„Wir forschen mit Museen“ – Patricia Rahemipour

28.02.2020„Wir forschen mit Museen“ – Patricia Rahemipour

Viel los beim Institut für Museumsforschung (IfM)! Erst hat es mit Patricia Rahemipour eine neue Leiterin erhalten, dann seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert und mittlerweile auch noch einen Twitterkanal gestartet. Das Institut mit Sitz in Dahlem ist allein schon wegen seiner jährlich erscheinenden Museumsstatistik nicht mehr aus der heutigen Museumslandschaft wegzudenken. Patricia Rahemipour spricht im Interview darüber, was das IfM sonst noch ausmacht, wie die Zukunft des Instituts aussieht und was auf dem Forschungscampus in Dahlem geschieht.

Die Fragen stellte Dominik Twillemeier.

Patricia Rahemipour an einem Tisch
Patricia Rahemipour © Bernd Wannenmacher

Vor Kurzem ist das Institut für Museumsforschung 40 Jahre alt geworden. Zeit für ein kleines Resümee: Was zeichnet das Institut für Museumsforschung heute aus?

Patricia Rahemipour: Wenn man über das Institut für Museumsforschung und seinen vierzigsten Geburtstag redet, muss man kurz auf seine Anfänge zurückblicken. Wo kommt es eigentlich her? Und wie ist es zu dem geworden, was es heute ist? Ich finde es schön, dass die Idee dazu am Küchentisch von einigen wenigen Leuten entstanden ist, die einen sehr guten Einblick in das Museumswesen hatten und überzeugt waren: Es braucht ein Institut, das aus einer übergeordneten Perspektive auf das Museumswesen blickt und ganz bewusst nicht an einer Universität angesiedelt ist, sondern an einer bundesweit agierenden Institution. So wurde das Institut für Museumsforschung 1979 in sehr kleiner Runde gegründet und Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Kernaufgabe des IfM lässt sich aus meiner Sicht auf die Kurzformel bringen: Wir forschen mit Museen. Wir funktionieren wie ein Katalysator für Forschung in Bezug auf Objekt- und Sammlungsforschung in Museen. Wir können auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken und haben dadurch die Möglichkeit, Forschungsfragen zu entwickeln, deren Beantwortung für die Museumswelt wichtig sind. Wir schauen, wo Forschung möglich ist, dass wir mit Fachleuten ins Gespräch kommen und dass wir transdisziplinäre Forschungsprojekte anstoßen. Daneben machen wir auch die Museumsstatistik, bei der wir seit 1981 mit großer Kontinuität Daten über die Museen in Deutschland erheben. Dadurch kommen wir aus dem Bauchgefühl heraus und in den validen Bereich hinein. Wir erfahren, was die Museen wirklich bewegt, und schaffen damit einen Ausgangspunkt für Forschung. Das ist etwas, was das Profil des IfM nach 40 Jahren weiterhin ausmacht.

Frau Rahemipour, Sie sind seit September 2019 Leiterin des IfM. Wie waren die ersten Monate für Sie?

Rahemipour: Ja, die ersten Monate sind immer aufregend. Und ein Stück weit immer auch eine Überforderung. Jeder, der von sich behauptet, das sei nicht so, der lügt – würde ich mal unterstellen. Man ist größtenteils damit beschäftigt, Namen, Projekttitel und Zeitpläne aufzuschreiben und zu ordnen. Spannend ist, kennenzulernen, wie groß der Einflussbereich des Instituts ist. Das war mir vorher aus der Binnensicht als Nutzerin zwar schon ansatzweise klar, aber jetzt bekomme ich das gesamte breite Feld zu sehen. Außerdem habe ich selten ein Institut mit so tollen Mitarbeitern und Kollegen erlebt, die mit dem Herzen dabei sind und einen mit so offenen Armen empfangen. Das gilt nicht nur für mich, das gilt für alle, die dieses Haus betreten – es ist ein unglaublich gastfreundlicher Ort mit unglaublich zugewandten Menschen! Mich freut auch, dass sich bei vielen Themen schon etwas bewegt. Wir haben jetzt beispielsweise mit den Kollegen innerhalb der Staatlichen Museen zu Berlin interessante Forschungsprojekte angestoßen. Da entstehen ganz konkrete Projekte, die nicht nur in die Museumslandschaft hineinwirken, sondern auch innerhalb der SPK – was mir wichtig ist. Die Zusammensetzung der Stiftung birgt das riesige Potenzial, mit den weltbesten Sammlungen unter einem Dach zu sein und zu arbeiten. Ich finde, dieses Potenzial müssen wir noch viel stärker nutzen – auch wenn die meisten das schon tun.

Was sind die Pläne für die Zukunft des IfM? Wie werden die nächsten 40 Jahre?

