G7 kämpfen für kulturelles Erbe

News vom 19.04.2017

Nach dem ersten Treffen der Kulturminister der G7 in Florenz Ende März 2017: Hermann Parzinger über Eckpfeiler im Einsatz für bedrohtes Kulturerbe

Luftaufnahme einer geplünderten Grabungsstätte in Umma Tell Jokha im Irak
© Comando Carabinieri Tutela Patrimonio Culturale

Herr Parzinger, Sie haben Ende März am ersten Treffen der Kulturminister der G7 in Florenz teilgenommen. Zentrales Thema war die Beseitigung des illegalen Handels mit Kulturgütern. Was sind Ihre Eindrücke von diesem Treffen?

Es ist sehr gut, dass die Frage nach dem Schutz des kulturellen Erbes und der Unterbindung des illegalen Handels mit Antiken nun auch bei den G7 Priorität hat. Sicherlich ist das nicht zuletzt eine Reaktion auf die Geschehnisse im Nahen Osten in den letzten Jahren. Bei dem Treffen in Florenz hat sich sehr deutlich gezeigt, dass die G7-Staaten, aber auch internationale Organisationen wie der Europarat, die EU, die UNESCO, ICOM und andere nun endlich an einem Strang ziehen. In vielen Ländern gibt es inzwischen wichtige Maßnahmen, Projekte und  Anstrengungen. Diese bedürfen aber dringend der internationalen Kooperation. Es darf nicht sein, dass illegale Aktivitäten die nationalen Grenzen ignorieren, wir aber mit unseren erfolgreichen Projekten und Vorhaben an eben diesen Grenzen aufgehalten werden.

Deutschland ist Umschlagplatz für illegal gehandelte Kulturgüter. Will man Raubgrabungen und Plünderungen anderswo verhindern, muss man auch hier ansetzen. Welche Möglichkeiten sehen Sie?

Deutschland hat seit letztem Jahr ein neues Kulturgutschutzgesetz. Hier wurden insbesondere die Einfuhrregelungen verschärft. Es ist dadurch nun deutlich schwieriger, Antiken aus illegalen Grabungen nach Deutschland einzuführen. Objekte, die hier gehandelt werden sollen, müssen über einen Herkunftsnachweis und eine Ausfuhrgenehmigung verfügen. Der Handel ist zu Sorgfalt verpflichtet worden. Das sind sehr wichtige Elemente, um illegale Geschäfte mit Antiken einzudämmen.

Der „schwarze“, illegale Handel findet allerdings in der Regel nicht in die renommierten Kunst- und Auktionshäuser Eingang. Bei der potentiellen Käuferschaft muss das Bewusstsein geweckt werden, dass man illegal gehandelte Stücke eben nicht „rettet“. Im Gegenteil: Man leistet der Zerstörung der antiken Stätten am Ursprungsort noch Vorschub, wenn man sie kauft. Darüber hinaus muss endlich, wie es in Italien geschieht, mehr Personal bei den Ermittlungsbehörden eingesetzt werden. Dort gibt es bei den Carabinieri eine Einheit von über 300 auf diesen Bereich spezialisierte Kriminalisten. Bei uns dagegen sind BKA und LKA leider nicht entsprechend ausgestattet – auch das muss sich dringend ändern.

Zu den Aufgaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört der Kulturgutschutz in dem Sinne, dass die eigenen Sammlungen bewahrt und erforscht werden. Was kann eine solche Kulturinstitution tun, um auch jenseits der eigenen Wände das kulturelle Erbe zu schützen?

Die SPK, insbesondere ihre Staatlichen Museen zu Berlin, verfügen über Sammlungen und Objekte aus allen Kontinenten, aus  allen Perioden der Menschheitsgeschichte. Wir haben damit natürlich auch eine besondere Verantwortung: Zuerst müssen wir die Bestände auf ihre Herkunft untersuchen. Auch wenn ein Großteil schon vor über einhundert Jahren in unsere Sammlungen gelangt ist, müssen wir erforschen, ob das unter den damals gültigen rechtlichen Bedingungen erfolgt ist. Denn wir wollen keine illegal in unsere Bestände gelangten Objekte.

Zweitens haben wir moralische und rechtliche Grundlagen für unsere Ankaufspolitik – gekauft wird selbstverständlich nur, was Herkunftsnachweis und Ausfuhrgenehmigung besitzt, seien es antike Objekte oder moderne Kunst. Drittens muss insbesondere im Kontext der Ausstellungen der archäologischen Museen deutlich gemacht werden, was illegale Archäologie anrichtet, was der illegale Antikenhandel eigentlich dort zerstört, wo die Objekte herkommen. Dabei geht es nicht nur um die brutalen Sprengungen und Zerstörungen des IS in Syrien und im Irak, deren Bilder allgegenwärtig sind. Es muss auch gezeigt werden, wieviel zerstört wird, wenn nach handelbaren Objekten gegraben wird.

Nicht zuletzt sind wir als Forschungseinrichtung gefordert, wenn es darum geht, eine Grundlage für die effektive Bekämpfung des illegalen Handels zu schaffen: Wir müssen herausfinden, wer die Akteure dieser kriminellen Handelsnetzwerke eigentlich sind, und wie sie miteinander vernetzt sind. Es gilt außerdem, den Umfang des illegalen Handels zu ermitteln, denn hier gibt es immer noch wenig belastbare Zahlen. Die SPK hat hier unter der Federführung des Vorderasiatischen Museums ein Forschungsprojekt initiiert, das in der Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen Partnern aus Politik, Ermittlungsbehörden und Wissenschaft dieses Dunkelfeld erhellen will.

Die Fragen stellte Kristina Heizmann

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