Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.


Forschungsnewsletter 03/2025

SPK-Forschungsnewsletter

Liebe Leser*innen,

„Mein Mitbewohner hat mir heute wieder ein Loch in den Schrank gehackt,“ ist ein Satz, den man vermutlich auch in den schrägsten Berliner Wohngemeinschaften nur selten hört. In der Wohnung der Heinroths hätte er hingegen vermutlich nur Schulterzucken hervorgerufen, denn ihre geflügelten Mitbewohner*innen hatten einige seltsame Angewohnheiten. Über tausend Vögel bewohnten die Casa Heinroth zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast 30 Jahre lang – vom Buntspecht bis zum Seeadler. Was bei Vermieter*innen und Artenschützer*innen heute großes Entsetzen auslösen dürfte, markierte die Grundlage der Verhaltensforschung in Deutschland, wie die beiden Kuratorinnen der Sonderausstellung „Die Vogel-WG“ im Stabi Kulturwerk in den ForschungsFRAGEN erklären. Woran sonst noch diesen Sommer in der Stiftung geforscht wird, erfahren Sie hier.

Ihre SPK-Online-Redaktion

Grundlagenforschung

Vase in einem Museum
Foto: GStA PK / C. Ziegler

Wieviel Alexander von Humboldt steckt in der SPK?

Der reisende Forscher und preußische Strippenzieher ist eine Art Säulenheiliger der SPK. Nicht ohne Grund, wie die Archivarin Ingrid Männl in ihrem neuen Buch zeigt: Darin wird klar, wie viel Humboldt für die Sammlungen getan hat. Ausgehend von seinen Briefen und Gutachten im Geheimen Staatsarchiv geht es auf Entdeckungsreise durch Museen, Bibliotheken und Archive der Stiftung. mehr
Präsentation der Fanfare in einem Schriftmusterbuch (1927)
Foto: SBB-PK 

Lirum larum lorem ipsum: Von der Kunst der Schriftmusterknaben

Wie elegant sah die "Caprice" aus, wie zackig die "Fanfare"? Schriftmusterbücher sind quasi die Neuronen jenes nationalen Schriftgedächtnisportals, das Staatsbibliothek und Kunstbibliothek in ihrem Kooperationsprojekt zum typografischen Kulturerbe aufbauen wollen. Denn: Gute Typografie ist eine Kunst – und eine Wissenschaft. mehr

Abbildung in einem Kinderbuch: Menschenmenge auf einem Jahrmarkt sammelt sich um Guckkasten
Foto: SBB-PK 

Warum das Kinderbuch unbedingt erforscht werden muss

Seit fast 75 Jahren gibt es in der Stabi eine Kinderbuchabteilung. Warum das für Forscher*innen höchstspannend ist, wie Reformpädagogik und Schundbegriff zusammenhängen und wieso es keinen Harry Potter ohne E.T.A. Hoffmann gegeben hätte, erzählt Sebastian Schmideler, der seit 2024 die Abteilung leitet.  mehr

Forschung digital

Menschen an einer Mitmachstation im Museum
Foto: SIMPK / Anne-Katrin Breitenborn

Hörst du noch oder fühlst du schon?

Wie lässt sich Musik sehen, spüren – vielleicht sogar malen? Welche Rolle spielen unsere Sinne, wenn wir Musik erleben und verstehen? Diesen Fragen geht das Projekt sense:ability des SIM nach, das am Internationalen Museumstag 2025 dem Publikum vorgestellt wurde. mehr

Einzelne Ausschnitte von Notenblättern
Foto: Landesarchiv BW, CC-BY-4.0-Lizenz

Grafische Partituren der Nachkriegsavantgarde

Neuartige ästhetische Interessen und das Aufkommen elektronischer Musik und der Tonbandtechnik rückten grafische Partituren in den Fokus von Komponisten wie John Cage oder Karlheinz Stockhausen. Der Komponist und Musikwissenschaftler N. Andrew Walsh forschte im Frühjahr 2025 am SIM zu dem Thema – bislang eine Lücke in der Interpretationsforschung Neuer Musik. mehr

Internationale Zusammenarbeit

Zwei Männer vor Bücherregal
Foto: SMB / Christian Krug

Krimtatarische Kultur im MEK 

Seit der Annexion der Krim durch Russland ist die kulturelle Identität der Krimtataren akut bedroht. Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) will mit Partner*innen aus der Ukraine nun Objektkonvolute ihrer einzigartigen Sammlung krimtatarischer Alltagskultur näher erforschen. mehr

Vortragende in einer Bibliothek
Foto: IAI

Food for Justice: Wie (un)gerecht ist unser Ernährungssystem?

