„Online-Banking“ mit dem Alten Fritz

News vom 04.06.2018

Ein Digitalisierungsprojekt macht die Schatullrechnungen Friedrichs des Großen online zugänglich. Rund 20.000 Einzelposten geben Auskunft darüber, wofür im friderzianischen Preußen Geld ausgegeben wurde und wie es um die Zahlungsmoral stand.

Schatullrechnung
Schatullrechnung CC BY-NC-SA 3.0 DE| Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und das Geheime Staatarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) haben die 2011 veröffentlichte kommentierte Online-Edition der Schatullrechnungen Friedrichs des Großen (1712-1786) in Kooperation mit perspectivia.net, der Publikationsplattform der Max Weber Stiftung, und dem Research Center Sanssouci (RECS), um rund 1500 verloren geglaubte Belege ergänzt. 

Die Schatullrechnungen, die „Kontoauszüge“ Friedrichs II. (des Großen), sind wichtige Quellen zu den Finanzen des Königs und zum friderizianischen Preußen überhaupt. Sie geben Auskunft über Friedrichs Ausgaben sowie seine persönlichen Vorlieben. Die rund 20.000 Einzelposten sind seit dem Launch der Online-Edition 2011 auf perspectivia.net frei verfügbar; transkribiert, digitalisiert und durchsuchbar. 

In Gegensatz zu den Rechnungen, die sich im GStA PK erhalten haben, galten die Belege der Zahlungen nach der Zerstörung des ehemals Königlichen Hausarchivs in Berlin-Charlottenburg als unrettbar verloren. 

Dem ehemaligen Direktor des Märkischen Museums, Walter Stengel (1882-1960), ist es zu verdanken, dass diese wertvollen Quellen den Brand des Hausarchivs überdauerten. Stengel fertigte in sieben Notizheften Abschriften eines Teils der Belege an. Diese Abschriften sind nun vollständig erschlossen und in die Edition der Schatullrechnungen eingearbeitet worden.

Nach Digitalisierung, Transkription, Kommentierung und Übertragung in ein neues Editionssystem werden diese bedeutenden Quellen für die preußische Geschichte und Kunstgeschichte jetzt frei zugänglich sein. Beispielsweise können als nicht sicher zugeschriebene Kunstwerke oder deren Schöpfer nun identifiziert werden, und es zeigt sich auch: Friedrich der Große nahm es nicht immer so genau mit der Zahlungsmoral. Ganze vier Jahre etwa musste ein Tischler darauf warten, für sein Werk entlohnt zu werden. Man musste es sich also auch leisten können, für den König von Preußen zu arbeiten. 

Die erweiterte und überarbeite Online-Edition der Schatullrechnungen ist ab sofort bei perspectivia.net verfügbar. Das Gesamtprojekt erfolgte mit großzügiger Unterstützung der Stapp-Stiftung sowie der Stiftung „pro Sanssouci“. 

Weiterführende Links:

Schatullrechnungen online 

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