, wie wir sie ansprechen können, was sie interessiert. Mir ist aufgefallen, dass ganz junge Leute nicht mehr ins Museum gehen, weil sie denken, dass man auf dem Smartphone alles sehen kann. Aber die Erfahrung von Authentizität, von direkter Kommunikation mit Zeugen einer Zeit, die schon tausende von Jahren vorbei ist, ist für viele Leute gar nicht mehr denkbar.

Die andere wichtige Aufgabe sehe ich darin, dass wir im Vorderasiatischen Museum Dinge ausstellen oder pflegen, die aus den Gegenden kommen, die heute der Hauptkrisenort der Welt sind. Gerade in Berlin sind sehr viele Menschen, die aus diesen Ländern geflohen sind. Unsere Aufgabe ist es, in den Dialog mit diesen Leuten zu treten und ihnen ihr Erbe nahezubringen. Ich hoffe, dass wir sowohl in Berlin mit Communities in Kontakt treten können, aber auch mit Kulturinstitutionen in diesen Ländern zusammenzuarbeiten. Das möchte ich auf jeden Fall forcieren, zum Beispiel, indem wir mit dem Nationalmuseum in Bagdad die Zusammenarbeit intensivieren. Weil das Land gerade so eine schwere und schmerzhafte Geschichte hinter sich hat, sind wir gefordert, Partner zu sein und auf Augenhöhe mit den Kolleginnen und Kollegen dort zu arbeiten.

In diesem Zusammenhang steht auch eine Begegnung, die mich in den ersten Tagen glücklich gemacht hat. Ich stand im Vorfeld des Besuchs des irakischen Ministerpräsidenten am Eingang des Pergamonmuseums. Man kann dort beobachten, wie die ersten Besucherinnen und Besucher morgens um 10:00 Uhr die Treppe heraufkommen. Dort drehen sie sich nach rechts und stehen vor dem großen Ischtar-Tor. Manchen Leuten fällt dann einfach die Kinnlade herunter. Das ist ein sehr berührendes Gefühl. Die Führung durch die Sammlung endete damit, dass der irakische Ministerpräsident uns einen langen Text ins Gästebuch geschrieben hat, in dem er sich ausdrücklich und ausführlich dafür bedankt, dass diese Objekte so schön präsentiert sind, dass das Kulturerbe seines Landes so gewertschätzt wird. Dieses direkte Feedback gibt einem natürlich das Gefühl, dass es etwas Sinnvolles ist, was man tut. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Sehr viele schöne Momente habe ich in den ersten Tagen meines Dienstes auch hier im Haus erlebt. Ich bin hier auf ein sehr herzliches Team getroffen, dass vielfach selber schon eine ganz langjährige Beziehung zur Sammlung hat und sie in- und auswendig kennt. Sie haben mich in einer Weise empfangen, dass ich mich sehr willkommen geheißen gefühlt habe und mir die ersten Schritte im Amt sehr erleichtert haben.“

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