Happy End nach 74 Jahren: Menzels „Dame im Coupé“ und „Schutzmann im Winter“ wieder zurück im Kupferstichkabinett

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Press release from 03/22/2019

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Die beiden Werke „Dame im Coupé“ und „Schutzmann im Winter“ galten seit ihrer Auslagerung im Zweiten Weltkrieg als verschollen. Nun gelang dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin die sensationelle Rückgewinnung der beiden Blätter Adolph Menzels (1815–1905).

Rund 74 Jahre nach ihrem Verschwinden werden die beiden Werke 2019 erstmals wieder öffentlich präsentiert: ab April in einer Ausstellung neu erworbener Werke des Kupferstichkabinetts und ab September in der großen Sonderausstellung „Menzel. Maler auf Papier“. Mit der „Dame“ hat der „Herr im Coupé“, der ebenfalls zur Sammlung des Kupferstichkabinetts gehört, seine Partnerin wiedergewonnen.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte: „Solche Werke, deren Schicksal Jahrzehnte lang im Dunkeln lag, wieder in den Sammlungen zu wissen und der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, erzeugt ein Gefühl großen Glücks. Wir sind sowohl dem Voreigentümer als auch dem Vermittler außerordentlich dankbar für diesen Schritt und das Entgegenkommen.“

Die Rückgewinnung wurde durch den Kunstvermittler Sascha Tyrra ermöglicht. Er betonte: „Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass trotz anfangs konträrer Auffassungen seitens der Eigentümer und der SPK am Ende eine für beide Seiten attraktive Lösung gefunden werden konnte. Die Übergabe dieser bedeutenden Werke Adolph Menzels war für mich eine wahre Freude; nicht zuletzt auch aufgrund der großen Begeisterung aller beteiligten Mitarbeiter des Kupferstichkabinetts. Der Fall zeigt einmal mehr: Kunstmarkt und Museumslandschaft müssen sich keineswegs ausschließen, sondern können maximal voneinander profitieren!“

Kernstücke der Menzel-Sammlung des Kupferstichkabinetts

„Dame im Coupé“ und „Schutzmann im Winter“ sind sowohl aufgrund ihrer kunsthistorischen Bedeutung als auch sammlungsgeschichtlich absolute Highlights.

Das Bilderpaar „Dame im Coupé“ und „Herr im Coupé“ zeichnete Menzel im Jahr 1859 in der Technik Pastell. Arbeiten in Pastell spielen in Menzels Oeuvre in der Zeit Mitte der 1840er bis Ende der 1850er Jahre eine zentrale Rolle. In dieser Zeit wandte er sich verstärkt dem Malerischen zu. Mit der Pastelltechnik öffnete sich der Zeichner und Graphiker der Farbigkeit. 

Die beiden Reisenden im Coupé bereicherten ab 1907 die damals noch an der Nationalgalerie angesiedelte „Sammlung der Zeichnungen“. Der Bestand umfasste bereits rund 6.000 Werke Adolph Menzels, darunter auch der Nachlass des 1905 verstorbenen Künstlers. Nationalgaleriedirektor Hugo von Tschudi (1851–1911) kaufte die beiden Zeichnungen von dem Münchner Lithograph und Photograph Edgar Hanfstaengl. Die Entscheidung, die Einzelblätter zu einem damals vergleichsweise hohen Preis anzukaufen, lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sie als in hohem Maße museumswürdig und für die Sammlung als unverzichtbar eingestuft wurden.

Der „Schutzmann im Winter“ gelangte schon 1891 in die Sammlung. Das Werk gehörte zum Vermächtnis von Theodor Wagener, dem Sohn des Konsuls Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, des Stifters der Nationalgalerie. Theodor Wagener vermachte dem noch jungen Museum ein Konvolut von rund 1.300 Kunstwerken – darunter den „Schutzmann im Winter“. Das Werk zeigt ein typisches Sujet Menzels, einen Ausschnitt des zeitgenössischen städtischen Lebens. Die Gouache entstand vermutlich um 1860, in einer Zeit, als Menzel zunehmend in Gouache bzw. Mischtechnik auf Papier arbeitete. 

Wegen der Bombardierungen Berlins wurden die Werke 1941 in den Tiefkeller der Reichsbank ausgelagert. Seit 1945 galten „Schutzmann“ und „Dame“ wie zahlreiche andere Werke als Kriegsverlust. Der „Herr im Coupé“ hingegen war in die Obhut des Museums zurückgekehrt, wodurch der Verlust seines Gegenstücks umso schmerzlicher spürbar war. 

Im Jahr 2014 gab es erste Anzeichen, dass „Schutzmann“ und „Dame“ nicht zerstört worden waren. Der westfälische Kunstvermittler Sascha Tyrra hatte von seinen Mandanten den Auftrag zur Veräußerung beider Werke erhalten und Kontakt mit dem Kupferstichkabinett aufgenommen. Als 2018 im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung „Menzel. Maler auf Papier“ die Gespräche wieder aufgenommen wurden, war der Weg zur Rückgewinnung geebnet. Seit Januar 2019 sind die beiden Meisterwerke Menzels nun wieder zurück im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, zu dem die „Sammlung der Zeichnungen“ heute gehört.

Anna Pfäfflin, die zuständige Kuratorin, sagt über die erfolgreiche Rückgewinnung: „Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind die zentralen Aufgaben des Museums. Dass es nun gelungen ist, der Sammlung, wie sie einst von unseren Vorgängern Max Jordan und Hugo von Tschudi angelegt und im Zweiten Weltkrieg zerrissen wurde, zwei so bedeutende Mosaiksteine wieder hinzufügen zu können, erzeugt bei allen Beteiligten große Dankbarkeit und Demut – und ist Anlass zur Feier im Rahmen öffentlicher Präsentationen.“

Dagmar Korbacher, Direktorin des Kupferstichkabinetts, kommentiert: „Nach 74 Jahren der Ungewissheit hat der ‚Schutzmann‘ seinen Posten im winterlichen Berlin wieder bezogen, hat die ‚Dame‘ den Sitzplatz neben ihrem gähnenden Reisegefährten wieder eingenommen. Aus konservatorischen Gründen können wir sie nicht wie ehemals dauerhaft zeigen, doch ich freue mich sehr darauf, sie in unseren beiden großen Ausstellungen 2019 zu präsentieren.“

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