FMBHW: „Als Kammermusikerin hat man es leichter auf der Bühne“

12.01.2023FMBHW: „Als Kammermusikerin hat man es leichter auf der Bühne“

Hanna Ponkala-Nitsch (Violine), Larissa Nagel (Violoncello) und Rie Kibayashi (Klavier) sind zusammen das Trio Hannari. Im Fach Kammermusik gewannen sie 2021 den Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb.

Interview: Sven Stienen

Die drei Musikerinnen von Trio Hannari stehen mit ihren Instrumenten und schwarzer Kleidung vor einer Betonwand
Trio Hannari, v.l.n.r.: Larissa Nagel (Violoncello), Hanna Ponkala-Nitsch (Violine), Rie Kibayashi (Klavier) © Leo Leister / Urban Ruths

Ihr seid das Trio Hannari und spielt zusammen Kammermusik – wie habt ihr euch als Trio gefunden und was sind eure jeweiligen Hintergründe?
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Wir haben uns während der Pandemie gegründet. Wir haben alle an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) im Studiengang Kammermusik studiert. Keine von uns war in einem festen Ensemble und wir wollten das ändern. So kam es, dass Rie und ich gemeinsam überlegten, ein Projekt zu starten. Wir kannten uns bereits von der Hochschule für Musik Karlsruhe. Kurz darauf wurde uns Larissa empfohlen und im Sommer 2020 haben wir uns erstmals getroffen.
 

Larissa Nagel: Der erste Kontakt entstand schon im Frühjahr 2020, aber durch die Pandemie dauerte es etwas, bis wir uns tatsächlich getroffen haben.
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Das war eine verrückte Zeit – wir wollten als Trio loslegen und Termine zum Kennenlernen koordinieren, aber dann kam der erste Lockdown und es ging gar nichts mehr. Wir haben dann erstmal alles auf Eis gelegt, man konnte ja in dieser Zeit kaum etwas planen. Alles stand still, es gab auch kein Studierendenleben, das ging alles erst im Herbst und Winter wieder los.
 

Rie Kibayashi: In der Zeit zuvor hatten Hanna und ich bereits im Duo gespielt. Im Januar 2021 begannen wir dann endlich, zu dritt zu spielen. Es gab in der Zeit zwei Wettbewerbe in unserer Hochschule und dort zu spielen, war unser erstes Ziel als Trio.
 

Larissa Nagel: Der erste dieser Wettbewerbe war dann auch direkt unser erster gemeinsamer öffentlicher Auftritt.
 

Die drei Musikerinnen von Trio Hannari stehen mit ihren Instrumenten und schwarzer Kleidung vor einer Betonwand
Trio Hannari, v.l.n.r.: Larissa Nagel (Violoncello), Rie Kibayashi (Klavier), Hanna Ponkala-Nitsch (Violine) © Leo Leister / Urban Ruths

Das klingt abenteuerlich. Seid ihr inzwischen als Trio fest zusammengewachsen?
 

Rie Kibayashi: Absolut. Wir haben uns erst kennengelernt und wussten noch nicht, ob es passt und klappt. Aber dann hatten wir schnell das Gefühl, dass wir einander auf der Bühne vertrauen können und gemeinsam Freude empfinden. Das war schön und und es wurde wahrscheinlich auch von den Jurys wahrgenommen.

Wie lief die Nominierung ab? Die Hochschule hat euch ausgewählt, nachdem ihr den HfMDK-internen Lenzewski-Wettbewerb gewonnen hattet?

Larissa Nagel: Genau. Nach dem Lenzewski-Wettbewerb wurden wir gefragt, ob wir Interesse an der Teilnahme hätten. Das war eine große Herausforderung, denn es lief alles sehr kurzfristig. Wir hatten noch nicht lange zusammengespielt und mussten als Trio erst einmal zusammenwachsen. Gleichzeitig mussten wir ganz neu das komplette Repertoire einstudieren. Dennoch war die Nominierung natürlich sehr toll, weil sie uns direkt eine neue Zielsetzung gab und wir große Lust hatten, daran teilzunehmen.
 

