Restitutionen an Freimaurer – „vergessene“ Opfer des Nationalsozialismus

News vom 27.06.2016

Im Juni 2016 hat die Stiftung 384 Bücher an eine Freimaurerloge zurückgegeben. Schon früher hat die SPK Werke an diese „vergessenen Opfer“ des Nationalsozialismus restituiert

Restitution von 384 Büchern aus der Staatsbibliothek an Potsdamer Freimaurer-Loge
© SBB / Hagen Immel

Hermann Parzinger, Präsident der SPK, hob anlässlich der Rückgabe hervor: „Nicht nur Juden wurden im Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und enteignet. Zahlreiche weitere Bevölkerungsgruppen gehörten ebenfalls zu den Verfolgten, so auch die Freimaurer. Auch ihre Geschichte gilt es aufzuarbeiten und ihnen ihr rechtmäßiges Eigentum zurückzugeben.“ Schon in der Vergangenheit hatte die SPK Objekte an die Freimaurer restituiert. So hatte sie etwa 2010 einige Werke aus der Alten Nationalgalerie nach Frankfurt zurückgegeben.

Die Bücher der Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“

Die Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“ wurde 1809 in Potsdam gegründet. Unter dem Druck der NS-Verfolgung musste sie sich ab 1934 selbst auflösen und im Sommer 1935 ihre Tätigkeit einstellen. Erst 1991 wurde die Loge wiedergegründet.

Die Bibliothek der Loge gehörte ehemals zu den größten Logenbibliotheken Deutschlands. Im Zuge ihrer erzwungenen Selbstauflösung übertrugen die Logenbrüder den Bücherbestand als „Geschenk“ an die Preußische Staatsbibliothek. Bei der Erforschung der Bestände der Staatsbibliothek stießen die Mitarbeiter des Projektes „Transparenz schaffen“ auf die nun restituierten 384 Bücher. Unterschiedliche Stempel, Zugangsnummern und Signaturen der Loge wiesen auf die Provenienz hin.

Da es sich bei den Büchern eindeutig um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelte, vereinbarte die SPK mit der Loge ihre Rückgabe. Barbara Schneider-Kempf, die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, hat am 23. Juni 2016 das große Konvolut von Büchern an Matthias Bohn, Mitglied des Vorstandes der Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“ überreicht. Die Bände wurden zuvor digitalisiert und werden auch in Potsdam interessierten Wissenschaftlern zugänglich bleiben.

Bereits 1965 waren 640 Bände der einstigen Potsdamer Loge in den Beständen der West-Berliner Staatsbibliothek identifiziert worden. Da die Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“ damals noch nicht wiedergegründet war, restituierte die SPK diese Bücher an die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“.

Das Archiv der Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“ wird, wie zahlreiche weitere Freimaurer-Archivalien, im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt.

Die Gemälde der „Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe“

Im September 2011 übergab die Stiftung drei Gemälde aus der Alten Nationalgalerie an den Verein „Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe“.  Die „Loge zur aufgehenden Morgenröthe“ wurde 1807 in Frankfurt am Main gegründet. Gerade in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war sie das zentrale Forum des aufgeklärten jüdischen Bürgertums in Frankfurt. Diesem war der Zutritt zu den meisten Vereinen damals noch verwehrt. Wenn auch dem Ideal der religiösen Toleranz verpflichtet, blieb die Loge bis zu ihrer Auflösung 1935 durch die NS-Behörden überwiegend jüdisch geprägt. Von den rund 150 Brüdern  überlebten nur wenige die Zeit der Verfolgung und des Krieges. 1950 wurde ein Verein als Rechtsnachfolger der Loge gegründet.

Die drei Werke die 2011 restituiert wurden, waren seit 2008 als „Fremdbesitz“ der Alten Nationalgalerie veröffentlicht. Sie stammten aus einem Konvolut, das in Ost-Berlin als ehemaliger Besitz des Historischen Museums Breslau gekennzeichnet wurde. Dieses Museum hat es nie gegeben; die Herkunft der Bilder ist daher weitgehend unbekannt. 2010 konnte für die drei Gemälde nachgewiesen werden, dass sie aus der Frankfurter Loge stammten. Sie gelangten nach der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten 1935 vermutlich über eine Sammelstelle in Breslau in sowjetischen Besitz und wurden von dort 1958 an die Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) zurückgegeben.

Die Gemälde stammen alle drei von bekannten Frankfurter jüdischen Künstlern: Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882), seinem Enkel Alfred Nathaniel Oppenheim (1873-1953) und Julius Hülsen (1873-1931). Sie zeigen bedeutende jüdische Bürger Frankfurts. Vor diesem Hintergrund überließ der Verein „Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe“ die Bilder dem Jüdischen Museum Frankfurt als Schenkung.

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