Darf man das?

News vom 08.02.2016

Das Museum für Islamische Kunst ist seit dem 3. Februar 2016 mit der Ausstellung „Frühe Hauptstädte Islamischer Kultur“ im Nationalmuseum Riad, Saudi-Arabien zu Gast. Warum das richtig ist, welche Chancen in dieser Ausstellungskooperation liegen und mit welchen anderen Projekten das Museum für Islamische Kunst an der Erhaltung gefährdeten Kulturguts arbeitet, erklärt dessen Direktor, Prof. Dr. Stefan Weber.

Prunkschale mit der Darstellung eines Mehrkuppelbaus, Iran 8. Jh.
© SMB, Museum für Islamische Kunst / Petra Stüning

Herr Prof. Dr. Weber, können Sie kurz die Ausstellung in Riad erläutern? Was wird zu sehen sein und was ist das Besondere daran?

Das Museum für Islamische Kunst setzt mit der Ausstellung „Frühe Hauptstädte Islamischer Kultur“ seine Kooperation mit dem Nationalmuseum Riad fort. Das Thema der Ausstellung, die bereits in Sharjah / Vereinigte Arabische Emiraten gezeigt wurde, ist mit Bedacht gewählt. Im Zentrum steht der Übergang von der vorislamischen Spätantike zur islamischen Blütezeit des 8. und 9. Jahrhunderts. Fortführung, Aneignung und Anpassung antiker Formen, Techniken und ästhetischer Praktiken, aber auch die bahnbrechenden Innovationen der Zeit werden präsentiert. Dies würdigt auf der einen Seite die herausragenden kulturellen Leistungen der islamischen Frühzeit, zeigt aber auch deren Einbindung in die ‚Big Story‘ kulturhistorischer Entwicklungen des alten ‚Orients‘. Diese Verbindung der vorislamischen Zeit mit der islamischen Kulturgeschichte ist vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen des Kulturvandalismus von besonderer Bedeutung. Sie hinterfragt aber auch die Grenzen unserer gängigen Kulturbilder. Damit folgt und vertieft ‚Frühe Hauptstädte Islamischer Kultur‘ die sensationelle Ausstellung „Roads of Arabia“, die 2012 im Pergamonmuseum gezeigt wurde.

Warum arbeiten Sie ausgerechnet mit Saudi-Arabien zusammen, einem Land, das wegen Missachtung von Menschenrechten in der Kritik steht?

Wo wenn nicht hier macht die Diskussion über Kulturerbe und Geschichtsbilder Sinn? Auch Saudi-Arabien ist eine Gesellschaft mit vielen Akteuren und Strömungen und unsere Ausstellung stützt explizit den Reformflügel.

Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Das Nationalmuseum und der Saudi Commission for Tourism and National Heritage (SCTH) arbeiten seit einigen Jahren mit beeindruckendem Engagement für die Erhaltung des bisher vollkommen vernachlässigten, beziehungsweise stark gefährdeten islamischen und vorislamischen Kulturguts Saudi-Arabiens. Im Frühjahr 2010 lud der SCTH zum Thema Kulturerbe ein – der ersten gemischtgeschlechtlichen Konferenz in Riad. Er ermöglicht Grabungsprojekte wie Tayma (DAI), wo vor allen Dingen Frauen ausgebildet werden und wohin wir auch unsere Restauratorinnen als Ausbildungskräfte geschickt haben. Das Nationalmuseum sowie die Ausstellung „Frühe Hauptstädte Islamischer Kultur“ stehen Frauen auch ohne Geschlechtertrennung offen. 

Gibt es weitere internationale Projekte des Islamischen Museums?

Das Museum für Islamische Kunst Berlin engagiert sich in Kooperationsprojekten in vielen Ländern der islamischen Welt. Dr. Ute Franke und ich arbeiten seit Jahren neben unseren Forschungsprojekten auch zum Kulturerhalt, u.a. mit Restaurierungsprojekten in Kabul, Herat, Sidon, Tripoli, Mschatta, Jerusalem oder Damaskus. Dazu gehört in vielen Projekten auch eine Ausbildung von Restauratoren. Gegenwärtig sind wiederholt Restauratoren aus Herat zu Gast am Museum und unsere Restauratorinnen leiteten Ausbildungskurse für Frauen in Saudi-Arabien und anderen Golfländern. Das Syrian Heritage Archive Project arbeitet nun zusammen mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) im vierten Jahr an der digitalen Sicherung des Syrischen Kulturerbes – auch dank der Unterstützung des Auswärtigen Amtes, das für 2016 die Finanzierung übernommen hat.

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