Rahemipour: Die nächsten 40 Jahre habe ich noch nicht in den Blick genommen. Ich hoffe doch, schon früher in den Ruhestand gehen zu können (lacht). Nein: Man muss schon eine langfristige Planung ansetzen. Dazu gehört für mich ganz wesentlich, dass man es nicht überstürzt und dass es alle gemeinsam machen. Ich werde hier nichts von oben aufdrücken. Wir machen mit den Kollegen im Haus und der neuen stellvertretenden Leiterin Kathrin Grotz eine Serie von Workshops, in denen wir uns fragen: Wo steht das Institut jetzt? Was macht es aus? Wir versuchen auch da, die Binnensicht einmal zu verlassen. Nach außen zu treten und zu fragen: Wie sehen die externen Erwartungen an das IfM aus? Können die von uns erfüllt werden? Wenn nicht – was fehlt, damit wir sie zukünftig erfüllen können? Das wollen wir dann alles zusammenstricken zu einem Institut, das sich in dem Schlagwort „Wir forschen mit Museen“ wiederfindet, zugleich aber Trends setzt und auch Innovationscharakter hat. Was ich sicherlich nicht machen werde: Das, was bisher gemacht wurde, zu vergessen und über den Haufen zu werfen. Digitalisierung, Langzeitarchivierung, Entwicklung von Thesauri für die Museumslandschaft, die vorhin schon erwähnte Museumsstatistik und natürlich Forschungsthemen, die sich auf die historische Museumsforschung beziehen – das sind alles Themen, die schon da sind, die aber aus meiner Sicht ein bisschen geordnet werden müssten, um sie noch schlagkräftiger zu machen. Was macht das IfM in den nächsten 40 Jahren? Ich würde sagen: Das IfM forscht weiter mit Museen – und die Details werden wir publizieren, sobald wir mit unserer Workshopserie fertig sind.

Passend zum vierzigsten Geburtstag hat das IfM jetzt auch einen eigenen Twitterkanal gestartet. Womit hat die Twitterwelt zu rechnen?

Rahemipour: Als ich das IfM übernommen habe, ist mir immer wieder die Frage begegnet: „Institut für Museumsforschung? Was macht ihr denn eigentlich so?“ Die Leute hatten wenig Eindruck davon, was wir eigentlich tun. Was für Expertise es hier gibt. Die Twitterwelt kann von uns erwarten, einfach mal mitgenommen zu werden zu den unterschiedlichen Schauplätzen, wo wir unsere Arbeit machen. Wie sieht das eigentlich aus, wenn wir gemeinsam mit anderen Vertretern die Deutsche Forschungsgemeinschaft beraten? Wenn wir Förderprogramme oder die Forschung an Museen begleiten oder wenn die Beratungsstellen der Länder tagen? Bei diesen Themen ist das IfM Experte und steht immer auch beratend zur Seite. Und das erfährt ansonsten niemand. Das Gleiche gilt für Veranstaltungen, die bei uns im Haus stattfinden, oder Projekte, die hier durchgeführt werden.

Villa mit Bäumen
Das Institut für Museumsforschung (IfM) in Berlin-Dahlem © SMB / Achim Kleuker

Im Rahmen der Entwicklung des Forschungscampus Dahlem wollen wir auch stärker in das Thema Formate einsteigen. Das sind beispielsweise Formate, die Wissenschaft an sich befördern oder das Thema „Wissenschaftskommunikation“ in den Blick nehmen. Wie können wir solche Formate entwickeln und etablieren, die für die Museen wichtig sind, aber auch für Nutzer in ihrer täglichen Arbeit? Solche Formate funktionieren ja nicht, ohne, dass sie sichtbar gemacht werden oder die Öffentlichkeit und die Gesellschaft beteiligt werden. Da muss man schon mal Leute einladen, hinzusehen und zu kommentieren – und einer der möglichen Kanäle könnte aus unserer Sicht Twitter sein.

Stichwort Dahlem: Nicht nur in Ihrem Haus, sondern auch in Ihrer Nachbarschaft ist viel im Wandel. Sie sind zusammen mit Alexis von Poser Sprecherin der Lenkungsgruppe des Forschungscampus, der in Dahlem entstehen soll. Was wird auf dem Forschungscampus passieren und was bedeutet das für das IfM?

Rahemipour: Es gibt eine Lenkungsgruppe, die Institutionen und Häuser repräsentiert, die im Forschungscampus Dahlem eine Rolle spielen werden. Das sind neben dem IfM im Moment das Rathgen-Forschungslabor, das Museum Europäischer Kulturen, die Kunstbibliothek, das Ibero-Amerikanische Institut, das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Diese Lenkungsgruppe soll zunächst einmal grundsätzlich überlegen: Was wird der Forschungscampus? Was kann er sein? Womit soll er ausgestaltet werden? Es geht dort noch nicht um Governance-Strukturen, sondern um Inhalte. Wir wollen herausfinden, was der gemeinsame Nenner von uns allen ist und wie wir ihn am besten umsetzen können. Wir warten nicht darauf, bis der Forschungscampus fertig gebaut ist und schauen erst dann, was wir dort einbringen werden. Sondern wir fangen heute schon an, ihn zu denken, ihn zu bespielen und auch mal zu schauen, was bisher nicht so gut läuft. Wie kann man bestimmte Formate, die man ausprobiert hat und von denen man gemerkt hat, dass sie nicht wirkkräftig genug sind, verbessern? Wie kann man es im zweiten Schritt besser machen? Ich glaube, das ist auch eine Chance für das IfM, einen Ort zu entwickeln. Ich habe von Anfang an gesagt, auch als ich die neue Leiterin wurde: Das IfM braucht einen Ort! Wir müssen einen Ort verankern, wo wir Formate und Ähnliches etablieren können und ich glaube, dazu ist der Forschungscampus sehr geeignet.

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