Wüstenschloss Qasr al-Mschatta der Öffentlichkeit übergeben

  • News vom 19.05.2014

    Am 18. Mai 2014 übergaben Vertreter Deutschlands und Jordaniens im Rahmen eines Festakts das restaurierte Wüstenschloss Qasr al-Mschatta der Öffentlichkeit.

    7 Personen durchtrennen ein rotes BandFeierliche Übergabe durch (v.r.n.l.): Staatsekretär Steinlein, Prinzessin Sumaya bint El-Hassan, Prinz Hassan ibn Talal, Minister Nidal Katamine, Dr. Dorothee Dzwonnek (Generalsekretärin der DFG) und Hermann Parzinger © Hans-Dieter Bienert

    Das frühislamische Wüstenschloss Qasr al-Mschatta liegt 30 Kilometer südlich der jordanischen Hauptstadt Amman. Im Rahmen eines deutsch-jordanischen Forschungsprojekts wurde die Palastanlage seit 2009 erforscht und restauriert. Projektträger waren die Technische Universität Berlin, die Staatlichen Museen zu Berlin und die Antikenverwaltung des Königreichs Jordanien. Das Forschungsprojekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 850.000 Euro gefördert und ist damit eines der größten in der Region. Das Restaurierungsprojekt wurde vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Kulturhilfe finanziert und ist mit ca. 500.000 Euro ausgestattet.

    Qasr al-Mschatta wurde Mitte des 8. Jahrhunderts errichtet und ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühislamischen Kunst und Kultur überhaupt. Herausragend ist der detailreiche Baudekor der Hauptfassade. Diese gelangte bereits 1903 als Geschenk des Sultans Abdulhamid II. an Kaiser Wilhelm II. in die Berliner Museen. Heute ist sie das Prunkstück des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum.

    Während die Mschatta-Fassade in Berlin im vergangenen Jahr von fast einer Million Besuchern bestaunt wurde, blieb der Originalort in Jordanien bisher wenig beachtet und war durch Verfall und Plünderung erheblich gefährdet. Die jetzige Restaurierung in Jordanien und die künftige Neuaufstellung der Mschatta-Fassade in Berlin im Nordflügel des Pergamonmuseums sind Teil einer engen Kooperation beider Länder im Sinne der gemeinsamen Verantwortung für Kulturgut an zwei Orten („shared heritage“).

    Die seit 2009 durchgeführten archäologischen und bauhistorischen Forschungsmaßnahmen an der Ruine in Jordanien waren die umfangreichsten, die dort seit der Wiederentdeckung 1873 überhaupt stattgefunden haben. Sie brachten bedeutende Erkenntnisse zur Datierung, Ausstattung und Nutzung der Anlage. Demnach wurde sie unter dem omayyadischen Kaliphen Walid II. errichtet, jedoch nur zu einem Drittel fertig gestellt. Die einzigartige bauliche Anlage und das prächtige Baudekor vereinen markante Einflüsse aus Rom, Byzanz, Persien und der Kopten, aber auch völlig eigenständige künstlerische und technologische Neuentwicklungen. Dieses zusammen ergibt ein deutliches Statement der Omayyaden als absolut moderne, international denkende und hochgradig innovative Herrscher und Förderer der Künste.

    Aufbauend auf den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung wurde die Anlage des Wüstenschlosses Qasr al-Mschatta langfristig denkmalpflegerisch gesichert. Darüber hinaus wurden Teile der im 9. Jahrhundert eingestürzten Bögen des Hauptpalastes aus dem Originalmaterial wieder aufgerichtet und so die „Lesbarkeit“ der Gesamtanlage deutlich gesteigert. Die Instandsetzung der 150 m langen westlichen Außenmauer und die Ergänzung der ausgeraubten Grundmauern machen den historischen Grundriss wieder sichtbar. Die Maßnahmen folgten den denkmalpflegerischen Maßgaben der „Charta von Venedig“. Ein Informationssystem für die Besucher und ein Lapidarium vermitteln Ergebnisse der Forschung am Ort. So wurden die Voraussetzungen für die Einbindung der Palastanlage in ein touristisches Erschließungskonzept und die Eintragung in die Welterbe-Liste der UNESCO geschaffen.

    Die Mschatta-Fassade im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum ist im Gesamtzusammenhang der Museumsinsel seit 1999 in die Welterbeliste der UNESO aufgenommen. Das Hashemitische Königreich Jordanien hat die Ruinenstätte des Qasr Mshatta 2001 auf die Tentativliste der UNESCO setzen lassen.

    Das Projekt war von dem verstorbenen Antikendirektor Dr. Fawwaz al-Kraysheh und vom Vizepräsidenten der SPK Prof. Günther Schauerte initiiert worden; die wissenschaftliche Begleitung und Durchführung auf jordanischer Seite lag bei den Wissenschaftlern Dr. Ghazi Bisheh und Prof. Moawyah Ibrahim, auf deutscher Seite bei  Prof. Dr. Johannes Cramer (TU), Dr. Barbara Perlich (TU), Prof. Dr. Claus-Peter Haase (SPK) und Prof. Dr. Stefan Weber (SPK).

    Projektbeteiligte

    Antikenverwaltung des Haschemitischen Königreichs Jordanien
    Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
    Technische Universität Berlin
    Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin
    Deutsche Forschungsgemeinschaft
    Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft, Amman

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