Renata Motta (HCIAS, Universität Heidelberg) und Facundo Martín (CONICET, Universidad Nacional de Cuyo) forschen zu Transformationen in unserem Ernährungssystem. Ein Interview anlässlich einer Veranstaltung im IAI zur Rolle von Koalitionen für sozioökologischen Wandel. mehr

Detailausschnitt einer historischen Karte
Foto: GStA PK / C. Ziegler

Preußen in der Schweiz

Neuchâtel war von 1707 bis 1848 ein preußisches Fürstentum, gleichzeitig aber auch ein Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Ein Schweizer Verein finanziert aktuell die Erschließung preußischer Archivalien, die sich auf diese Zeit beziehen. Das vom Verein Association Neuchâtel-Berlin getragene Projekt wird fachlich vom Geheimen Staatsarchiv sowie dem Staatsarchiv Neuchâtel begleitet. mehr

Nicht verpassen!


Zwei Personen vor einem Gemälde im Museum
Foto: SMB / Valerie Schmidt

Jetzt buchbar: Neues Akademieprogramm für das zweite Halbjahr 2025

Die Vortragsreihen im Vortragssaal des Kulturforums laden zu intensiven Auseinandersetzungen mit kunst- und kulturhistorischen Themen ein. Sie öffnen den Blick über die Sammlungen und Sonderausstellungen der Staatlichen Museen am Kulturforum Berlin hinaus. Die begleitenden Werkbetrachtungen führen in die Museen. Die Gesprächsreihen finden direkt in den Sammlungen vor den Originalen statt. mehr
Zweigeteiltes Bild: Oben mittelalterliche Handschrift, unten der transkribierte Text
Foto: SBB-PK

Fr, 22.8.2025, 18 Uhr: Podiumsdiskussion „Schriftkulturen des Mittelalters in digitaler Perspektive“

Die öffentliche Podiumsdiskussion mit Teilnehmenden aus Forschung, Hochschullehre und Kulturerbeeinrichtungen widmet sich – im Rahmen eines Cross-NFDI-Graduiertenworkshops an der Staatsbibliothek – den neuen digitalen Arbeitsmethoden in der geisteswissenschaftlich-mediävistischen Forschung, in der universitären Lehre sowie in Bibliotheken und Museen. mehr
Historische Handschrift
Foto: GStA PK / C. Ziegler 

Mi, 27.8.2025, 18 Uhr: Archivalienpräsentation „Preußen 500“

Am 10. April 1525 huldigte der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, König Sigismund I. von Polen. Damit endete die jahrhundertelange Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen und Albrecht erhielt das neu geschaffene Herzogtum Preußen als erbliches Lehen vom König von Polen. Anlässlich dieses epochalen Ereignisses vor 500 Jahren lädt das Geheime Staatsarchiv zur Präsentation originaler Quellen und wissenschaftlicher Kurzvorträge ein. mehr
Grafik: culture. explore(data)
Foto: SBB-PK

Di/Mi, 7./8.10.2025: Hackathon „culture.explore(data)“

Der zweitägige Open Cultural Data Hackathon an der Staatsbibliothek zu Berlin lädt zur Entwicklung digitaler Projekte auf Basis offener Kulturdaten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Universität Oxford ein. Teilnahme für alle Erfahrungsstufen möglich. Anmeldung bis 15. September. mehr
Porträt einer Frau
Foto: Bushakevitz

Sa/So, 18./19.10.2025, 9 Uhr: Musiklabor „Stimme der Brahmszeit“

Wie klang der Liedgesang zur Zeit von Johannes Brahms und Clara Schumann, zur Zeit der „Erfindung“ des Liederabends? Führende Fachleute aus den Bereichen Gesang, Liedbegleitung, Musikwissenschaft und Stimmphysiologie treffen sich dazu im SIM. Die Liedinterpretin Anna Lucia Richter und der Pianist Herbert Schuch gestalten das künstlerische Programm. mehr
Historisches Werbeplakat für Kaffeetabletten: Blaue und weiße Schrift sowie Darstellung einer Tablettenverpackung
Foto: SMB / Kunstbibliothek