Rie Kibayashi: Es ging alles Schlag auf Schlag: Wir hatten gerade erst richtig angefangen zusammen zu spielen, im Februar kamen dann das erste Konzert und der Wettbewerb und im Sommer folgte direkt die Vorbereitung auf den FMBHW im September.

Wie habt ihr euch vorbereitet?
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Zusätzlich zu unseren regulären Proben und Unterrichten haben wir uns regelmäßig beim Spielen aufgenommen und analysiert. Im Sommer unmittelbar vor dem Wettbewerb haben wir zusätzlich an der Internationalen Sommerakademie in Frenswegen teilgenommen. Das war sehr intensiv und hilfreich, dort waren auch mehrere andere Trios, die am FMBHW teilgenommen haben. So konnten wir uns gemeinsam vorbereiten und austauschen, während alle die Werke für den Wettbewerb einstudierten.
 

Rie Kibayashi: Das war wirklich eine sehr intensive Phase. Wir hatten zwei bis drei Unterrichte pro Tag und dazwischen Vorträge, Werkstattkonzerte und Proben.

Ihr wart also sehr gut vorbereitet. Wart ihr trotzdem nervös vor dem Wettbewerb?
 

Larissa Nagel: Ich bin tatsächlich immer ein bisschen nervös. Das empfinde ich eigentlich als etwas sehr Schönes, denn es zeigt, dass mir wichtig ist, was auf der Bühne passieren wird und gibt mir eine angenehme Anspannung und die nötige Konzentration und Energie. Als Kammermusikerin hat man es trotzdem leichter auf der Bühne; man ist ja nicht allein. Zwischen uns dreien herrscht ein großes Vertrauen, und das ist etwas unglaublich Schönes – denn Kammermusik bedeutet nicht nur, bei den Tempi und den Klangfarben gut zu harmonieren, sondern es geht auch darum, gemeinsam etwas zu fühlen. Das zu erarbeiten kann sehr anstrengend sein, weil man ständig kommunizieren und in sich horchen muss. Aber am Ende dann gemeinsam auf der Bühne zu stehen ist sehr bereichernd.
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Ich glaube, wir haben vor dem Wettbewerb auch große Vorfreude gespürt, denn wir haben vorher sehr hart gearbeitet und es war ein tolles Gefühl, das Ergebnis dann auf dieser Bühne zeigen zu dürfen. Aber die Wettbewerbssituation, in der man dann am Ende bewertet wird, ist schon etwas anderes als ein normales Konzert. Also ja, wir waren nervös.
 

Wie habt ihr den Wettbewerb erlebt?
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Es war schon eine stressige Zeit. Man hat viel gearbeitet und freut sich, das zeigen zu können – aber gleichzeitig gibt es auch entsprechende Erwartungen an sich selbst. Egal, wie gut man vorbereitet ist, es ist dennoch eine große Herausforderung, vor allem für den Kopf. Ich musste mich dann immer wieder daran erinnern, die Zeit zu genießen und gemeinsam mit den anderen Ensembles eine gute Zeit zu haben. Letztendlich geht es ja um die Musik! Es war dann auch mal ganz schön, Berlin zu sehen und die Stadt einfach auf sich wirken zu lassen.

Die drei Musikerinnen von Trio Hannari sind auf einer Bühne und spielen Kammermusik
Trio Hannari auf der Bühne © Leo Leister / Urban Ruths

Larissa Nagel: Der Wunsch, den Moment auch genießen zu können, steht dem Druck gegenüber, im Wettbewerb mit dem nötigen Perfektionismus zu performen, damit alles sitzt. Aber im Großen und Ganzen war es eine positive Erfahrung, beim FMBHW dabei zu sein.
 

Rie Kibayashi: Es war auch gut, dass wir bereits vorher viele der Leute von anderen Hochschulen kennengelernt hatten, die dann beim Wettbewerb dabei waren. So hatten wir bereits eine gute Basis, um uns auszutauschen und gemeinsam das Beste aus der Zeit zu machen.

