Knapp 100.000 Euro Förderung für Erhalt von schriftlichem Kulturerbe in der SPK

  • News vom 14.08.2017

    „Ostpreußische Folianten“ und „Schriftkunst“ erhalten Schutz

    Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz erhält aus dem „Sonderprogramm 2017 zur Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes“ von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine Förderung von 50.000 Euro zum Schutz der „Ostpreußischen Folianten“. Rund 40.000 Euro erhält die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin für die Restaurierung und Konservierung einer Sammlung von Schriftkunst in einem Modellprojekt der Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts (KEK). In beiden Fällen werden die Fördermittel durch Eigenmittel ergänzt.

    Hermann Parzinger, Präsident der SPK: „Pflege und Erhalt von schriftlichem Kulturgut sind in unseren Archiven und Bibliotheken ein großes Thema. Ich freue mich, dass wir dank der Förderung durch die KEK die Arbeit an zwei wichtigen Bestandsgruppen angehen können.“

    Ostpreußische Folianten im Geheimen Staatsarchiv PK

    Die rund 16.800 Ostpreußischen Folianten (16.-18.Jh.) des Geheimen Staatsarchivs PK sind unschätzbar reiche Quellen für die Geschichte des Herzogtums, dann Königsreichs Preußens bzw. der späteren Provinz Ostpreußen. Sie stammen aus den Registraturen von Königsberger Behörden, die ihr Schriftgut nach alten Traditionen in solchen „Folianten“ organisierten, einer Übergangsform zwischen spätmittelalterlichen Amtsbüchern und frühneuzeitlichen Akten. Damit haben sie auch formal großen archivgeschichtlichen Wert. Derzeit stehen sie in langen Reihen im Magazin des GStA PK.

    Ulrike Höroldt, seit 1. August 2017 Direktorin des GStA PK, erklärt: „Im Rahmen des Projektes werden die Bände nun gereinigt und konservatorisch angemessen zur Aufbewahrung verpackt. Die Förderung, die wir mit Eigenmitteln ergänzen, bestätigt auch die Anstrengungen, die in den letzten Jahren für die Restaurierung und Konservierung von Archivgut am Haus unternommen wurden.“

    Die großformatigen und besonders starkleibigen Folianten werden maßbezogene Spezialverpackungen aus langzeitstabilen, archivgerechten Wellpapp-Boxen erhalten. Wie bisher ist auch weiterhin eine stehende, nun aber schonende Lagerung vorgesehen, da die Buchblöcke durch die maßbezogen umschließende Verpackung stabilisiert werden. Die kleineren Bände in gängigen „Buchgrößen“ werden hingegen zukünftig in der archivischen Standardlagerung aufbewahrt: liegend in einem Archivkarton, zum besonderen Schutz eingeschlagen in eine langzeitstabile „Jurismappe“. Durch die normgerechten Verpackungen sind die Folianten künftig vor Licht und Staub geschützt und können im Sinne der Archivgesetze konservatorisch optimal auf Dauer aufbewahrt werden.

    Schriftkunst in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin

    Die Bestandsgruppe „Schriftkunst“ in der Kunstbibliothek wurde in den Jahren 1880-1930 aufgebaut. Als Vorbildersammlung für Typographie und Schriftgestaltung umfasst sie Beispiele für Schrift als künstlerische Ausdrucksform. Der konservatorische Zustand der Objekte lässt eine Benutzung im Studienbetrieb in den meisten Fällen nicht mehr zu, obwohl die Sammlung bis heute für Forschung und Lehre vorgesehen ist, insbesondere für den Studiengang „Visuelle Kommunikation“.

    Joachim Brand, Leiter der Kunstbibliothek, erklärt: „Die jahrelange intensive Nutzung ist der Sammlung anzusehen: Verschmutzungen, Risse und Fehlstellen sind nur einige der entstandenen Schäden. Auch veraltete Methoden der Objektmontage haben die Schriftträger und die Schreib- und Malmittel in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Restaurierung können wir sie nun wieder dauerhaft zugänglich machen.“

    Die Bestandsgruppe „Schriftkunst“ umfasst vor allem seltene handschriftliche Unikate – von karolingischen Minuskeln bis zur Kalligrafie des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Kulturkreisen, darunter auch herausragende Beispiele islamischer Schriftkunst. Es finden sich auch viele Bei-spiele von Schriftzeichnung in besonderen Formaten, etwa ausgeschnittene Initialen und Seiten mittelalterlicher Handschriften oder Schriftmuster auf Urkunden, Lehrbriefen, Albumblättern und Wandsprüchen. Diese zeigen eine ungewöhnlich große Vielfalt an verwendeten Materialien und angewandter Techniken – Pergament, Papier, Tinte, Farbpigmente, Blattgold, Collagen, Holzschnitte, Zeichnungen, Buchdruck und vieles mehr.

    In dem Projekt soll ein Teil dieser verschiedenartigen Objekte modellhaft so bearbeitet werden, dass Schadensursachen entfernt werden, mechanische Schäden behoben und durch den Einsatz neuer Materialien die Objekte vor beschleunigter chemischer Zersetzung bewahrt werden. Unabhängig von dem Modellprojekt werden zahlreiche weitere Objekte der Bestandsgruppe konservatorisch und restauratorisch bearbeitet werden. Auch eine Digitalisierung ist geplant.

    Erhalt von schriftlichem Kulturgut in der Staatsbibliothek

    Mit der Ansiedlung der bundesweit agierenden Koordinierungsstelle für die Erhaltung des Schriftlichen Kulturguts, KEK, im Jahr 2011 in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz haben die Träger der KEK, der Bund und die Kulturstiftung der Länder, die besondere Expertise der Bibliothek für das Thema Bestandserhaltung unterstrichen. Wie auch in den anderen Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Museen, Archiven und Forschungsinstituten, genießen die präventive Pflege wie auch bestandserhaltende Maßnahmen in der Staatsbibliothek zu Berlin hohe Priorität.

    Aus dem Etat der KEK, mit dem bundesweit insbesondere modellhafte Projekte gefördert werden, konnte im Jahr 2015 ein sehr besonderer Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin behandelt werden: Eine altjavanische Handschrift aus Blättern der Gebang-Palme, ein extrem seltenes Zeugnis früher Schriftlichkeit. Auf den Palmblättern findet sich in Kawi-Schrift ein Text auf Sanskrit mit dem Titel Darma Pātañjala. Darin erläutern die Hindu-Gottheit Bhattara sowie ihr Sohn Kumara die Kosmologie des Shivaismus und das Konzept von Yoga und Karma. Nur wenige Dutzend Gebang-Palmblatthandschriften haben die Zeit überdauert. Die 1407 oder 1467 entstandene Berliner Gebang-Handschrift zählt zu den ältesten Exemplaren weltweit. 

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