Fr/Sa, 21./22.11.2025: Symposium „Sture Muster: Kolonialnarrative in der Bildwerbung“

Gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum veranstaltet die Kunstbibliothek das Symposium „Sture Muster: Kolonialnarrative in der Bildwerbung“. Es spürt den Ursprüngen kolonialer Narrative in Bildwerbung aus der Hochphase des Kolonialismus um 1900 sowie ihren Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert nach. Forschende aller relevanten wissenschaftlichen und praktischen Disziplinen sind herzlich eingeladen, bis 1. September einen 20-minütigen Vortrag einzureichen. mehr

ForschungsFRAGEN

Schwarz-weiß Foto: Mann betrachtet einen Kranich
Foto: Oskar und Magdalena Heinroth, © Klaus Nigge 

Wie passen über 1000 Vögel in eine Mietwohnung?

Gabriele Kaiser und Katrin Böhme aus der Stabi beantworten Ihre Fragen zur unglaublichen Geschichte von Oskar, Magdalena und Katharina Heinroth, die Anfang des 20. Jahrhunderts in ihrer Berliner Mietwohnung die Küken von 250 verschiedenen Vogelarten aufzogen und wissenschaftlich erforschten – vom winzigen Zaunkönig bis zum riesigen Seeadler. mehr

Noch Fragen?

Der Historiker Matthias Thaden arbeitet seit 2021 am Museum Europäischer Kulturen. Dort forscht er zur Sammlungsgeschichte und zur Provenienz von Foto- und Objektbeständen aus Ost- und Südosteuropa. Dies betrifft etwa die Sammlung Küppers, die zwischen 1935 und 1939 vom Journalisten Gustav Adolf Küppers gesammelt wurde und deren Herkunft, Erwerbsbedingungen und ideologische Einbettung derzeit untersucht wird. Zugleich befasst Thaden sich mit verschiedenen alltagsgeschichtlichen Sammlungskonvoluten aus Polen sowie aus der heutigen Ukraine und fragt nach den Möglichkeiten ihrer Aufarbeitung und Präsentation. Was möchten Sie von Matthias Thaden wissen? Schreiben Sie uns Ihre Frage bis zum 15. September 2025 per E-Mail.

Publikationen

Mann liest Notenblatt, eine Frau im Hintergrund betrachtet ihn
© SIMPK

Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert (Band 4)

Mit dem 4. Band ist das große Publikationsprojekt des Staatlichen Instituts für Musikforschung abgeschlossen. Es widmet sich den maßgeblichen Personen, aber auch den Stilen und vielfältigen Konzepten von Interpretation. Heroen und Heroinen der Interpretationsgeschichte erscheinen eingebunden in die Horizonte ihrer Generationen und ihres interpretatorischen Umfelds. mehr
Cover Mecila Working Paper No. 84
© IAI

Mecila Working Paper (No. 84): Restitution and Postcolonial Justice

In einem Working Paper zum Thema „Restitution and Postcolonial Justice“ analysiert Julia von Sigsfeld Restitutionsprozesse von Kulturgütern im postkolonialen Kontext. Im Zentrum steht ein dialogischer Ansatz, der Museen und Herkunftsgesellschaften auf Augenhöhe einbindet. Erschienen ist das Working Paper in der Reihe des internationalen Verbundprojektes Mecila (BMFTR, 2020-2026). mehr

Entdeckungen

Historisches Notenblatt
Foto: SBB-PK

Felix verleiht Flügel! – Eine bisher unbekannte Quelle zu einem bekannten Mendelssohn-Lied

Zu den Liedern Felix Mendelssohn Bartholdys, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen, gehört die Vertonung des Gedichtes „Auf Flügeln des Gesanges“ von Heinrich Heine. Wann genau das Lied aber entstanden ist, war bisher nur indirekt zu erschließen, da das Kompositionsautograph nicht bekannt war. Diese wichtige Quelle konnte die Staatsbibliothek nun aus Privatbesitz erwerben. Datiert auf „Düsseldorf, den 22ten April 1835“, dokumentiert das Blatt die intensive kompositorische Arbeit Mendelssohns insbesondere an der Melodielinie der Singstimme. Auf der Rückseite findet sich ein Hinweis zur Überlieferungsgeschichte der Entdeckung. mehr