Die „Township Wall“: Ein Kunstwerk aus über 100 Einzelteilen zieht um

22.01.2021Die „Township Wall“: Ein Kunstwerk aus über 100 Einzelteilen zieht um

Ursprünglich wurde die Berliner Version der Installation „Township Wall“ von António Ole 2001 für die Ausstellung „The Short Century“ im Gropiusbau geschaffen. Danach wurde sie in Dahlem und zuletzt in der Sonderausstellung „Hello World“ im Hamburger Bahnhof gezeigt. Jetzt hat sie im Humboldt Forum ein neues Zuhause gefunden. Eva Ritz, Restauratorin am Ethnologischen Museum, leitete den Aufbau.

Die Fragen stellte Stefan Müchler

Moderne Wandinstallation, vor der drei Menschen eine Platte tragen
© SPK / Stefan Müchler

Was waren die Herausforderungen beim Umzug und Aufbau im Humboldt Forum?

Eva Ritz: Um die 14 Meter lange Installation oder „Township Wall“, die aus über 100 Einzelteilen besteht, überhaupt im Humboldt Forum präsentieren zu können, war es erforderlich sie um zwei Meter zu kürzen. Die zuständige Kuratorin Paola Ivanov setzte sich dazu in der Planungsphase der Ausstellung mit António Ole in Verbindung und er stimmte sowohl der Kürzung als auch einem Gastaufenthalt bei uns im Museum zu. Zusammen mit einem Team konnten wir so 2018 die Umgestaltung der Installation, die Dokumentation und die Restaurierung angehen.

Eine meiner größten Befürchtungen war, dass wir nachher dieses Riesenpuzzle nicht mehr präzise in all seinen Überlappungen zusammengesetzt bekommen. Eine andere Sorge war der Erhalt der vielen unterschiedlichen Oberflächen und Materialien der Einzelelemente, die teilweise sehr vorgeschädigt und fragil waren. Dieses Erscheinungsbild von verfallenen, abgebauten oder korrodierenden Flächen und bereits verwendeten Teilen ist aber andererseits von António Ole sehr erwünscht.

Moderne Wandinstallation, vor der zwei Frauen stehen, eine auf einer Leiter
© SPK / Stefan Müchler

Für die Restaurierungs- und Dokumentationsarbeiten konnte wir die freiberufliche Kollegin Nicola Müller gewinnen, die auf zeitgenössische Kunst spezialisiert ist. Sie und ihre Mitarbeiterin haben die Township Wall sowohl vor, als auch nach der Kürzung in allen Details so präzise dokumentiert und eingemessen, dass wir auch in der Lage wären, die längere Dahlemer Version exakt wiederaufzubauen. António Ole war während der Umbau-Zeit immer vor Ort und hat bestimmt, welches Einzelteil verwendet wird und welches entfällt. Er hat natürlich nicht einfach zwei Meter abgeschnitten, sondern eher eine verdichtete, neukonstruierte Version des Vorgängers geschaffen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit diesem bedeutenden zeitgenössischen Künstler?

Für uns im Ethnologischen Museum war nicht nur die Zusammenarbeit mit António Ole ein ganz beeindruckendes Erlebnis, er hat uns das Werk sogar geschenkt! Den Umbau haben wir filmisch begleitet und mit einem Künstlerinterview ergänzt. Er zeigt sowohl ein persönliches Bild von António Ole und seinem umfangreichen Schaffen, ermöglicht aber auch einen kleinen Blick in die nichtöffentlichen Arbeitsbereiche des Museums. Der Film wird erstmals im Humboldt Forum zu sehen sein.

Auch konservatorische Fragestellungen zu Festigungen von Oberflächen oder Austausch bestimmter technischer Komponenten konnten wir im Rahmen seines Aufenthalts sofort mit António Ole besprochen werden, aus restauratorischer Sicht war dieses eine ideale Situation.

Moderne Wandinstallation
© SPK / Stefan Müchler

Was ist das besondere an der Township Wall? Wie ist sie entstanden?

António Ole hat mehrere „Township Walls“ in verschiedenen Städten rund um den Erdball geschaffen. Dazu hat er immer lokale Materialien verwendet, die eigentlich als Sperrmüll, Schrott oder Abfall betrachtet wurden. Für die Berliner „Township Wall“ war er im Vorfeld der von Okwui Enwezor im Gropiusbau kuratierten Ausstellung „The Short Century“ auf Recycling-Höfen rund um Berlin unterwegs und hat Material gesammelt. Es zeigt sich so auch ein Art Abbild einer Stadt oder wie Nadine Siegert herausstreicht, eine Art Haut einer Stadt. Wir haben hier zum Beispiel eine Reihe von klassischen Berliner Altbaufenstern, wie sie vielleicht viele noch aus der eigenen Wohnung kennen. Der portugiesische Titel des Werkes „Margem da Zona Limite“ oder „Am Rande der Grenzzone“ für das Werk, das die erste „Township Wall“ mit einschloss und für die Johannesburg-Biennale von 1995 gebaut wurde, weckt auch noch eine Reihe von anderen Assoziationen. Er ist ein Verweis auf die rätselhafte, metaphysisch beladene „Zone“ im Film „Stalker“ des russischen Regisseurs Andrei Tarkowski und zugleich auf die Erfahrungen aus dem angolanischen Bürgerkrieg

Wie gefällt Ihnen der neue Standort der Township-Wall im Humboldt Forum?

Nachdem ich das Werk an verschiedenen Orten gesehen habe, muss ich sagen, dass es hier in diesem speziell auf die „Township Wall“ zugeschnittenen Ausstellungsbereich wirklich sehr präsent ist und den Raum ganz entscheidend prägt und durchdringt. Selbst die Farbgestaltung der Rückwand ist mit António abgestimmt und so können wir dem Besucher dieses eindrucksvolle Schlüsselwerk von Ole deutlich großzügiger und lichter präsentieren, als es am alten Standort in Dahlem möglich war.

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