Habt ihr während des Wettbewerbs schon eine Ahnung gehabt, dass ihr die Gewinnerinnen werden könntet? Merkt man beim Spielen, wie die eigene Performance ankommt?
 

Larissa Nagel: Wir sind natürlich mit der klaren Ambition in den Wettbewerb gegangen, ihn auch zu gewinnen. Vorher hatten wir noch Witze darüber gemacht, dass ich mir vom Preisgeld dann ein Tablet kaufen könne - bis dato habe ich immer aus Papiernoten gespielt hatte, was bei dem ein oder anderen zeitgenössischen Werk blättertechnisch manchmal etwas chaotisch wurde ... aber wir waren total überrascht, als wir tatsächlich gewonnen haben. Es war sehr schön, aber wir haben gar nicht damit gerechnet.
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Wir hatten während des Wettbewerbs überhaupt keinen Kontakt zu der Jury und es gibt auch keine Anhaltspunkte, wie sie bewerten wird. Es ist auch sehr schwer, diese Bewertung zu antizipieren, denn wenn die technischen Standards, das Handwerkliche der Musik, erfüllt sind, dann beginnt die subjektive Einschätzung und dann ist es völlig abhängig von der Besetzung der Jury und von der Diskussion innerhalb der Jury. Aber das ist eben so bei der Musik – wir haben uns am Ende gefreut, dass diese Jury uns verstanden hat und uns gut fand.

Die dre Musikerinnen von Trio Hannari stehen in schwarzen Kleidern vor einer Holzvertäfelten Wand
Trio Hannari © Leo Leister / Urban Ruths

Der FMBHW ist ein sehr alter und renommierter Wettbewerb – haben die Teilnahme und vor allem der Sieg einen Karrieresprung für euch ermöglicht?
 

Larissa Nagel: Absolut. Vor dem Wettbewerb hatten wir ja gar keine Karriere, denn es gab unser Trio erst ein paar Monate. Aber in Folge des Wettbewerbs bekamen wir definitiv mehr Anfragen. Wir haben seitdem viel gespielt und uns als Trio noch weiter entwickelt.
 

Ist es für euch eine große Ehre, eure Hochschule dort vertreten zu haben?

Larissa Nagel: Für mich schon. Ich bin seit vielen Jahren an der HfMDK, habe bereits mein Jungstudium hier absolviert und anschließend mein Bachelor- und Master-Studium. Insofern freut es mich natürlich für die Hochschule und insbesondere für unsere Professorin Angelika Merkle und die anderen Lehrenden wie Tim Vogler und Lucas Fels, die uns bei der Vorbereitung unterstützt haben.

Hanna Ponkala-Nitsch: Wir wurden nach dem Wettbewerb auch sehr warm hier in Frankfurt empfangen. Wir fühlen uns hier sehr geachtet und geschätzt, das ist ein schönes Gefühl.

Habt ihr vielleicht noch ein paar hilfreiche Tipps für zukünftige Teilnehmer:innen?

Hanna Ponkala-Nitsch: Wenn man in einem Ensemble dort antritt, empfehle ich auf jeden Fall, die Zeit einfach zu genießen. Auch wenn es nicht ausgeht wie erhofft, wird man auf jeden Fall reicher nach Hause fahren. Es lohnt sich, die Zeit des Wettbewerbs zu nutzen, um Kontakte zu anderen Musiker:innen aus ganz Deutschland zu knüpfen.
 

Larissa Nagel: Man sollte versuchen, sich zu freuen, für die Leute dort zu spielen, und nicht zu sehr darauf bedacht sein, der Jury zu gefallen. Jede Jury ist anders und man kann unmöglich vorhersehen, welche Kriterien am Ende entscheiden werden. Das kann einerseits frustrierend sein, weil man sich nicht wirklich darauf vorbereiten kann, andererseits nimmt es auch den Druck aus der Situation und ermöglicht es hoffentlich, sich etwas zu entspannen.
 

Hanna Ponkala-Nitsch: Man sollte immer daran denken: Es kommen ja auch ganz viele andere Leute dorthin, die einen gern hören wollen, nicht nur die Jury. Man sollte also auch für die anderen Gäste spielen.

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